Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung
Der Brandenburgische Modellstudiengang Zahnmedizin – Zielsetzung und Absolvent*innenprofil, deren Umsetzung in Lehr-/Lernphilosophie, didaktischen Prinzipien sowie Curriculumsstruktur und -inhalten
Text
Zielsetzung: Im Bundesland Brandenburg gab es bis zur hier beschriebenen Einführung des Brandenburgischen Modellstudiengangs Zahnmedizin (BMZ) im Sommersemester 2024 keine Möglichkeit, Zahnmedizin zu studieren. Gleichzeitig besteht bereits heute ein Mangel an Zahnärzt*innen, der sich zukünftig weiter verschärfen wird. Um diesem zu begegnen, sollte an der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) ein Studiengang Zahnmedizin eingerichtet werden.
Methoden: Die Entwicklung des Studiengangskonzepts einschl. Studien- und Prüfungsordnung erfolgt zwischen Januar und April 2023 durch eine interprofessionell zusammengesetzte, achtköpfige Arbeitsgruppe und umfasste mit einer allgemeinen und spezifischen Bedarfsanalyse, der Festlegung von Lernzielen, Curriculumsstruktur, Lehr- und Prüfungsformaten wesentliche Teile der Schritte eins bis vier des Kernzyklus [1].
Ergebnisse und Diskussion: Wir haben ein Absolvent*innenprofil entwickelt, in dem neben der Berufsqualifizierung das wissenschaftliche Arbeiten und die Persönlichkeitsentwicklung verankert sind und explizit die Verantwortungsübernahme für die patient*innen-zentrierte, orale und systemische Gesundheitsversorgung in einer ländlichen Modellregion adressiert wird. Zur Umsetzung haben wir einen Modellstudiengang nach § 82 der Approbationsordnung für Zahnärzt*innen mit einer Gliederung in zwei Studienabschnitte und einer durchgehend modularen Struktur konzipiert. Dies erfolgte aus einer konstruktivistischen Grundhaltung heraus, die auch die weiteren Studiengänge der MHB prägt [2] und berücksichtigt vor dem Hintergrund der besonderen Bedeutung der praktischen Ausbildung in der Zahnmedizin die Prinzipien des situierten Lernens [3]: Der erste Studienabschnitt umfasst ein interdisziplinäres Z-Curriculum Integrierte Grundlagen über die Semester 1-6, in dem bereits ab Semester 1 an dentalen Simulatoren unterrichtet wird. Problem-orientiertes Lernen ist das zentrale Lehr-/Lernformat und gliedert die Module in eine Wochenstruktur. Der 2. Studienabschnitt (Semester 7-10) fokussiert sich auf die synoptische Ausbildung im Patient*innenkontakt in der Zahnklinik. Dem Anspruch der wissenschaftlichen Ausbildung wird u.a. durch ein longitudinales Wissenschaftscurriculum mit 6-wöchigem Wissenschaftspraktikum Rechnung getragen. Ein Kommunikations- und Reflexionscurriculum dient dem Erwerb kommunikativer Kompetenzen und unterstützt die Persönlichkeitsentwicklung. Praxistage ab dem 2. Semester in allgemein- und zahnmedizinischen Praxen sowie Dentallaboren ermöglichen einen frühen Patient*innenkontakt und Lernen in realistischen Situationen und sozialen Umgebungen. Die Groblernziele wurden in einem interdisziplinären Prozess in enger Anlehnung an den Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Zahnmedizin entwickelt. Um für die nachfolgende Feinplanung den Prinzipien des constructive alignement folgen zu können, wurden in Studien- und Prüfungsordnung eine geeignete Mischung an Lehr- und Prüfungsformaten hinterlegt.
Literatur
[1] Kern DE, Thomas, PA, Hughes MT. Curriculum Development for Medical Education: a six step approach. 2nd edition. Baltimore: The John Hopkins University Press; 2009.[2] Winkelmann A, Schendzielorz J, Maske D, Arends P, Bohne C, Hölzer H, Harre K, Nübel J, Otto B, Oess S. The Brandenburg reformed medical curriculum: study locally, work locally. GMS J Med Educ. 2019;36(5):Doc49. DOI: 10.3205/zma001257
[3] O’Brien BC, Battista A. Situated learning theory in health professions education research: a scoping review. Adv Health Sci Educ Theory Pract. 2020;25(2):483-509. DOI: 10.1007/s10459-019-09900-w



