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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Trainer*innen in der Medizindidaktik: Ein Blick von der Theorie in die Praxis zu Rekrutierung, Qualifizierung und Bindung

Jenny Appelt - Universitätsmedizin Magdeburg, Medizinische Fakultät, Studiendekanat, Magdeburg, Deutschland
Maike Linke - Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät Carl Custav Carus, Institut für Didaktik und Lehrforschung in der Medizin, Dresden, Deutschland

Text

Hintergrund/Fragestellung: Trainer*innen sind eine Schlüsselressource für Faculty Development und Qualitätsentwicklung der medizinischen Lehre. Gleichzeitig berichten viele Standorte von Schwierigkeiten, geeignete Trainer*innen zu gewinnen, systematisch zu qualifizieren und langfristig zu halten. Ziel dieses Vortrags ist es, anhand des Modells der lernenden Organisation nach Senge [1] theoretische Leitplanken als Orientierungshilfe für diesen komplexen Prozess in mögliche praxisnahe Maßnahmen zu übersetzen.

Methoden: Anhand des Modells der lernenden Organisation von Senge [1] wird entlang der Elemente Mentale Modelle, Personal Mastery, gemeinsame Vision, Team-Lernen und Systemdenken ein Praxistransfer vollzogen: Was sollte bei der Rekrutierung beachtet werden? Was sollte bei der Professionalisierung als Entwicklung fokussiert werden? Was sollte bei der Bindung als Behalten bedacht sein? Was sind demnach geeignete Schritte von der Theorie in die alltägliche Praxis?

Ergebnisse: Die Übertragung des Modells auf das Trainer*innen-Management verdeutlicht, dass Rekrutierung, Professionalisierung und Bindung zusammengedacht gestaltet werden müssen, um eine sichtbare Wirkung zu erzielen:

  • Mentale Modelle: Rekrutierung sollte neben fachlicher Expertise u.a. Lehrhaltungen und Reflexionsfähigkeit berücksichtigen und durch transparente Rollenprofile implizite Qualitäts-vorstellungen explizit machen.
  • Personal Mastery: Professionalisierung erfordert längsschnittliche Entwicklungsformate mit Peer-Feedback und strukturierter Kompetenzentwicklung über reine Methodenvermittlung hinaus.
  • Gemeinsame Vision: Langfristige Bindung entsteht, wenn Trainer*innen aktiv in strategische Lehrentwicklung eingebunden sind und ihre Rolle im Kontext einer gemeinsamen Bildungsvision und umsetzen.
  • Team-Lernen: Nachhaltige Expertise entsteht durch systematisch gefördertes kollektives Lernen, etwa in kollegialen Fallberatungen, Co-Trainings, gemeinsamen Reflexionsformaten und standort-übergreifenden Netzwerken.
  • Systemdenken: Zeitressourcen, Anerkennung, Karriereperspektiven und institutionelle Verankerung sind zentrale Faktoren für den nachhaltigen Aufbau und Erhalt von Trainer*innen-Strukturen.

Es zeigt sich: Erfolgreiches Finden, Entwickeln und Behalten von Trainer*innen in der Medizindidaktik basiert weniger auf Einzelmaßnahmen als auf der bewussten Gestaltung eines lernförderlichen Gesamtsystems.

Diskussion: Trainer*innen-Management ist ein systemischer Prozess: Rekrutierung ohne Entwicklungsstruktur bleibt ebenso fragil wie Qualifizierung ohne Anerkennung und Perspektive.

Take-Home-Message: Wer Trainer*innen nachhaltig finden, entwickeln und behalten möchte, sollte Haltungen ebenso wie Kompetenzen berücksichtigen, Entwicklung als kontinuierlichen Professionalisierungsprozess gestalten und institutionelle Rahmenbedingungen systemisch mitdenken. Nur so entsteht eine langfristig stabile medizindidaktische Expertise.


References

[1] Senge P. Die fünfte Disziplin. Kunst und Praxis der lernenden Organisation. 11. Auflage. Stuttgart: Schäffer-Poeschel; 2017.