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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Von der klinischen Ausbildung zur Anstellung in der Region: 10 Jahre Medizin Campus OWL der Ruhr-Universität Bochum – Ergebnisse aus der quantitativen und qualitativen Befragung von Absolvent/innen und Klinikleitungen

Annika Schürmann - Ruhr-Universität Bochum, Zentrum für Medizinische Lehre, Bochum, Deutschland; Ruhr-Universität Bochum, Studiendekanat, Bochum, Deutschland
Jana Manski - Ruhr-Universität Bochum, Zentrum für Medizinische Lehre, Bochum, Deutschland; Ruhr-Universität Bochum, Studiendekanat, Bochum, Deutschland
Thorsten Schäfer - Ruhr-Universität Bochum, Zentrum für Medizinische Lehre, Bochum, Deutschland; Ruhr-Universität Bochum, Studiendekanat, Bochum, Deutschland

Text

Hintergrund/Fragestellung: Im Wintersemester 2016/17 startete die Ausbildung von Medizinstudierenden der Ruhr-Universität Bochum in Ostwestfalen-Lippe (OWL). Ab dem 7. Semester gehen seitdem jährlich rund 60 Studierende zur Fortführung des Studiums an den Satelliten-Campus in OWL. Durch den Ausbau von Forschung und Lehre am Standort in OWL soll bewirkt werden, dass Absolvent*innen in der Region ärztlich tätig werden. Denn die Mehrheit der Kreise in OWL belegt deutschlandweit in den letzten Jahren stetig das untere Drittel in Bezug auf die Arztdichte der Kassenärztlichen Bundesvereinigung [1]. Zahlreiche Studien prognostizieren vor allem in Bezug auf die Primärversorgung eine drohende Unterversorgung für die meisten Kommunen in OWL [2].

Methoden: Mittels Online-Befragung wurden die Absolvent*innen des Standorts OWL zu ihrer beruflichen Perspektive befragt (seit Abschluss 2019/20, 12 Items). Dabei wurden sowohl der Ort der Anstellung auch die Gründe für oder gegen einen Verbleib in der Region analysiert. Zusätzlich dazu wurden die Leiter der an der Lehre beteiligten Kliniken in OWL zu den Vor- und Nachteilen durch die Gründung des Medizin Campus‘ OWL befragt (n=26, 5 Items). Die Erhebung erfolgte mittels eines Online-Fragebogens mit offenen Fragen, deren Antworten qualitativ ausgewertet wurden.

Ergebnisse: Bis einschließlich Dezember 2025 beendeten 346 Absolvent*innen am Standort OWL erfolgreich ihr Studium. Mit bislang 147 ausgefüllten Fragebögen ergibt sich ein Rücklauf von 42,5%. Von den Absolvent*innen wählten durchschnittlich 35,4% eine Anstellung in OWL. Das sind doppelt so viele, wie gebürtig aus der Region OWL kommen. 79,7% der in OWL tätigen Absolvent*innen bleiben an den ihnen bekannten Universitätsklinika und Lehrkrankenhäusern der Ruhr-Universität Bochum, während 20,3% an anderen Kliniken oder Praxen in OWL arbeiten. Ins Ruhrgebiet gehen nur 21,0% aller Absolvent*innen für eine Anstellung zurück, obwohl 29,9% das Ruhrgebiet als Herkunft angeben. Bei der qualitativen Auswertung der Rückmeldungen der Lehrenden (n=12), zeigen sich am häufigsten Vorteile in Bezug auf die Personalrekrutierung.

Diskussion: Unsere Daten zeigen, dass der Ort der klinischen Ausbildung am Ende des Studiums einen großen Effekt auf eine Anstellung der Absolvent*innen hat. Das sind positive Ergebnisse für die Region OWL, da in anderen Befragungen am häufigsten die Heimat als mögliche Arbeitsregion genannt wird [3]. Überraschend hoch sind die Zahlen der in OWL tätig werdenden Ärzt*innen auch deshalb, da die Zeit der Ausbildung in OWL nur 2-3 Jahre beträgt. Ob die Studierenden dauerhaft in der Region bleiben oder in OWL nur ihre Facharztausbildung beginnen, müssen weitere Untersuchungen zeigen.


References

[1] Kassenärztliche Bundesvereinigung. Gesundheitsdaten. Zahlen, Trends und Analysen. Berlin: Kassenärztliche Bundesvereinigung; 2024. Zugänglich unter/available from: https://gesundheitsdaten.kbv.de/cms/html/16402.php
[2] Barmer Institut für Gesundheitssystemforschung; Bertelsmann Stiftung. Zukunftsperspektiven für die hausärztliche Versorgung. Berlin, Gütersloh: BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung (bifg), Bertelsmann Stiftung; 2025. Zugänglich unter/available from: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/Projekte/Versorgungsstrukturen_patientenorientiert_gestalten/Kurzfassung_Zukunftsperspektiven_fuer_die_hausaerztliche_versorgung_20251002.pdf
[3] Kassenärztliche Bundesvereinigung. Berufsmonitoring Medizinstudierende 2022. Ergebnisse einer bundesweiten Befragung. Berlin: Kassenärztliche Bundesvereinigung; 2022. Zugänglich unter/available from: https://www.kbv.de/infothek/zahlen-und-fakten/studien-und-berichte/berufsmonitoring-medizinstudierende