Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Notfall-Kurs – zweistufiges Trainingskonzept zur Förderung notfallmedizinischer Kernkompetenzen
Text
Problembeschreibung/Zielsetzung: Die frühzeitige Erkennung und strukturierte Behandlung akuter Notfallsituationen zählen zu zentralen Kompetenzen im Medizinstudium. Gleichzeitig bestehen im klinischen Alltag Unsicherheiten im Entscheiden unter Zeitdruck sowie in der sicheren Durchführung Ziel war die Entwicklung eines zweistufigen, interdisziplinären Kursformats zur gezielten Förderung klinischer Entscheidungsfähigkeit, durch die konsequente Anwendung des Primary Suveys (xABCDE) und praktischer Handlungskompetenz, durch üben verschiedener Notfall-Skills.
Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden: Der Kurs richtet sich an Studierende im sechsten Studienjahr und umfasst zwei Lektionen à 60 Minuten. In der ersten Lektion bearbeiten die Teilnehmenden drei simulierte Notfallszenarien im OSCE-Format mit Simulationspersonen, die Patient*innen darstellen. Jede Person übernimmt einmal die Rolle der Kandidat*in und zweimal die Beobachtungsrolle. Der strukturierte Rollenwechsel fördert sowohl die eigene Performanz als auch die reflektierte Beobachtung klinischen Handelns. Die Besonderheit des Kurses liegt in seiner interprofessionellen Ausrichtung: Neben Notfallärzt*innen sind erfahrene Notfallpflegepersonen aktiv eingebunden. Das Feedback am Ende jedes Szenarios erfolgt multiprofessionell durch die Simulationspersonen, die Notfallpflegepersonen sowie die ärztlichen Dozierenden.
Die zweite Lektion wird von geschulten Peertutor*innen begleitet und fokussiert praktische Fertigkeiten des Notfallmanagements. Trainiert werden Techniken der Atemwegssicherung (Esmarch-Handgriff, Wendel- und Güdel-Tuben, Beutel-Masken-Beatmung), Massnahmen des HWS-Managements (manuelle Stabilisation, Stiffneck-Anlage) sowie immobilisationsrelevante Techniken wie En-bloc-Drehung und Spineboard-Anwendung.
Der Kurs wurde im März 2026 an der Universität Zürich zum dritten Mal für insgesamt 144 Studierende durchgeführt.
Ergebnisse: Die Evaluation mittels standardisierter studentischer Rückmeldungen zeigt eine hohe Zufriedenheit. Insbesondere die Kombination aus simulationsbasiertem Falltraining, multiprofessionellem Feedback und praxisorientiertem Skills-Training wird als lernwirksam wahrgenommen; eine Verankerung des Notfallkurses im Curriculum wird gewünscht.
Diskussion: Insgesamt verbindet das zweistufige und interprofessionelle Konzept klinisches Entscheiden mit praktischer Handlungssicherheit im Notfallsetting und stärkt zugleich die interprofessionelle Zusammenarbeit. Die Machbarkeit einer curricularen Implementierung wird derzeit geprüft
Take-Home-Messages:
- Die Kombination aus OSCE-Training und Peer-Teaching fördert zentrale Notfallkompetenzen,
- Multiprofessionelles, interdisziplinäres Training mit Notfallpflege fördert Reflexion und Zusammenarbeit,
- praxisnahe Notfalltrainings sollten curricular verankert werden.



