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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung


08.-10.09.2025
Düsseldorf

Meeting Abstract

Sprachbarrieren interprofessionell überwinden – Praxisbericht Visitentraining

Juliane Schopf - Universität Münster, Institut für Ausbildung und Studienangelegenheiten, Münster, Deutschland
Johanna Kollet - Universität Münster, Institut für Ausbildung und Studienangelegenheiten, Münster, Deutschland
Nele Woermann - Universität Münster, Institut für Ausbildung und Studienangelegenheiten, Münster, Deutschland
Helena Baur - Universität Münster, Institut für Ausbildung und Studienangelegenheiten, Münster, Deutschland
Bernhard Marschall - Universität Münster, Institut für Ausbildung und Studienangelegenheiten, Münster, Deutschland
Janina Sensmeier - Universität Münster, Institut für Ausbildung und Studienangelegenheiten, Münster, Deutschland
Hendrik Ohlenburg - Universität Münster, Institut für Ausbildung und Studienangelegenheiten, Münster, Deutschland

Text

Fragestellung/Zielsetzung: Ärzt*innen treffen im Beruf nicht nur auf unterschiedliche Krankheiten, sondern auch auf Menschen mit individuellen sprachlich-kulturellen Hintergründen. Eine optimale Patient*innenversorgung ist u.a. nur gewährleistet, wenn med. Personal professionell mit kommunikativen Herausforderungen (z.B. Sprachbarrieren oder Schwerhörigkeit) umgehen kann [1]. Am Studienhospital der Universität Münster können Studierenden sich in der Lehrveranstaltung Visitentraining in einer geschützten Lernatmosphäre mit Simulationspatient*innen (SP) adäquat auf diese beruflichen Anforderungen vorbereiten.

Methoden: Visitentraining ist eine curriculare Lehrveranstaltung für das 1. klin. Semester (WiSe 24/25: 144 Studierende). Die Lernziele bestehen darin, dass die Studierenden eine Anamnese und körperliche Untersuchung demonstrieren sowie professionell mit kommunikativen Herausforderungen (u.a. Schwerhörigkeit, leichte Demenz oder Dialekte) umgehen. Im WiSe 24/25 wurde außerdem das Thema Sprachbarriere pilotiert, indem SP mit den Erstsprachen Arabisch, Koreanisch, Schwedisch, Tschechisch und Vietnamesisch in Begleitung von Profi-Dolmetscher*innen eingesetzt wurden. Es fanden 144 Simulationen statt, 36 davon mit Sprachbarriere und Dolmetscher*innen-Beteiligung. Jede*r Studierende hat eine Simulation mit Sprachbarriere gesehen oder selbst durchgeführt. Vorbereitend wurden alle Beteiligten zum simulationsbasierten Training und der professionellen Zusammenarbeit mit Dolmetschenden geschult.

Ergebnisse: Die Lehrveranstaltung stieß bei allen Beteiligten auf positive Resonanz, insbesondere betont wurde der realitätsnahe Praxisbezug. Gleichzeitig vermied die intensive Vorbereitung eine Überforderung der Studierenden. Als wertvoll erwies es sich, das Feedback der SP und der Dolmetschenden auf Deutsch durchzuführen, da die konstruktive Kritik direkt an die Studierenden übermittelt und von diesen unmittelbar aufgenommen werden konnte.

Diskussion: Die reflektierte Sprachauswahl und der Verzicht auf häufige Sprachen konnte verhindern, dass Studierende Kompetenzen in diesen Sprachen aufweisen und somit das Lernziel eines professionellen Umgangs mit Dolmetschenden verfehlen. Eine Herausforderung für die SP bestand darin, dass sie als bilinguale Personen die Redebeiträge der Studierenden verstehen konnten, allerdings simulieren mussten, auf die Dolmetscher*innen angewiesen zu sein. Durch die Schulung und den bewussten Umgang damit konnte diese Aufgabe von allen SP gut gemeistert werden und eine professionelle und wertschätzende Arbeitsatmosphäre sowie eine qualitativ hochwertige interprofessionelle Zusammenarbeit generiert werden. Die positiven Rückmeldungen und die Relevanz für die Patient*innensicherheit [2] motivieren zur Fortführung und Weiterentwicklung sowie einer wissenschaftlichen Auswertung der Lehrveranstaltung.


References

[1] Angelelli CV. Medical Interpreting and Cross-cultural Communication. Cambridge: University Press; 2009.
[2] Flores G. The Impact of Medical Interpreter Services on the Quality of Health Care: A Systematic Review. Med Care Res Rev. 2005;62(3):255-299. DOI: 10.1177/1077558705275416