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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung


08.-10.09.2025
Düsseldorf

Meeting Abstract

Delphi-Studien in den Sozial- und Gesundheitswissenschaften – Empfehlungen für eine standardisierte Berichterstattung (DELPHISTAR)

Marlen Niederberger - Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, Institut für Gesundheitswissenschaften, Abteilung für Forschungsmethoden in der Gesundheitsförderung und Prävention, Schwäbisch Gmünd, Deutschland
Julia Schifano - Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, Institut für Gesundheitswissenschaften, Abteilung für Forschungsmethoden in der Gesundheitsförderung und Prävention, Schwäbisch Gmünd, Deutschland
Stefanie Deckert - Technische Universität Dresden, Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung, Dresden, Deutschland
Julian Hirt - Ostschweizer Fachhochschule (OST), Department Gesundheit, Rapperswil, Schweiz; Universitätsspital Basel und Universität Basel, Research Center for Clinical Neuroimmunology and Neuroscience Basel (RC2NB), Pragmatic Evidence Lab, Basel, Schweiz
Angelika Homberg - Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, GB Studium und Lehre, Abteilung Medizinische Ausbildungsforschung, Mannheim, Deutschland
Stefan Köberich - Universitätsklinikum Freiburg, Pflegedirektion, Freiburg i. Br., Deutschland
Rainer Kuhn - DIALOGIK gemeinnützige Gesellschaft für Kommunikations- und Kooperationsforschung mbH, Stuttgart, Deutschland; Universität Stuttgart, Zentrum für interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung (ZIRIUS), Stuttgart, Deutschland
Alexander Rommel - Robert Koch-Institut, Epidemiologie & Gesundheitsmonitoring, Abteilung 2, Berlin, Deutschland
Marco Sonnberger - Universität Stuttgart, Institut für Sozialwissenschaften, Abteilung für Technik- und Umweltsoziologie, Stuttgart, Deutschland

Text

Zielsetzung: Delphi-Verfahren gewinnen in der Ausbildungsforschung der Gesundheitsberufe aufgrund ihrer flexiblen Anwendbarkeit zunehmend an Bedeutung. Trotz unterschiedlicher Vorschläge für Richtlinien zur Berichterstattung hat sich bislang keine in den Gesundheits- und Sozialwissenschaften übergreifend für unterschiedliche Delphi-Varianten etabliert. Ziel dieser Studie ist die Entwicklung einer Reporting Guideline, die von Delphi-Anwender*innen und -Forscher*innen unterschiedlicher Fachbereiche bewertet wird. Hierdurch kann die Passung für diverse Anwendungsfelder und Delphi-Varianten erhöht und die empirisch belegte Heterogenität in der Durchführung und Berichterstattung von Delphi-Verfahren reduziert werden.

Methoden: In einer internationalen Delphi-Studie wurden Delphi-Expert*innen online über drei Runden befragt, um eine Reporting Guideline für Delphi-Verfahren in den Gesundheits- und Sozialwissenschaften zu konsentieren. Die Befragten waren Wissenschaftler*innen, die zu Delphi-Studien geforscht oder diese durchgeführt und publiziert haben. Die zur Bewertung gestellten 65 Items für die Reporting Guideline basierten auf einem Review zur Praxis von Delphi-Verfahren [1] und einem methodologischen Review bestehender Reporting Guidelines für Delphi-Verfahren [2] und wurden in fünf Topics gegliedert. Ab der zweiten Delphi-Runde erhielten die Expert*innen als Feedback Mittel- und Streuungswerte der Abstimmung auf einer 7-stufigen Likert-Skala, eine Zusammenfassung der offenen Antworten und ihre Antwort aus der vorherigen Runde. In die finale Reporting Guideline wurden die Items aufgenommen, bei denen mindestens 75% der Befragten auf den Skalenpunkten 6 und 7 zustimmten.

Ergebnisse: Zur Teilnahme wurden 1.072 Expert*innen aus 47 Ländern eingeladen. Die erste Delphi-Runde beendeten 91 Expert*innen, die zweite 69 und die dritte 56. Von 65 Items der initial vorlegten Reporting Guideline erreichten 38 Items aus fünf Topics einen Konsens: Title and abstract (n=3), Context (n=7), Method (n=20), Results (n=4) und Discussion (n=4). Abgelehnt oder im Dissens blieben Items mit forschungstheoretischem Fokus und zur Dissemination. Die Guideline wurde unter der Bezeichnung Delphi studies in social and health sciences-Recommendations for an interdisciplinary standardized reporting (DELPHISTAR) publiziert [3].

Diskussion: Da die Guideline durch Konsens von Delphi-Expert*innen entwickelt wurde, wird von einer hohen Akzeptanz und interdisziplinären Anwendbarkeit ausgegangen. Ihre Nutzung kann die Vergleichbarkeit und Bewertbarkeit von Delphi-Studien erheblich verbessern, Inkonsistenzen und unklare Beschreibungen in Publikationen verringern sowie ein Bewusstsein für die Vielfalt der Delphi-Varianten und ihrer spezifischen Potentiale und Herausforderungen schärfen.

Take Home Message: Mit DELPHISTAR steht eine umfassende Reporting Guideline zur Verfügung, die auch für Delphi-Verfahren in der Ausbildungsforschung der Gesundheitsberufe eingesetzt werden kann.


References

[1] Niederberger M, Schifano J. Delphi Technique in Health Sciences: A Map. Front Public Health. 2020;8:457. DOI: 10.3389/fpubh.2020.00457
[2] Schifano J, Homberg A, Sonnberger M, Niederberger M. Reporting guidelines for Delphi techniques in health sciences: A methodological review. Z Evid Fortbild Qual Gesundhwes. 2022;172:1-11. DOI: 10.1016/j.zefq.2022.04.025
[3] Niederberger M, Schifano J, Deckert S, Hirt J, Homberg A, Köberich S, Kuhn R, Rommel A, Sonnberger M; DEWISS network. Delphi studies in social and health sciences-Recommendations for an interdisciplinary standardized reporting (DELPHISTAR). Results of a Delphi study. PLoS One. 2024;19(8):e0304651. DOI: 10.1371/journal.pone.0304651