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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Verordnungsgespräche im Medizinstudium aus der Perspektive Kölner Medizinstudierender

Rufina Göhler - Universität zu Köln, Medizinische Fakultät, Zentrum für Pharmakologie, Köln, Deutschland
Jan Matthes - Universität zu Köln, Medizinische Fakultät, Zentrum für Pharmakologie, Köln, Deutschland; Universität zu Köln, Studiendekanat der Medizinischen Fakultät, Köln, Deutschland

Text

Hintergrund: Jeder zweite Arzt-Patient-Kontakt führt zu einer Arzneiverordnung. Patient*innen zu beraten und an der Entscheidung zu beteiligen kann wesentlich zur bestmöglichen Therapie beitragen. Medizinstudierende müssen daher auf diese Situation vorbereitet werden. Vor dem Hintergrund eines simulationsbasierten Moduls untersuchten wir, wie Studierende im klinischen Studienabschnitt und im Praktischen Jahr (PJ) die Vorbereitung auf das Führen von Verordnungsgesprächen einschätzen.

Methoden: Medizinstudierende des 5. Studienjahrs können in Köln an einem Kleingruppenmodul teilnehmen, in dem eine*r ein simuliertes Verordnungsgespräch mit einer Schauspielperson erst unvorbereitet und dann erneut nach dem Austausch mit Kommiliton*innen und einer Lehrperson führt [1], [2]. 4-5 Tage nach dem Modul wurden alle Studierenden eines Semesters unabhängig von der Teilnahme am Modul online per LimeSurvey zu Erfahrungen und Vorstellungen bezüglich der Integration des Themas ins Curriculum befragt. Vor diesem Hintergrund wurden nach Eintritt ins PJ in einer Follow-up-Befragung die Erfahrungen im klinischen Alltag sowie die Bewertung der Ausbildungsinhalte erhoben.

Ergebnisse: Von Sommer 2024 bis Sommer 2025 nahmen 335 Studierende an der Befragung des 5. Studienjahrs teil. 192 (57%) hatten am Simulationsmodul teilgenommen, davon 9% (29) selbst das simulierte Verordnungsgespräch geführt. Nur 33% (108/329) der Befragten gaben an, dass das Verordnungsgespräch bereits Gegenstand anderer Lehrveranstaltungen war. 71% (229/324) meinten, im Studium solle die Vorbereitung auf das Führen solcher Gespräche intensiviert werden. 151 von 155 (97%) sagten, dies solle frühestens in der klinischen Studienphase stattfinden. Knapp ein Viertel (36) meinte aber, dies könne bereits in der ersten Hälfte des 3. Studienjahres erfolgen (also noch vor dem Fachblock Pharmakologie). Drei Viertel der PJ-Studierenden (31/41) haben selten oder (sogar noch häufiger) nie ein Arzneiverordnungsgespräch in ihrem bisherigen PJ beobachtet. Bei mehr als drei Vierteln war es auch nicht explizit Bestandteil der PJ-Ausbildung. Allerdings fanden 15 der 22 PJ-Studierenden, die zuvor am Simulationsmodul zum Verordnungsgespräch teilgenommen hatten, dieses rückblickend hilfreich. 23 von 30 PJ-Studierenden (77%) wünschten sich dann auch Pflichtveranstaltungen zum Verordnungsgespräch im Medizinstudium.

Diskussion: Es zeigt sich eine curriculare Lücke, da nur ein Drittel der Kölner Medizinstudierenden im 5. Studienjahr angab, das Verordnungsgespräch sei außerhalb unseres Moduls im Studium behandelt worden. Über drei Viertel der PJ-Studierenden hatten im PJ das Verordnungsgespräch nicht als Bestandteil ihrer Ausbildung erlebt. Andererseits fordert die Mehrheit der Studierenden intensivere und ggf. verpflichtende Lehre in diesem Bereich.

Take-Home-Message: Es besteht dringender Bedarf an praxisnahen Lehrformaten zum Verordnungsgespräch. Unser simulationsbasiertes Modul kann helfen, den Bedarf zu decken [1], [2].


References

[1] Hauser K, Koerfer A, Niehaus M, Albus C, Herzig S, Matthes J. The prescription talk - an approach to teach patient-physician conversation about drug prescription to medical students. GMS J Med Educ. 2017;34(2):Doc18. DOI: 10.3205/zma001095
[2] Kirsch V, Matthes J. A simulation-based module in pharmacology education reveals and addresses medical students’ deficits in leading prescription talks. Naunyn Schmiedebergs Arch Pharmacol. 2021;394(11):2333-2341. DOI: 10.1007/s00210-021-02151-w