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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Wie schätzen Studierende im Vergleich zu Prüfenden ihr Kompetenzniveau beim OSCE ein? Selbst- vs. Fremdeinschätzung zum Einstieg ins PJ

Belinda Brack - Universität Ulm, Medizinische Fakultät, Bereich Studium und Lehre, Curriculumsentwicklung, Ulm, Deutschland
Claudia Grab-Kroll - Universität Ulm, Medizinische Fakultät, Bereich Studium und Lehre, Ulm, Deutschland
Wolfgang Öchsner - Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Ulm, Deutschland; Universität Ulm, Medizinische Fakultät, Bereich Studium und Lehre, Curriculumsentwicklung, Ulm, Deutschland

Text

Hintergrund/Fragestellung: Zur Vorbereitung des Praktischen Jahres (PJ) ist es sinnvoll, in der studentischen Ausbildung den Erwerb und die Überprüfung praktischer Fähigkeiten auszubauen. Bereits seit 2015 empfiehlt der Medizinische Fakultätentag (MFT) die Implementierung einer PJ-Reife-OSCE (Objective Structured Clinical Examination), um die Anvertraubarkeit bestimmter Tätigkeiten festlegen zu können [1]. Aber deckt sich diese „gemessene“ Anvertraubarkeit mit dem „gefühlten“ Selbst-Zutrauen der Studierenden? Ziel dieser Studie ist, die Selbst- und Fremdeinschätzung ärztlicher Kompetenzen (äK) auf Unterschiede zu prüfen.

Methoden: Beim OSCE Innere Medizin und Chirurgie wurden im Oktober 2025 (T0) explizit zwei Global Ratings je äK durch Prüfende erhoben:

  1. die Anvertraubarkeit, basierend auf dem Konzept „Anvertraubare Professionelle Tätigkeiten (APT)“ [2], und
  2. das Kompetenz-Level anhand einer 5-stufigen Likert-Skala.

Analog wurden von den Studierenden Selbsteinschätzungen ihres Kompetenz-Levels und die Selbstwirksamkeit via Online-Fragebogen erfasst. Im April 2026 werden dieselben Daten nach Einführung eines PJ-Reife-OSCE erhoben, bei dem äK aus 12 weiteren Fächern geprüft werden. Dann werden die Parameter beider OSCE-Formate verglichen und Unterschiede untersucht.

Ergebnisse: Es wurden Daten von 149 Studierenden der Fachsemester 8 und 9 erhoben. Davon waren 65% weiblich (n=97). Alle Studienteilnehmenden haben die OSCE in beiden Fächern mit einer Note zwischen 1 und 3 bestanden (MW=1,38±0,5; MW=1,45±0,6). Die Prüfenden bewerteten die Anvertraubarkeit der Kompetenzen in beiden Fächern ähnlich hoch (Chir: MW=2,2±0,3; Range=0-3; IM: MW=2,3±0,4; Range=0-3). Vorläufige deskriptive Analysen (T0) deuten darauf hin, dass Studierende ihr fachbezogenes Kompetenzniveau eher niedriger einschätzten (IM: MW=3,5±0,6, Range=2-5; Chir: MW=3,4±0,7; Range=2-5) als die Prüfenden (IM: MW=4,2±0,4; Range=1-5; Chir: MW=4,3±0,3 Range=1-5). Die vollständigen Ergebnisse beider Messzeitpunkte werden zum Tagungszeitpunkt vorliegen und vorgestellt.

Diskussion: Sollten sich die o.g. Tendenzen in der vollständigen Datenauswertung bestätigen, so würden Studierende sich weniger Kompetenz zutrauen als Prüfende. Das stünde in Kontrast zu einer früheren Studie von Jünger et al. [3], in der sich 16% der Studierenden bezüglich ihrer klinischen Kompetenzen bei der OSCE der Inneren Medizin überschätzen. Da jegliche falsche Einschätzung einen Impact auf die Praxisbereitschaft der Studierenden einerseits und auf die Patientensicherheit andererseits hat, hat unsere Studie eine hohe Relevanz in Bezug auf „Anvertraubare Professionelle Tätigkeiten“ im PJ.

Take-Home-Message: Das Anvertraubarkeits-Konzept im PJ wird sowohl von der Fremdeinschätzung der Prüfenden als auch von der Selbsteinschätzung der Studierenden beeinflusst. Deshalb ist es wichtig, sich über diesbezügliche Kongruenzen und Differenzen in den aktuellen studentischen Kohorten Klarheit zu verschaffen.


References

[1] Bundesministerium für Gesundheit. Verordnung zur Neuregelung der ärztlichen Ausbildung. Überarbeiteter Referentenentwurf: 15.06.2023. Berlin: Bundesministerium für Gesundheit; 2023. Zugänglich unter/available from: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/detail/verordnung-zur-neuregelung-der-aerztlichen-ausbildung
[2] Medizinischen Fakultätentages, (MFT). Anvertraubare Professionellen Tätigkeiten, Konzept für die Ausbildung im Praktischen Jahr Innere Medizin. Berlin: MFT; 2019. Zugänglich unter/available from: https://medizinische-fakultaeten.de/wp-content/uploads/2019/07/Leitfaden-APT-InnereMedizin-MFT.pdf
[3] Jünger J, Schellberg D, Nikendei C. Subjektive Kompetenzeinschätzung von Studierenden und ihre Leistung im OSCE. GMS Z Med Ausbild. 2006;23(3):Doc51. Zugänglich unter/available from: https://journals.publisso.de/de/journals/jme/volume23/zma000270