Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Von Wissensvermittlung zu Lernräumen: Die Zukunft der Vorlesung in der Humanmedizin
Text
Die Vorlesung zählt zu den traditionsreichsten Formaten der medizinischen Lehre. Zugleich steht sie im Spannungsfeld digitaler Transformation, kompetenzorientierter Curricula, veränderter Lerngewohnheiten der Studierenden sowie der Verknappung ökonomischer Rahmenbedingungen. Neben didaktischen Fragen rückt zunehmend auch die Ressourcenperspektive in den Fokus: Vorlesungen sind – gemessen an Teilnehmendenzahl pro Lehrdeputat – ein vergleichsweises effizientes Format, die räumlichen Anforderungen sind in Präsenzdurchführung jedoch hoch und sehr kostenintensiv. Die Frage zur Zukunft der Vorlesung als Lehrformat berührt daher nicht nur didaktische, sondern auch strukturelle und finanzielle Dimensionen.
Vor diesem Hintergrund fragt der Workshop im Sinne des Tagungsmottos „Next Generation Teaching – Herausforderungen und Chancen hochwertiger Lehre“: Welche Rolle kann die Vorlesung künftig einnehmen – didaktisch sinnvoll, curricular integriert und unter realistischen Ressourcenbedingungen?
Ziel des Workshops ist es, Teilnehmende dabei zu unterstützen, Vorlesungen lernwirksam weiterzuentwickeln und die Rolle der Vorlesung im Medizinstudium zukunftsfähig zu gestalten – anschlussfähig an die Lernrealitäten heutiger Studierender und die Ressourcenfragen der Standorte.
Der Workshop bietet Raum, die Vorlesung differenziert als gestaltbares Format zu diskutieren und zugleich die Auswirkungen möglicher Strukturveränderungen transparent zu machen.
Lernziel: Die Teilnehmenden
- analysieren den aktuellen und zukünftigen Stellenwert der Vorlesung im Kontext kompetenzorientierter Medizinlehre,
- reflektieren didaktische, curriculare und ökonomische Rahmenbedingungen ihres Standorts,
- skizzieren erste Strategien für eine qualitätsorientierte und ressourcensensible Weiterentwicklung der Lehre.
Ablauf der Veranstaltung mit Zeitplan inkl. eingesetzter didaktischer Methoden:
- Impuls & Evidenzrahmen (15 min): Kurzinput zum Stellenwert der Vorlesung heute und perspektivisch (Lernwirksamkeit, Reichweite, Digitalisierung, curriculare Funktion). Vorstellung studentischer Meinungen & Ideen zur Zukunft von Vorlesungen.
- Interaktive Standortbestimmung (30 min): Gemeinsame Diskussion zu Nutzung, Bewertung und Veränderungsbedarf von Vorlesungen, Abgleich mit Studierendenperspektive. Gemeinsam werden zentrale Mehrwertfunktionen der Vorlesung herausgearbeitet, darunter Strukturierung und Orientierung, Einordnung von Wissen und klinische Relevanz, Modellierung ärztlichen Denkens, Motivation und Identitätsbildung sowie soziale Kohärenz als gemeinsamer Lernort.
- Entwicklung von Gestaltungsszenarien (30 min): Erarbeitung in Kleingruppen: Der praktische Schwerpunkt des Workshops liegt auf konkreten didaktischen Umsetzungsstrategien: Konzepte, die die Vorlesung als Ankerpunkt im Curriculum nutzen – nicht als vollständige Wissensquelle. Was könnten realistisch umsetzbare Modelle sein (z.B. [ES1] hybride Formate, Möglichkeiten zur gezielten Interaktivierung großer Gruppen, Kombination aus asynchronen Inhalten und vertiefenden Präsenzformaten).
- Synthese & Take-Home-Messages (15 min): Gemeinsame Bündelung zentraler Erkenntnisse und Ableitung von Qualitätskriterien für zukunftsfähige Vorlesungsformate.
Zielgruppe: Der Workshop richtet sich an Lehrende in der medizinischen Aus-, Weiter- und Fortbildung, insbesondere Modulverantwortliche, Curriculumsentwickelnde sowie Personen mit struktureller Verantwortung für Lehrplanung.
Vorbereitung: Eine Vorbereitung ist nicht erforderlich. Eigene Erfahrungen mit Vorlesungsformaten sowie Kenntnisse der lokalen Lehr- und Budgetstrukturen sind hilfreich, jedoch nicht zwingend notwendig.



