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59. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) e.V.
01.-03.10.2025
Hannover

Meeting Abstract

Werden in Hausarztpraxen Terminvermittlungsportale genutzt und entlasten sie in der Praxisorganisation? Eine Querschnittsanalyse im Forschungspraxennetz (FPN) SaxoForN

Karola Mergenthal - Goethe-Universität Frankfurt a. Main, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt a. Main, Deutschland
Astrid-Alexandra Klein - Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum C.G. Carus, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Deutschland
Franziska Brosse - Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum C.G. Carus, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Deutschland
Steve Piller - Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum C.G. Carus, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Deutschland
Karen Voigt - Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum C.G. Carus, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Deutschland
Annett Bräsigk - Universität Leipzig, Medizinische Fakultät, Institut für Allgemeinmedizin, Leipzig, Deutschland
Anne Schrimpf - Universität Leipzig, Medizinische Fakultät, Institut für Allgemeinmedizin, Leipzig, Deutschland
Corina Güthlin - Goethe-Universität Frankfurt a. Main, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt a. Main, Deutschland
Sandra Salm - Goethe-Universität Frankfurt a. Main, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt a. Main, Deutschland

Text

Hintergrund: Die Organisation hausärztlicher Praxen fokussiert auf Termin- und Wartezeitmanagement. Terminvermittlungsportale versprechen Optimierungspotenzial, indem sie Anrufe reduzieren, Terminbuchungen zeit- und ortsunabhängig ermöglichen. Unklar bleibt, inwiefern diese Portale genutzt werden und ob sie zur Entlastung in der Praxis beitragen.

Zielsetzung/Fragestellung: Nutzen Hausarztpraxen Terminvermittlungsportale? Wie hoch ist der Anteil der Patient:innen, die diese nutzen, und in welchem Maß trägt die Nutzung zur Entlastung der Praxisorganisation bei?

Material und Methoden: Im Quartal 4/2024 wurden Abrechnungsdaten aus sächsischen und südhessischen Praxen des FPN SaxoForN erhoben. Ergänzend beantworteten sie Fragen zur Nutzung von Terminvermittlungsportalen und zur wahrgenommenen Entlastung (Skala 1= keine Entlastung bis 5= sehr hohe Entlastung). Die Analyse erfolgte deskriptiv (SPSS).

Ergebnisse: In die Auswertung flossen Daten von 49 Hausarztpraxen ein. 20% (n=9) gaben an, ein Terminvermittlungsportal zu nutzen; sieben verschiedene Anbieter wurden genannt. In zwei Praxen nutzten 50% der Patient:innen das Portal, in fünf Praxen zwischen 10–30%, und in zwei Praxen nur 1–2%. Die wahrgenommene Entlastung war in den Praxen mit hohem Patientennutzungsgrad (50%) am größten (Median 4,0), gefolgt von Praxen mit mittlerem Nutzungsgrad (10–30%; Median 3,0) und den Praxen mit niedrigem Nutzungsgrad (1–2%; Median 2,5).

Diskussion: Lediglich ein Fünftel der teilnehmenden Praxen setzt ein Terminvermittlungsportal ein. Das Nutzungsverhalten der Patient:innen variiert stark. Praxen, in denen das Portal intensiv genutzt wird, berichten von einer deutlichen Entlastung der Praxisorganisation – ein Hinweis, dass solche Tools Arbeitsabläufe verbessern können.

Trotz zunehmender Digitalisierung ist der Einsatz von (Online-)Terminvermittlungsportalen in Hausarztpraxen nicht weit verbreitet. Dabei könnten sie das Qualitätserlebnis der Patient:innen verbessern, das Praxisimage modernisieren und Wartezeiten verkürzen – Faktoren, die meist mit höherer Patientenzufriedenheit und gesteigerter Effizienz einhergehen. Offen bleibt, warum das Portal in manchen Praxen nur von wenigen Patient:innen genutzt wird und worin sich diese Praxen unterscheiden. Möglicherweise erklären unterschiedliche eingesetzte Portale die beobachteten Unterschiede.

Take Home Message für die Praxis: Terminvermittlungsportale werden in den Hausarztpraxen in SaxoForN bislang selten genutzt. Weitere Forschung ist notwendig, um spezifische Vor- und Nachteile für die Nutzung durch die Praxen und die Patient:innen zu identifizieren.