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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Stillen und Laktation: Entwicklung eines interprofessionellen Rahmencurriculums

Antonia Sommer - Max Rubner-Institut (MRI) – Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, Institut für Ernährungsverhalten, Karlsruhe, Deutschland
Monika Berns - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Neonatologie, Berlin, Deutschland
Simone Martina Hock - Universitätsklinikum Freiburg, Department Kinder-, Jugend- und Frauenmedizin, Freiburg, Deutschland
Mira Julia Pflanz - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Hebammenwissenschaft, Würzburg, Deutschland
Monika Gevers - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Hebammenwissenschaft, Würzburg, Deutschland
Karin Kriwanek - Babyfreundliche Apotheke e.V., Dörsdorf, Deutschland
Mariell Hoffmann - Max Rubner-Institut (MRI) – Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, Institut für Ernährungsverhalten, Karlsruhe, Deutschland

Text

Problembeschreibung: Muttermilch gilt als optimale Ernährung für Säuglinge in den ersten sechs Lebensmonaten [1]. Trotz umfangreicher Evidenz für die gesundheitlichen Vorteile des Stillens und einer hohen Stillmotivation von rund 90 % werden in Deutschland lediglich 40 % der Säuglinge bis zum Ende des vierten und 13 % bis zum Ende des sechsten Monats ausschließlich gestillt [2]. Die Vermittlung von Stillwissen sowie qualifizierte Stillberatung durch geschultes Fachpersonal kann vorzeitigem Abstillen entgegenwirken [3]. Aktuelle Ausbildungscurricula adressieren Stillen jedoch häufig nur unzureichend und unstrukturiert, sodass fundiertes Wissen und qualifizierte Beratung vielfach von der Eigeninitiative des Gesundheitsfachpersonals abhängen.

Projektbeschreibung: Um das Stillen in Deutschland kurz-, mittel- und langfristig zu fördern, verabschiedete das Bundeskabinett 2021 die Nationale Strategie zur Stillförderung (NaSt). Ein Strategiefeld beschäftigt sich mit der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Gesundheitsfachpersonal. Hierfür entwickelten ExpertInnen aus Medizin, Hebammen-, Pflegewissenschaft und Pharmazie jeweils praxis- und professionsrelevante Lernziele für den Bereich Stillen und Laktation. Unter Leitung der NaSt-Koordinierungsstelle am Max Rubner-Institut wurden die einzelnen Lernziele diskutiert, in einem iterativen Prozess weiter ausgearbeitet und für jeden Fachbereich gewichtet. Daraus resultierte ein interprofessionelles Rahmencurriculum „Stillen und Laktation“.

Ergebnisse: Es wurden 20 Teilkompetenzen identifiziert, bestehend aus 136 Lernzielen (siehe Tabelle 1 [Tab. 1]). Die ExpertInnen stuften dabei die Teilkompetenz „Evidenzbasierte Maßnahmen des Stillmanagements“ sowie Lernziele in Bezug auf die gesundheitlichen Vorteile des Stillens für Mutter und Kind, die psychische Bedeutung des Bindungsprozesses im Stillverlauf und Ernährungsberatungskompetenz als besonders praxisrelevant ein. Aus Sicht der einzelnen Fachbereiche ergaben sich neben Gemeinsamkeiten auch Unterschiede hinsichtlich der Gewichtung der einzelnen Lernziele für die jeweilige Ausbildung.

Tabelle 1: Teilkompetenzen des interprofessionellen Rahmencurriculums „Stillen und Laktation“
Das interprofessionelle Rahmencurriculum „Stillen und Laktation“ beinhaltet 20 Teilkompetenzen, bestehend aus 136 Lernzielen.

Diskussion: Das interprofessionelle Rahmencurriculum ermöglicht eine einheitliche Basis zur Vermittlung von Stillberatungskompetenz und zugleich berufsspezifische Schwerpunktsetzungen. Indem Stillwissen systematisch in die jeweilige Ausbildung integriert wird, kann die Handlungssicherheit zukünftiger Fachkräfte gestärkt werden. Eine konsistente, professionsübergreifende Stillberatung kann dazu beitragen das Stillen zu fördern, Stillproblemen vorzubeugen und eine informierte Entscheidungsfindung für junge Familien zu unterstützen.

Take-Home-Messages: Das interprofessionell entwickelte Rahmencurriculum „Stillen und Laktation“ ist eine konkrete Maßnahme, …

  • Stillwissen systematisch in die Ausbildung von Gesundheitsfachpersonal zu integrieren,
  • Stillberatungskompetenz von Gesundheitsfachpersonal nachhaltig zu fördern,
  • langfristig die konsistente Betreuung und Beratung stillender Familien zu stärken.

References

[1] Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.; Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.; Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft e.V., editors. S-3 Leitlinie Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung, Version 1.0. AWMF-Registernummer 027-072. AWMF; 2025.
[2] Brettschneider AK, von der Lippe E, Lange C. Stillverhalten in Deutschland - Neues aus KiGGS Welle 2 [Breastfeeding behaviour in Germany-News from KiGGS Wave 2]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2018;61(8):920-925. DOI: 10.1007/s00103-018-2770-7
[3] McFadden A, Siebelt L, Marshall JL, Gavine A, Girard LC, Symon A, MacGillivray S. Counselling interventions to enable women to initiate and continue breastfeeding: a systematic review and meta-analysis. Int Breastfeed J. 2019;14:42. DOI: 10.1186/s13006-019-0235-8