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59. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) e.V.
01.-03.10.2025
Hannover

Meeting Abstract

Die Sicht von Patient:innen und Angehörigen zur Inanspruchnahme einer Demenzdiagnostik im hausärztlichen und fachärztlichen Setting

Carolin Rosendahl - Private Universität Witten/Herdecke gGmbH, Institut für Allgemeinmedizin und Ambulante Gesundheitsversorgung, Lehrstuhl für Allgemeinmedizin I und interprofessionelle Versorgung, Witten, Deutschland
Kristin Rolke - Private Universität Witten/Herdecke gGmbH, Institut für Allgemeinmedizin und Ambulante Gesundheitsversorgung, Lehrstuhl für Allgemeinmedizin I und interprofessionelle Versorgung, Witten, Deutschland
Judith Tillmann - Private Universität Witten/Herdecke gGmbH, Institut für Allgemeinmedizin und Ambulante Gesundheitsversorgung, Lehrstuhl für Allgemeinmedizin I und interprofessionelle Versorgung, Witten, Deutschland
Alexander Hanke - Universitätsklinikum Bonn, Klinik für Kognitive Störungen und Alterspsychiatrie, Bonn, Deutschland
Michael Wagner - Universitätsklinikum Bonn, Klinik für Kognitive Störungen und Alterspsychiatrie, Bonn, Deutschland
Lara Marie Reimer - Universitätsklinikum Bonn, Institut für digitale Medizin, Bonn, Deutschland
Florian Schweizer - Universitätsklinikum Bonn, Institut für digitale Medizin, Bonn, Deutschland; Technische Universität München, School of Computation, Information and Technology, München, Deutschland
Philipp Schaper - Universität Siegen, Professur für Psychologische Alternsforschung, Siegen, Deutschland
Jochen René Thyrian - Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, Interventionelle Versorgungsforschung, Deutschland
Klaus Weckbecker - Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, Interventionelle Versorgungsforschung, Deutschland

Text

Hintergrund: In Deutschland leben circa 1,8 Millionen demenziell erkrankte Menschen, Tendenz steigend. Die Diagnose erfolgt oft spät und vorwiegend in Fachzentren, obwohl Hausärzt:innen meist die erste Anlaufstelle sind. Im Projekt „iCreate“ führten Medizinische Fachangestellte in zehn hausärztlichen Praxen tablet-basierte Kognitionstestungen durch. Patient:innen mit auffälligem Ergebnis wurden an eine Gedächtnisambulanz zur weiteren Diagnostik überwiesen. Etwa 15% der Patient:innen mit auffälligem Ergebnis nahmen das Angebot der weiterführenden Diagnostik jedoch nicht wahr. Gründe dafür wurden im Projekt nicht systematisch erhoben. Eine erste Literaturrecherche zeigte eine Vielzahl an Fachartikeln zur Demenzdiagnostik, jedoch keine systematische Zusammenfassung der Einflussfaktoren auf die Inanspruchnahme oftmals langwieriger und hürdenreicher demenzdiagnostischer Prozesse. Insbesondere warum Patient:innen nach einer hausärztlichen Erstdiagnostik keine weitere fachärztliche Diagnostik aufsuchen.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel ist es, förderliche und hinderliche Faktoren für die Inanspruchnahme einer Demenzdiagnostik aus Sicht von Patient:innen und Angehörigen zu identifizieren.

Diskussionspunkt: Aus der Literatur sind hinderliche Faktoren wie Angst vor Stigmatisierung, negative Auswirkungen auf den Alltag oder ein fehlendes Vertrauensverhältnis zu anderen Ärzt:innen als den Hausärzt:innen bekannt. Auch die Furcht, dass Symptome als Altersvergesslichkeit eingestuft und die eigenen Ängste nicht ausreichend ernst genommen werden, können eine Hürde darstellen. Organisatorische Aspekte (z.B. Terminvereinbarungen, Anfahrt) oder fehlende soziale Unterstützung könnten eine Rolle spielen und bilden zusammen mit Befürchtungen und Ängsten ein verwobenes Motivbündel.

Inhalt: Geplant sind qualitative Interviews mit Patient:innen und Angehörigen aus der Studie „iCreate“, eine Fokusgruppe mit einem Patient:innenbeirat zur Identifikation erkrankungsunabhängiger Faktoren sowie ein Scoping Review zu Einflussfaktoren auf die Inanspruchnahme der Demenzdiagnostik.

Take Home Message für die Praxis: Um eine rechtzeitige und bedarfsgerechte Demenzdiagnostik zu ermöglichen, müssen Ursachen von Versorgungsbrüchen identifiziert und bedürfnisorientiert adressiert werden. Dies kann sich positiv auf Outcome-Faktoren wie die Lebensqualität, die weitere Behandlung und den Krankheitsverlauf auswirken, aber auch eine Fehl-, Unter- oder Überversorgung vermeiden.