Logo

59. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) e.V.
01.-03.10.2025
Hannover

Meeting Abstract

Sind manche Angstfragebögen besser als andere? Diagnostische Netzwerk-Metaanalyse

Klaus Linde - Technische Universität München, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, München, Deutschland
Alexey Fomenko - Technische Universität München, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, München, Deutschland
Zekeriya Aktürk - Technische Universität München, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, München, Deutschland; Universität Augsburg, Lehrstuhl für Allgemeinmedizin, Augsburg, Deutschland
Stefanie Eck - Technische Universität München, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, München, Deutschland
Alexander Hapfelmeier - Technische Universität München, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, München, Deutschland; Technische Universität München, Institut für KI und Informatik in der Medizin, München, Deutschland
Enzo Cerullo - University of Leicester, Department of Population Health Sciences, Leicester, Großbritannien
Alexander Sutton - University of Leicester, Department of Population Health Sciences, Leicester, Großbritannien
Antonius Schneider - Technische Universität München, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, München, Deutschland

Text

Hintergrund: Angststörungen haben eine hohe Prävalenz, bleiben aber häufig unerkannt. Es gibt zahlreiche Selbstauskunfts-Fragenbögen, die zum Screening oder zur Unterstützung bei der Diagnostik von Angststörungen verwendet werden können. Unsere Arbeitsgruppe hat systematische Reviews zur diagnostischen Genauigkeit von acht wichtigen Fragebögen durchgeführt.

Zielsetzung/Fragestellung: Gibt es Unterschiede in der diagnostischen Genauigkeit der Fragebögen?

Material und Methoden: Eingeschlossen wurden Querschnittsstudien bei Erwachsenen, die mindestens einen der folgenden Fragebögen mit standardisierten oder strukturierten klinischen Interviews verglichen und die Erstellung von 2x2-Tabellen für die Zielerkrankungen Generalized Anxiety Disorder (GAD) und/oder Any Anxiety Disorder (AAD) ermöglichten: GAD-7, GAD-2, HADS-A, BAI, STAI-S, STAI-T, PROMIS-ASF, und OASIS. Die Literatursuche erfolgte in Embase, MEDLINE und PsychInfo (letztes Update 07/2024). Der Vergleich der Fragebögen soll mit eigens entwickelten Netzwerk-Metaanalysen für die beiden Zielerkrankungen unter Einbeziehung aller verfügbaren Schwellenwerte erfolgen.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 126 Studien mit 43.147 Teilnehmer:innen eingeschlossen; 93 Studien können in die Analysen zu AAD und 79 zu GAD einbezogen werden. 80 Studien untersuchten einen Fragebogen, 37 zwei und 9 drei bis fünf Fragebögen. Am häufigsten untersucht wurde der HADS-A (67 Studien), gefolgt von GAD-7 (48) und GAD-2 (33). Ein visueller Vergleich der zusammenfassenden Ergebnisse (summary receiver operating curves und die zugehörigen areas under the curve (AUC)) legt nur relativ geringe Unterschiede zwischen den Fragebögen nahe. Nach gängigen Interpretationsmaßstäben liegen die AUCs der Bögen (0,76 bis 0,86) zwischen akzeptabel und gut. Die eigentliche Netzwerk-Metaanalyse wird zwischen Mai und Juli 2025 erfolgen; die Ergebnisse werden auf dem DEGAM-Kongress präsentiert werden.

Diskussion: Der „naive“ Vergleich der Ergebnisse der einzelnen systematischen Reviews zeigt, dass die diagnostische Genauigkeit aller untersuchten Bögen im Bereich akzeptabel bis gut liegt; eindeutige Unterschiede zwischen den Bögen zwischen den einzelnen Bögen sind hier nicht zu erkennen.

Take Home Message für die Praxis: Für zuverlässige Aussagen zum Vergleich der Fragebögen müssen die finalen Ergebnisse der Netzwerk-Metaanalyse abgewartet werden. Für einen wirklich effizienten Screening-Einsatz in der hausärztlichen Praxis müsste die diagnostische Genauigkeit eines Bogens sehr gut sein – diese hohe Anforderung erfüllt jedoch keiner der Bögen.