Logo

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Entwicklung und Evaluation eines studentisch geführten Planetary-Health-Seminars mit Peer Teaching und praxisnahen Pocket-Cards

Jakob Schmidt von Happe - Medizinische Hochschule Hannover, Lehr- und Forschungseinheit Medizinische Lehr- und Lernforschung, Hannover, Deutschland; Health For Future, Berlin, Deutschland
Jan Bosse Ahl - Medizinische Hochschule Hannover, Lehr- und Forschungseinheit Medizinische Lehr- und Lernforschung, Hannover, Deutschland; Health For Future, Berlin, Deutschland
Anna Feest - Health For Future, Berlin, Deutschland
Juliane Geinitz - Health For Future, Berlin, Deutschland
Volker Paulmann - Medizinische Hochschule Hannover, Lehr- und Forschungseinheit Medizinische Lehr- und Lernforschung, Hannover, Deutschland
Marie Mikuteit - Medizinische Hochschule Hannover, Lehr- und Forschungseinheit Medizinische Lehr- und Lernforschung, Hannover, Deutschland
Sandra Steffens - Medizinische Hochschule Hannover, Lehr- und Forschungseinheit Medizinische Lehr- und Lernforschung, Hannover, Deutschland

Text

Hintergrund/Fragestellung: Der Klimawandel ist eine zentrale Gesundheitskrise und erfordert, dass zukünftige Ärzt*innen klimabedingte Gesundheitsfolgen behandeln und zur Transformation hin zu nachhaltiger Versorgung beitragen [1]. Die Zusammenhänge zwischen Umwelt, Gesellschaft und Gesundheit werden im Konzept Planetary Health (PH) zusammengefasst. Zur Erweiterung des Lehrangebots an der Medizinischen Hochschule Hannover wurde auf Initiative von Studierenden ein achtstündiges, Peer-Teaching-basiertes Seminar konzipiert und als Wahlpflichtangebot im Rahmen des Wissenschaftsmoduls durchgeführt. Hier wird das Seminar mit ersten Evaluationsergebnissen vorgestellt.

Methoden: Das initial von zwei Studentinnen konzipierte Seminar bestand aus zwei Präsenzterminen sowie einer dazwischenliegenden Kleingruppenphase (siehe Abbildung 1 [Abb. 1]). In der Gruppenphase erarbeiteten die Studierenden Kurzvorträge und Pocket-Cards für den klinischen Alltag, die im zweiten Präsenztermin präsentiert und in einen Transferrahmen eingebettet wurden. Die Evaluation erfolgte pseudonymisiert mittels Prä-/Post-Fragebögen (5-stufige Likert-Skalen) zu 17 Lernzielen in den Domänen Gesellschaft/Gesundheit, Planetary Health und Wissenschaftliches Arbeiten. Die 17 Prä-/Post-Paare wurden mittels gepaarter t-Tests analysiert; zusätzlich wurde der relative Lernzuwachs nach Raupach [2] berechnet.

Abbildung 1: Ablauf und didaktische Struktur des Planetary-Health-Seminars (8 Unterrichtseinheiten)

Ergebnisse: In zwei Durchläufen nahmen insgesamt 32 Studierende teil; 24 (75%) stimmten der Datenauswertung zu und füllten beide Fragebögen vollständig aus. In allen Lernzielen der Domänen Gesellschaft/Gesundheit und Planetary Health zeigte sich ein signifikanter Lernzuwachs im Vergleich zur Prä-Befragung (p<0,05). Der mittlere relative Lernzuwachs betrug in den Domänen Gesellschaft/Gesundheit 67% (SD=2,3%), Planetary Health 71% (SD=4,2%) und Wissenschaftliches Arbeiten 24% (SD=10,5%). In der Domäne Wissenschaftliches Arbeiten war der Lernzuwachs nur für ein von drei Lernzielen signifikant nachweisbar. Das Peer Teaching wurde sehr positiv bewertet (MW=4,79/5 Punkten; SD=0,58). Bis zur GMA-Jahrestagung sind zwei weitere Durchläufe geplant.

Diskussion: Die Ergebnisse sprechen dafür, dass ein studentisch kreiertes PH-Seminar kurzfristig die selbst eingeschätzten Kompetenzen der Teilnehmenden in zentralen PH-Domänen stärken konnte und zugleich sehr gut akzeptiert wurde. Der geringere Effekt im Bereich Wissenschaftliches Arbeiten legt nahe, Lernziele und -aktivitäten in dieser Domäne zu schärfen da hier schon Grundlagen vorhanden sind. Weitere Durchläufe, objektivere Assessments und Follow-up-Erhebungen könnten die Evidenz zur Nachhaltigkeit der Effekte stärken.

Take-Home-Messages:

  • Peer-Teaching-basierte, studentisch kreierte PH-Lehre ist machbar und mit einem signifikanten Zuwachs selbst eingeschätzter PH-Kompetenzen verbunden.
  • Transferprodukte (Pocket-Cards) und handlungsorientierte Konzepte können den Schritt vom Wissen ins Handeln im klinischen Alltag unterstützen.

References

[1] Romanello M, Walawender M, Hsu S, Moskeland A, Palmeiro-Silva Y, Scamman D, et al. The 2024 report of the Lancet Countdown on health and climate change: facing record-breaking threats from delayed action. Lancet. 2024;404(10465):1847-1896. DOI: 10.1016/S0140-6736(24)01822-1
[2] Raupach T, Münscher C, Beissbarth T, Burckhardt G, Pukrop T. Towards outcome-based programme evaluation: using student comparative self-assessments to determine teaching effectiveness. Med Teach. 2011;33(8):e446-e453. DOI: 10.3109/0142159X.2011.586751