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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Second-Victim-Erfahrungen in der Ausbildung: Nationale Evidenz für eine curriculare Integrationslücke in MTD-H-Studiengängen

Bianca Steinlechner-Pircher - fhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol GmbH, Masterstudiengang Qualitäts- und Prozessmanagement im Gesundheitswesen, Innsbruck, Österreich
Eva Maria Jabinger - fhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol GmbH, Masterstudiengang Qualitäts- und Prozessmanagement im Gesundheitswesen, Innsbruck, Österreich
Victoria Klemm - HSRM – Hochschule RheinMain, Wiesbaden Institute for Healthcare Economics and Patient Safety (WiHelP), Wiesbaden, Deutschland
Hannah Rösner - HSRM – Hochschule RheinMain, Wiesbaden Institute for Healthcare Economics and Patient Safety (WiHelP), Wiesbaden, Deutschland
Heidi Schimatzek - fhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol GmbH, Masterstudiengang Qualitäts- und Prozessmanagement im Gesundheitswesen, Innsbruck, Österreic

Text

Hintergrund/Fragestellung: Second-Victim-Erfahrungen – psychische und emotionale Belastungen infolge unerwarteter klinischer Ereignisse – sind bei Gesundheitsfachkräften gut dokumentiert. Während für Ärzt*innen und Pflegefachpersonen umfangreiche Evidenz vorliegt, existieren kaum systematische Untersuchungen zur Situation von Studierenden der gehobenen medizinisch-technischen Dienste (MTD-H). Diese übernehmen im Rahmen klinischer Praktika früh patient*innennahe Aufgaben und sind potenziell belastenden Situationen ausgesetzt. Unklar ist, in welchem Ausmaß solche Erfahrungen bereits in der Ausbildungsphase auftreten und ob sie curricular adressiert werden. Ziel der Studie war die Analyse der curricularen Integration des Second Victim Phänomens in österreichischen Bachelorstudien der MTD-H-Berufe sowie die Erhebung der Wahrnehmung von Studierenden hinsichtlich Vorbereitung und Unterstützungsbedarf (siehe Abbildung 1 [Abb. 1]).

Abbildung 1: Didaktisches Rahmenmodell zur Integration des Second Victim Phänomens in MTD-H-Studiengängen
Die Ebenen bauen aufeinander auf. Ohne Sensibilisierung ist Kompetenzentwicklung erschwert, ohne strukturelle Verankerung bleiben individuelle Kompetenzen fragil.

Methoden: Es wurde ein zweistufiges explorativ-deskriptives Design gewählt. In Phase 1 erfolgte eine systematische Analyse öffentlich zugänglicher Curricula österreichischer MTD-H-Studiengänge sowie eine Online-Befragung von Studiengangsleitungen zur strukturellen Verankerung des Themas. In Phase 2 wurde eine nationale Online-Befragung von Studierenden im dritten und fünften Semester mit absolvierten Praktika durchgeführt (N=217). Erfasst wurden belastende klinische Ereignisse, psychische Reaktionen, Unterstützungsstrukturen sowie die Einschätzung curricularer Vorbereitung. Die Auswertung erfolgte deskriptiv.

Ergebnisse: 30% der Studierenden berichteten mindestens ein belastendes klinisches Ereignis, 10% mehrere. Die häufigsten Ereignisse waren Patient*innenschädigungen, aggressive Situationen sowie unerwartete Todesfälle. 72% bewerteten die Thematisierung des Second-Victim-Phänomens im Studium als unzureichend. 90% wünschten eine stärkere curriculare Verankerung entsprechender Inhalte. Es zeigte sich somit eine Diskrepanz zwischen klinischer Exposition und curricularer Vorbereitung.

Diskussion: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass belastende klinische Erfahrungen bereits in der Ausbildungsphase relevant häufig auftreten, jedoch strukturell nicht systematisch adressiert werden. Second Victim Kompetenz kann als Bestandteil professioneller Handlungssicherheit und Identitätsentwicklung verstanden werden. Aus didaktischer Perspektive erscheint eine verbindliche curriculare Integration entsprechender Inhalte erforderlich, um Studierende mit belastenden Ereignissen angemessen zu unterstützen. Zusätzlich kann damit die persönliche Resilienz in Vorbereitung auf den Berufsantritt gestärkt werden.

Take-Home-Messages:

  • Second-Victim-Erfahrungen treten bereits in der Ausbildung relevant häufig auf.
  • Studierende erleben eine Diskrepanz zwischen Exposition und curricularer Vorbereitung.
  • Das Thema ist strukturell in MTD-H-Studiengängen unterrepräsentiert.
  • Eine systematische curriculare Integration von Second-Victim-Kompetenzen erscheint didaktisch erforderlich.

References

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[2] Seys D, Wu AW, Van Gerven E, Vleugels A, Euwema M, Panella M, Scott SD, Conway J, Sermeus W, Vanhaecht K. Health care professionals as second victims after adverse events: a systematic review. Eval Health Prof. 2013;36(2):135-162. DOI: 10.1177/0163278712458918
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