Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Lehrenden- und Trainer*innenbindung als Community of Practice
Text
Zielsetzung: Der Vortrag beschreibt das in der klinischen Ausbildung bereits breit angewendete Konzept der Community-of-Practice (CoP) von Lave und Wenger [1], [2] als Werkzeug zur Förderung der Trainer*innenbindung in der Medizindidaktik. Die CoP beschreibt wesentliche Elemente des sozialen Lernens: Bedeutung, Praxis, Gemeinschaft und Identität [3]. Es werden der „Lehre-Stammtisch“ sowie das Konzept zur strukturierten Einarbeitung von Trainer*innen vorgestellt. Ziel ist es, die Integration der Lehrenden in die medizindidaktische Community zu fördern, fachdidaktischen Austausch zu stärken und Lehrende breit als Multiplikatoren in der Fakultät zu verankern.
Projektbeschreibung: In Jena wurden in den vergangenen Jahren Projekte zur Stärkung der CoP unter den Lehrenden entwickelt und verstetigt. Mit dem „Lehre-Stammtisch“ wurde Raum für informellen Austausch geschaffen. Hierdurch wird Zugehörigkeit ermöglicht und die Lehrenden verstehen sich als Gemeinschaft. Gleichzeitig ermöglicht die Sichtbarmachung von Best-Practice-Beispielen und deren positive Effekte stärkt die Bedeutung der Gemeinschaft als Lehrender an der Fakultät. Darüber hinaus wurde ein strukturiertes Vorgehen zur Trainergewinnung und -einarbeitung geschaffen, bei dem Absolventen des medizindidaktischen Qualifikationsprogramms kompetenz- und neigungsorientiert ausgewählt werden, strukturiertes Feedback geben und erhalten und in die Weiterentwicklung von Workshops eingebunden sind. So werden Lehrende gezielt durch die Trainer-Praxis in die medizindidaktische Gemeinschaft an der Fakultät integriert und in ihrer Identitätsentwicklung als medizindidaktisch Lehrende gefördert.
Ergebnisse: Durch die beschriebenen Projekte konnte eine Steigerung der Sichtbarkeit und Akzeptanz des medizindidaktischen Qualifikationsprogramms (steigende Teilnehmerzahlen, Freistellung von Teilnehmenden und Trainern in deren Abteilungen für medizindidaktische Kurse) erreicht sowie das Trainerkollektiv erweitert und diversifiziert werden. Best-Practice-Beispiele erhalten eine größere Sichtbarkeit, zudem konnten Kontakte zur Kernuniversität intensiviert werden.
Diskussion: Die CoP bietet ein ganzheitliches Rahmenwerk nicht nur für die medizinische Ausbildung, sondern auch für die fachdidaktische Qualifikation. Die Berücksichtigung der Bedeutung der Identitätsbildung und der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft stellt einen Vorteil dieser Lerntheorie dar und stärken die Multiplikatorenrolle in Medizindidaktik und Curriculumsentwicklung.
Take-Home-Message: Die Theorie der CoP ist als Rahmenwerk für die didaktische Qualifikation von Lehrenden in den Gesundheitsberufen gut geeignet. Die im Rahmen dieses Konzepts eingesetzten Methoden dienen dazu, die Identifikation von Dozierenden mit ihrer Rolle des Lehrenden zu steigern, die Bindung von Lehrenden und Trainer*innen an die Medizindidaktik zu fördern und die Sichtbarkeit medizindidaktischer Programme zu steigern.
References
[1] Lave J, Wenger E. Situated learning: legitimate peripheral participation. Cambridge (UK), New York (NY): Cambridge University Press; 1991. p.138. DOI: 10.1017/CBO9780511815355[2] Cruess RL, Cruess SR, Steinert Y. Medicine as a Community of Practice: Implications for Medical Education. Acad Med. 2018;93(2):185-191. DOI: 10.1097/ACM.0000000000001826
[3] Wenger E. Communities of practice: learning, meaning, and identity. Cambridge (UK), New York (NY): Cambridge University Press; 1998. p.318. DOI: 10.1017/CBO9780511803932



