Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Klinische Ausbildung im Fach Kinderzahnheilkunde
Text
Problembeschreibung: Die novellierte Zahnärztliche Approbationsordnung fordert erstmals, dass Studierende im Rahmen der Zahnärztlichen Prüfung im Fach Kinderzahnheilkunde mindestens eine präventive und eine therapeutische Maßnahme an Kindern und Jugendlichen (KuJ) durchführen.
Zielsetzung: Strukturierte und praxisnahe Vorbereitung der Studierenden auf die selbstständige Behandlung von KuJ.
Projektbeschreibung: Die klinische Ausbildung im Fach Kinderzahnheilkunde umfasst 29 Unterrichtseinheiten (UE) Vorlesung, 15 UE Seminar und 34 UE Klinischer Kurs im 9. und 10. Fachsemester. Vor der ersten eigenen Behandlung von KuJ müssen die Studierenden in einem mündlichen Eingangstestat fundierte Kenntnisse über Verhaltensführung, Untersuchungs-, Diagnose- und Therapieoptionen an KuJ nachweisen.
Die Behandlungssitzung wird eng von Lehr-Zahnärzt*innen supervidiert, beginnt mit einer vorbereitenden Fallbesprechung und endet mit einem Feedback. Die invasiven und non-invasiven zahnärztlichen Behandlungsschritte führen die Studierenden selbständig durch. Alle erbrachten Leistungen wurden nach Abschluss des 9. Fachsemesters quantitativ analysiert und eine freiwillige anonyme Studierendenbefragung durchgeführt.
Ergebnisse: Insgesamt fanden 115 Behandlungssitzungen statt. Das durchschnittliche Alter der Patient*innen betrug 12,5 Jahre. 36% der Patien*innen wiesen einen Migrationshintergrund auf. Im überwiegenden Anteil wurden non-invasive Präventionsmaßnahmen erbracht (71 orale Untersuchungen, 64 Erhebungen des Mundhygienestatus, 71 Mundhygieneinstruktionen, 74 Fluoridierungen, 16 Zahnsteinentfernungen, 5 Früherkennungsuntersuchungen mit Fluoridierung, 12 Erhebungen des Parodontalen Screening Index sowie 145 Fissuren- und Grübchenversiegelungen. Invasive Therapiemaßnahmen umfassten 2 Lokalanästhesien, 3 Milchzahnfüllungen und 16 adhäsive Füllungen an jugendlich bleibenden Zähnen. In 8 Fällen wurde Röntgendiagnostik durchgeführt. In der Evaluation wurde der Klinische Kurs als die Lehrveranstaltung bewertet, die am besten auf die Behandlung von KuJ vorbereitet (3,6/4 Punkte). Besonders positiv hervorgehoben wurden das Engagement der Lehrenden und die enge Supervision. Optimierungspotenzial sahen die Studierenden vorrangig für organisatorische Aspekte.
Diskussion: Die Vorbereitung der Studierenden auf zahnärztliche Behandlung von KuJ ist eine neue Herausforderung für die Lehrenden im klinischen Studienabschnitt. Mit ausreichend KuJ, die sich im klinischen Kurs behandeln lassen wollen, einer engen Supervision sowie fokussierten Vor- und Nachbereitungen der Behandlungssitzungen durch Lehrende kann der Kompetenzerwerb der Studierenden effektiv unterstützt werden. Perspektivisch soll der Fokus auf die Verhaltensführung weiter ausgebaut und die interdisziplinäre Organisation verbessert werden.
Take-Home-Message: Zur Vorbereitung der Studierenden auf die selbstständige Behandlung von KuJ trägt ein klinischer Kurs mit zahlreichen Patient*innen und enger Supervision bei.



