Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Learning-of-the-Day: Ein ressourcenschonendes Peer-Teaching-Format für das Praktische Jahr
Text
Problembeschreibung/Zielsetzung: Regelmäßige strukturierte Lehrveranstaltungen im Praktischen Jahr (PJ) sind essentiell für die klinische Ausbildung und die Vertiefung zentraler Lerninhalte. Sie schaffen Raum zum Austausch mit den Lehrenden und zwischen den PJ-Studierenden.
Umfragen unter der Studierendenschaft weisen wiederholt auf unzureichende Lehrangebote hin [1]. Laut PJ-Barometer 2025 berichteten lediglich 62% der Befragten von ausreichendem Unterricht, 36% bewerteten die Lehre als gut, nur 14% als sehr gut [2].
Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden: Am Universitäts-Kinder-Frauenzentrum des Universitätsklinikums Dresden etablierten wir seit 2026 ein neues PJ-Seminar: das Learning-of-the-Day (LOTD). In diesem 20-minütigen, wöchentlich durchgeführten Format teilen die Studierenden ihr jeweils wichtigstes klinisches „Learning“ der vergangenen Tage. Das Konzept soll dazu anregen, im Stationsalltag täglich aktiv nach Lerngelegenheiten zu suchen und diese durch strukturierte Reflexion in nachhaltige Kompetenzentwicklung zu überführen.
Auf eine primäre Fokusgruppenanalyse zur Formatentwicklung mit einer fortgeschrittenen PJ-Kohorte folgte eine Evaluation mit den folgenden Kohorten im explanativ-sequentiellen Mixed-Methods-Design mittels quantitativer standardisierter Fragebögen sowie Fokusgruppenanalysen. Die Evaluation orientiert sich am Vier-Stufen-Modell nach Kirkpatrick [3].
Ergebnisse: In der initialen Fokusgruppenanalyse zeigten sich die Studierenden mit dem Format sehr zufrieden und empfanden dessen Etablierung als relevant für ihre klinische Ausbildung (Stufe 1). Hinsichtlich der subjektiven Wahrnehmung eines Kompetenzerwerbs (Stufe 2) wurde von den Studierenden insbesondere die Verbesserung der Fähigkeit zur Reflexion über die eigenen Lernprozesse hervorgehoben. Veränderungen auf der Verhaltensebene (Stufe 3) äußerten sich speziell in einem gesteigerten Peer-Austausch zu klinischen, praxisnahen Inhalten (siehe Abbildung 1 [Abb. 1]). Die systematische Bewertung des Transfers dieser Effekte in den Stationsalltag durch die Lehrärzt*innen (Stufe 4) ist noch Gegenstand laufender Evaluation.
Abbildung 1: Evaluationsergebnisse des LOTD-Formats der ersten PJ-Kohorte mittels Mentimeter (n=9)
Diskussion: Bislang wird dieses wöchentliche Format einmal monatlich von einer ärztlichen Lehrperson begleitet und erfordert somit wenig Personalaufwand. Die optimale Supervisionsfrequenz sowie Gruppengröße, Zeitaufwand und Turnus sollen im Verlauf systematisch eruiert werden. Perspektivisch könnte das Format durch Integration strukturierter Fallübergaben oder problemorientierter Lernfälle (POL) erweitert werden.
Take-Home-Messages:
- Insgesamt erweist sich das Seminar als wertvolle Ergänzung des PJ-Curriculums. Es wird von den Studierenden als relevant und gewinnbringend wahrgenommen und zeigt Effekte auf Ebene des reflektiven Kompetenzerwerbs sowie des lernbezogenen Verhaltens, wodurch bislang unzureichend abgedeckte Ausbildungsbedarfe im PJ ergänzt werden.
- Das LOTD stellt ein breit übertragbares Format auch für vorherige Studienabschnitte sowie für alle Fachdisziplinen dar.
References
[1] Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. Aktionswoche 2024. Gemeinsam für ein faires PJ – mach mit! Berlin: bvmd; 2024. Zugänglich unter/available from: https://www.bvmd.de/fairespj/[2] Marburger Bund. PJ-Barometer 2025. Pressegesproch des Marburger Bundes, 18. Februar 2026. Berlin: Marburger Bund; 2026. Zugänglich unter/available from: https://www.marburger-bund.de/sites/default/files/files/2026-02/Foliensatz%20PJ-Barometer%202025.pdf
[3] Zhang S, Zhu D, Wang X, Liu T, Wang L, Fan X, Gong H. Effects of six teaching strategies on medical students: protocol for a systematic review and network meta-analysis. BMJ Open. 2024;14(1):e079716. DOI: 10.1136/bmjopen-2023-079716



