Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Zwischen Kompetenzzuwachs und Belastung: Neue Approbationsordnung und Studierenden-Outcome in der Zahnmedizin
Text
Hintergrund: Mit der Umsetzung der neuen zahnärztlichen Approbationsordnung wurde mit dem WiSe 2021/22 begonnen. Eine damit verbundene curriculare Änderung betrifft den Kurs der zahnmedizinischen chirurgischen Propädeutik und Notfallmedizin, der gegenüber dem Kurs im alten zahnmedizinischen Curriculum (AZC) vom zeitlichen Umfang und von den Lehrinhalten deutlich ausgebaut wurde. So besteht der Kurs im AZC aus einem Vorlesungsanteil und praktischen Unterrichtseinheiten mit insgesamt 2 Semesterwochenstunden (SWS). Im neuen zahnmedizinischen Curriculum (NZC) wird ein Praktikum mit 4 SWS angeboten, das mit 2 SWS Vorlesung begleitet wird.
Fragestellung: Unterscheiden sich die selbst eingeschätzten klinischen Kenntnisse, Fähigkeiten, die wahrgenommene Belastung und die Selbstwirksamkeit von Studierenden, die nach AZC und NZC ausgebildet wurden?
Methoden: In dieser retrospektiven Studie wurden insgesamt 98 Studierende der Zahnmedizin an der Universitätsmedizin Mainz, zur Teilnahme an einem strukturierten Online-Fragebogen eingeladen. 87 Fragebögen (88,78%) wurden ausgewertet. Zusätzlich absolvierten alle Teilnehmenden eine schriftliche und eine praktische Prüfung (OSCE) am Ende des Semesters. Statistische Analysen wurden mit dem Shapiro-Wilk-Test, dem Mann-Whitney-U-Test und dem Student’s t-Test mit FDR-Korrektur durchgeführt.
Ergebnisse: Sowohl AZC- als auch NZC-Studierende zeigten nach dem Kurs eine signifikante Verbesserung ihrer selbst eingeschätzten klinischen Fähigkeiten. Die NZC-Gruppe wies eine signifikant höhere Selbstwirksamkeit auf als die AZC-Gruppe. Darüber hinaus berichtete die NZC-Gruppe über ein höheres Maß an positivem und negativem Stressempfinden. Die objektiven Prüfungsergebnisse unterschieden sich nicht signifikant zwischen beiden Gruppen.
Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass die Ausbildung im NZC die soziale Kompetenz der Studierenden signifikant erhöht. Studierende in dieser Gruppe schätzen sich selbstbewusster und widerstandsfähiger ein. Die Zunahme sowohl positiver als auch negativer Aspekte des wahrgenommenen Stresses unterstreicht die Bedeutung eines sorgfältigen Umgangs mit Stress und die Notwendigkeit von Unterstützungsmechanismen für Studierende im akademischen Umfeld.
Take-Home-Message: Der Einbezug sozialer Kompetenz in die chirurgische Propädeutik-Lehre erhöht die Selbstwirksamkeit der Studierenden.



