Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Survey zur Struktur und Qualität der fachärztlichen Weiterbildung in Deutschland
Text
Hintergrund/Fragestellung: Die fachärztliche Weiterbildung in Deutschland ist stark heterogen [1], was Vergleichbarkeit und potenziell Versorgungsqualität beeinträchtigt. Ziel der Studie war eine systematische Erfassung von Struktur und Qualität der Weiterbildung (siehe Abbildung 1 [Abb. 1]).
Abbildung 1: Grafische Zusammenfassung
Methoden: Der Fragebogen wurde an die Standards der World Federation for Medical Education angelehnt. Befragt wurden Weiterbildungsbefugte (WB) aller Fachrichtungen aus Universitätsklinika anonym vom 03.11.-15.12.2025 mittels Online-Fragebogen über SoSciSurvey. Es wurden 784 E-Mailadressen kontaktiert. Erhoben wurden Daten zu Organisation, Curricula mit Lernzielen, Supervision, Evaluation, Feedback und Ressourcen, mittels 5-stufigen Likertskalen und Multiple-Choice-Antworten. Die Auswertung erfolgte deskriptiv mittels JASP, Version 0.95.4.
Ergebnisse: Es nahmen 44 WB (56,8% weiblich, 88,6% an Universitätsklinika, Chefärzt*innen n=11, Oberärzt*innen n=8) teil, mehrheitlich (61,4%) ohne didaktische Aus- oder Weiterbildung. Die WB gaben an, dass das Weiterbildungsprogramm ihrer Einrichtung einen klaren Auftrag (MW 3,9; SD 1,3), definierte Kompetenzziele (MW 4,2; SD 0,9) und Anforderungen (MW 4,1; SD 1,1) enthalte. Nur 45,6% teilten jedoch Weiterbildungsziele den Weiterzubildenden mit – vornehmlich mündlich im Mitarbeitendengespräch (40,9%), schriftlich fixierte Ziele: 22,7%. Die Feedbackgespräche finden jährlich (31.5%) oder halbjährlich statt (20,5%). Die WB stimmten nur tendenziell zu, dass Feedbackgespräche strukturiert erfolgen und das Erreichen der Kompetenzziele bewerten (MW 3,4; SD 1,2). Nur 25 % verwendeten ein festgelegtes Curriculum für die Bewertung. Neun WB geben gar kein Feedback.
Ein eigenes Budget für die Entwicklung der Weiterbildung stehe nicht zur Verfügung. Die WB wünschten mehr finanzielle (36,4%) und personelle (38,6%) Ressourcen für die Weiterbildung.
Diskussion: Es zeichnet sich eine Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung und Umsetzung der Weiterbildung ab. Zwar berichten die WB über definierte Ziele, diese werden jedoch vielfach nicht mitgeteilt. Kompetenzbasierte Weiterbildungssysteme (z.B. CanMEDS [2] oder ACGME [3]) betonen die Notwendigkeit transparenter, dokumentierter Lernziele als Grundlage der Bewertung. Ähnliches zeigt sich beim Feedback, das in zu geringer Frequenz und nur begrenzt strukturiert erfolgt. Das Fehlen eines eigenen Budgets sowie der Wunsch nach mehr Ressourcen unterstreicht, dass fachärztliche Weiterbildung häufig nicht ausreichend organisational verankert ist. Weitere größere Studien sollten die Wahrnehmung der Weiterzubildenden untersuchen und mit den Ergebnissen der Studie vergleichen sowie mehr Teilnehmende aus Nicht-Universitätsklinika einbeziehen.
Take-Home-Message: Es besteht eine Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung und Umsetzung der Weiterbildung in unserer Befragung – stärkere Bekanntmachung der WFME-Standards, bessere Ressourcen und organisationale Verankerung der Weiterbildung als eigene Aufgabe erscheinen nötig.
References
[1] Hopf LS, Doerry K, Grzybowski AK, Hermann K, Johannsen J, Stadlhofer A, Krumm M, van der Meer F, Paul K, Leal NR, Muntau AC, Gersting SW. Designing structured postgraduate training programs using agile methods. GMS J Med Educ. 2024;41(5):Doc65. DOI: 10.3205/zma001720[2] Frank JR, Danoff D. The CanMEDS initiative: implementing an outcomes-based framework of physician competencies. Med Teach. 2007;29(7):642-647. DOI: 10.1080/01421590701746983
[3] Nasca TJ, Philibert I, Brigham T, Flynn TC. The Next GME Accreditation System – Rationale and Benefits. New Engl J Med. 2012;366(11):1051-1056. DOI: 10.1056/NEJMsr1200117



