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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Interprofessionelles Arbeiten in ländlichen Regionen – Vorstellung und Evaluation einer Lehrveranstaltung in Kooperation zwischen Universität und Landkreis

Lisa Kuhl - Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Hausärztliche Medizin, Gießen, Deutschland
Johanna C. Schmidt - Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Hausärztliche Medizin, Gießen, Deutschland
Valerie A. Erkens - Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Hausärztliche Medizin, Gießen, Deutschland
Joachim G. Kreuder - Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Hausärztliche Medizin, Gießen, Deutschland
Martin Leimbeck - Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Hausärztliche Medizin, Gießen, Deutschland

Text

Hintergrund: Um Medizinstudierende auf eine hausärztliche Tätigkeit vorzubereiten, benötigen sie ein Grundverständnis der Komplexität des Gesundheitswesens sowie der interdisziplinären, interprofessionellen und sektorenübergreifenden Versorgung von Patient*innen. Um die Relevanz der koordinierenden hausärztlichen Funktion aufzuzeigen und Studierende für eine hausärztliche Tätigkeit im ländlichen Raum zu begeistern, entwickelte und etablierte die Universität Tübingen in Kooperation mit dem Landkreis Calw ein Lehrformat, in dem Studierende Einblicke in die regionale, interprofessionelle Zusammenarbeit erhalten und das an der Universität Gießen in Kooperation mit dem Lahn-Dill-Kreis (LDK) als klinisches Wahlfach adaptiert und weiterentwickelt wurde.

Methoden: Die Studierenden verbringen eine Woche im LDK, durchlaufen in Zweiergruppen an vier Tagen unterschiedliche Stationen der dortigen ambulanten und stationären Patient*innenversorgung und lernen dabei die unterschiedlichen Akteure und Schnittstellen kennen. Am fünften Tag erfolgen ein strukturierter Austausch mittels interprofessioneller Fallbesprechung und eine Reflektion.

In der Lehrevaluation geben die Studierenden auf einer 6-stufigen Likert-Skala an, inwieweit Lernziele wie die Entwicklung eines Verständnisses für die Komplexität des Gesundheitswesens, für die Bedeutung interprofessioneller Kooperation sowie für die hausärztlichen Koordinierungsaufgabe erreicht werden. Auch wird erfasst, inwieweit eine Bindung der Studierenden an den Landkreis erreicht werden konnte, u.a. darüber, ob sie sich vorstellen können, für eine Hospitation, Famulatur oder das Blockpraktikum in den LDK zurückzukehren.

Ergebnisse: Das Lehrformat wurde im SoSe 2025 erstmals durchgeführt. Die Evaluation zeigt, dass die oben genannten Lernziele erreicht werden. Gleichzeitig geben die Studierenden an, den besuchten Landkreis als attraktive Region kennengelernt zu haben; alle Studierenden können sich vorstellen in den Landkreis zurückzukehren. Das Lehrformat wird ebenfalls im WiSe 25/26 und SoSe 26 durchgeführt und evaluiert; die Ergebnisse werden zusammengefasst vorgestellt.

Diskussion: Bereits jetzt zeigt sich, dass die Durchführung einer Lehrveranstaltung in Kooperation mit einem Landkreis sinnvoll ist. Der organisatorische und finanzielle Aufwand ist zwar im Vergleich zu einer rein universitären Lehrveranstaltung höher – allerdings deutet sich an, dass neben der Erreichung der Lernziele so eine Bindung von Studierenden an ländlichen Regionen ermöglicht werden kann, die besonders für Landkreise mit tatsächlicher oder drohender Unterversorgung bedeutsam ist.

Take-Home-Messages: Die erfolgreiche Umsetzung eines Lehrformats in Kooperation mit einem Landkreis vor Ort ist aufwändig, wird aber von den Studierenden und den beteiligten Akteuren als sehr bereichernd erlebt. Lernziele können anschaulich „in vivo“ vermittelt und Studierende für eine hausärztliche Tätigkeit in einer ganz konkreten ländlichen Region begeistert werden.