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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Cinemeducation in der medizinischen Ausbildung: Diversität und Repräsentation in einem filmgestützten Lehrformat

Moritz Trieb - Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Plastisch- und Handchirurgische Klinik, Erlangen, Deutschland; Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin, München, Deutschland
Lisa Pfadenhauer - Ludwig-Maximilians-Universität München, Pettkofer School of Public Health, München, Deutschland
Céline Kohll - Technische Universität München, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde, München, Deutschland
Martin R. Fischer - Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin, München, Deutschland
Matthias Siebeck - Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin, München, Deutschland
Mike Rüb - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Berlin, Deutschland; Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin, München, Deutschland

Text

Hintergrund/Fragestellung: Cinemeducation gilt als innovativer Ansatz in den Medical Humanities zur Förderung von Perspektivenübernahme, Reflexionsfähigkeit und professioneller Identitätsentwicklung. Die studentisch mitorganisierte Cinemeducation Lehrveranstaltung „M23-Kino“ (M23C) an der LMU München kombiniert Filmvorführungen mit moderierten Diskussionen unter Einbindung externer Gäste. Ziel dieser Studie war es, die inhaltliche und personelle Repräsentation sowie Diversität des Formats systematisch zu analysieren und mögliche Entwicklungspotenziale im Sinne einer inklusiven medizinischen Ausbildung zu identifizieren.

Methoden: In einer deskriptiven Mixed-Methods-Studie wurden alle 103 M23C-Veranstaltungen zwischen 2006 und 2024 analysiert. Grundlage bildeten interne und öffentlich zugängliche Dokumentationen zu Filmcharakteristika, thematischen Schwerpunkten sowie soziodemographischen Merkmalen der eingeladenen Gäste und des Organisationsteams. Quantitative Daten wurden deskriptiv ausgewertet; qualitative Kategorien wurden thematisch gebildet.

Ergebnisse: Von 103 Veranstaltungen waren 66 (64,1%) Spielfilme und 36 (35,0%) Dokumentationen. Insgesamt wurden 80 unterschiedliche Themen adressiert, am häufigsten Schwangerschaftsabbruch, assistierter Suizid und Organtransplantation. Die Filme stammten aus 29 Ländern, jedoch wurden 99 (97,1%) im Globalen Norden (ko-)produziert.

Von 231 Gästen waren 119 (51,5%) Ärzt*innen aus 33 Fachrichtungen, 45 (19,5%) Personen mit eigener Krankheits- oder Angehörigenerfahrung und 42 (18,2%) andere Gesundheitsberufe. 55% der Gäste waren männlich. Das Organisationsteam bestand aus 39 Mitgliedern, davon 37 (94,9%) Medizinstudierende; 66,7% waren weiblich.

Diskussion: Cinemeducation zeigt ein hohes Potenzial zur Integration multipler Perspektiven in der medizinischen Ausbildung. Gleichzeitig offenbart die Analyse strukturelle Ungleichgewichte, insbesondere eine starke Fokussierung auf Produktionen aus dem Globalen Norden sowie eine Geschlechterasymmetrie unter eingeladenen Gästen. Für eine diversitätssensible Weiterentwicklung wurden praxisnahe Implikationen entwickelt, u.a. stärkere Einbindung von Menschen mit gelebter Erfahrung, gezielte Förderung geschlechterparitätischer Panels, Integration globaler Gesundheitsnarrative und interprofessionelle Kooperationen.

Take-Home-Messages:

  • Cinemeducation kann als didaktisches Instrument zur Sichtbarmachung multipler Perspektiven dienen.
  • Repräsentation in Lehrformaten ist analysierbar und aktiv gestaltbar – Diversität entsteht nicht zufällig.
  • Strukturelle Ungleichgewichte in Repräsentation lassen sich auch in innovativen Lehrformaten nachweisen.
  • Kuratorische Entscheidungen (Filmauswahl, Gästebesetzung) prägen implizite Lernbotschaften und sollten diversitätssensibel gewählt werden.