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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Seminar „Von der Open Data Doktorarbeit bis hin zur Open Source Praxissoftware: Open Medicine als nachhaltig gute Medizin für und mit der Öffentlichkeit“ im Rahmen der Lehrveranstaltung „Digitalisierung in der Medizin“

Tobias Leutritz - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung, Würzburg, Deutschland
Rüdiger Pryss - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung, Würzburg, Deutschland; Universitätsklinikum Würzburg, Institut für medizinische Datenwissenschaften, Würzburg, Deutschland
Sarah König - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung, Würzburg, Deutschland

Text

Zielsetzung: Im Mittelpunkt des 90-minütigen Seminars im 6. Fachsemester steht die Anwendung von Aspekten der sogenannten „Open Culture“. Dabei sollen folgende Lernziele erreicht werden: Studierende legen Wert auf Kollaboration und kontinuierliche Kommunikation sowie Beteiligung aller Akteure im Rahmen von Open Science. Sie berücksichtigen die Zusammenhänge zwischen „Open Science“ und Nachhaltigkeit bzw. Ethik und sind sensibel für ethische Fragen bzw. können diese diskutieren. „Open Culture“ beziehen die Studierenden in eigene Forschungsprojekte (z.B. Doktorarbeit mit Open Source/Open Data) ein.

Im Seminar wurden Methoden der Hochschulbildung für Nachhaltige Entwicklung (HBNE) angewandt (Challenge Driven Learning, CDL) und Bezüge dazu hergestellt (z.B. Infektionskrankheiten im Zusammenhang mit Klimawandel und Ressourcenverbrauch im Sinne der planetaren Gesundheit), was die Praxisrelevanz hervorhebt.

Evaluationsmethoden: Eingangsbefragungen erfassen die Kenntnis von der Methodik der Medizinforschung und werden im Anschluss gleichermaßen abgefragt, um den Lernfortschritt der Studierenden zu evaluieren („Wenn Sie an Medizinforschung denken, welchen Zugang haben Sie dazu?“ – 11er-Likert-Skala mit Beschriftung von 0 = „kein Zugang/black box“ bis 10 = „verschiedene Zugänge/100% transparent“). Zudem wurden Einstellung und Haltung zum Thema der Digitalisierung in der Medizin abgefragt, sowie übergreifend und seminarspezifisch Lehrqualität und Praxisrelevanz evaluiert.

Ergebnisse: Bezüglich des Lernfortschritts wurde die Frage bzgl. des Zugangs zur Medizinforschung von insgesamt 119 Studierenden zu Beginn des Seminars mit durchschnittlich 4,6 eingeschätzt, am Ende des Seminars mit 6,9 und markiert damit einen deutlichen Anstieg im Verständnis. Kollaborative Methoden, wie die Erstellung eines Schaubilds zum Wissenschaftskreislauf (siehe Abbildung 1 [Abb. 1]) oder die Kritik und Verbesserung eines fiktiven Studiendesigns (nach der Methode des CDL) zeigten unterschiedliches Maß und Möglichkeiten der Beteiligung, was Anpassung erfordert (je nach Gruppengröße zwischen 3 und 20 Teilnehmenden).

Abbildung 1: Im Seminar kollaborativ erstelltes Diagramm zum Wissenschaftskreislauf
Kreislauf (beginnend bei 1 Uhr, gelb hinterlegtes Kästchen) im Sinne des Open Science mit Nachhaltigkeits- (grün) und Ethikaspekten (blau), sowie Akteuren (Strichmännchen) und Fallstricken (rot) nebst Kommentar- und Gutachtermöglichkeiten. Erstellung der Einzelelemente durch Dozierenden, Anordnung kollaborativ durch Teilnehmende bzw. z.T. durch den Dozierenden.

Diskussion: Das 90-minütige Seminarformat ist auf Grund seiner Kürze bedingt geeignet, ein solch komplexes Thema, das zudem längsschnittig im Studium verankert sein sollte (s. Modellstudiengänge, v.a. hinsichtlich des Aspekts des wissenschaftlichen Arbeitens). Es zeigen sich aber gute Möglichkeiten der Integration komplexer Themen, wie globale Gesundheit, auch in Lehrveranstaltungen, wo das Thema sonst nicht erwartet wird (siehe Abbildung 1 [Abb. 1]).

Take-Home-Messages: Integration der Themenfelder Wissenschaftlichkeit, Ethik und Nachhaltigkeit sowie planetare Gesundheit stellen nach wie vor Herausforderungen in der längs- und querschnittigen Curricularentwicklung dar. Gleichzeitig zeigt sich jedoch hohes Potential, diese Themen entsprechend zu platzieren und so auch bisher vernachlässigten Themen und Ansätzen, wie HBNE, mehr Aufmerksamkeit und Geltung zu verleihen.