Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Übung macht Ärzt*innen – eine Intervention zum Thema Skills mit Medizinstudierenden
Text
Problembeschreibung/Zielsetzung: Das Training praktischer Fertigkeiten (i.F. Skills) in sogenannten Skills-Labs ist ein elementarer Bestandteil der medizinischen Ausbildung, welcher im Zuge der angedachten Reform der Approbationsordnung weiter an Bedeutung gewonnen hat [1]. In Hinblick auf den Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin, gaben allerdings mehr als 50% der Ärzt*innen in Weiterbildung an, 14 von 36 der für sie relevanten Skills nicht zu beherrschen [2]. Vor dem Hintergrund der zentralen Relevanz praktischer Fertigkeiten für alle Studierenden im klinischen Abschnitt [3] war das Ziel dieser Intervention, den Kompetenzausbau zu optimieren.
Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden: Studierende im klinischen Studienabschnitt wurden eingeladen, freiwillig an einer halbtägigen extracurricularen Veranstaltung mit vier Workshops (Otoskopie, Auskultation, „eFAST“-Sonographie, digitale rektale Untersuchung) teilzunehmen. Bestimmt wurde die Auswahl der Skills durch eine campusweite Bedarfsabfrage. Die einzelnen Workshops wurden in semesterstandheterogenen Kleingruppen durch Peer-Tutor*innen unter Zuhilfenahme des Peyton-Methode sowie erstellten Skripten geleitet. Besonderer Wert wurde auf das repetitive Üben der kompletten Untersuchung gelegt. Im „Assessment for Learning“-Ansatz durchliefen die Studierenden zwei Stationen im OSCE-Stil (Otoskopie, Auskultation). Die prä- und post-Kurs-Selbsteinschätzung, der Lernerfolg sowie die Evaluation der Veranstaltung selbst wurden analysiert.
Ergebnisse: Es nahmen 53 Studierende, davon 73,6% weiblich, teil. Im Durschnitt waren die Teilnehmenden 25 Jahre alt (±3,7) und im 7. Semester (±1,8). Die prä- sowie post-Kurs Selbsteinschätzungen wurden durch 27 Studierende durchgeführt. Für alle Skills ist eine signifikante Erhöhung der eigenen Kompetenzeinschätzung nachweisbar (siehe Tabelle 1 [Tab. 1]). Ebenso zeigten sich gute Leistungen in den Assessmentstationen (38 Teilnehmende). Bei den Studierenden besteht eine deutliche Zufriedenheit hinsichtlich des neuen Veranstaltungsformats (Gesamtnote 1,55 ±0,56) und der Wunsch zur Wiederholung des Formats.
Tabelle 1: Prä- und Post-Kurs-Selbsteinschätzung der Kompetenz in den durchgeführten Skills (nicht-parametrischer Text für gepaarte Stichproben Wilcoxon-Test)
Diskussion: Erreicht wurden besonders Studierende vor Beginn des Praktischen Jahres. Gezeigt wurde, dass bereits eine kurze Intervention dazu geeignet ist, die Kompetenz von Studierenden zu erhöhen. Weiter zu diskutieren sind eine mögliche Fehleinschätzung der eigenen Kompetenz sowie das langfristige Anhalten des Kompetenzausbaus. Die Teilnahmezahlen und die Evaluation des Veranstaltungsformats zeigen, dass ein hohes Interesse am eigenen Kompetenzausbau besteht, während die Teilnahme am Assessment weiter ausgebaut werden kann.
Take-Home-Messages:
- Eine Kurzzeitintervention zu praktischen Fertigkeiten zeigt einen erheblichen Kompetenzausbau.
- Das Veranstaltungsformat stellt eine geeignete Ergänzung des curricularen Angebots im Medizinstudium dar.
References
[1] Deutscher Bundestag. Neustrukturierung des Medizinstudiums geplant. Berlin: Deutscher Bundestag; 2024. Hib 85/2024. Zugänglich unter/available from: https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-990458[2] Dehnen D, Flägel K, Wild D, Steinhäuser J. To what extent have national learning objectives in undergraduate medical education been achieved? A cross-sectional study of primary care residents. GMS J Med Educ. 2025;42(3):Doc38. DOI: 10.3205/zma001762
[3] Wilhelmi L, Ingendae F, Steinhaeuser J. What leads to the subjective perception of a ‘rural area’? A qualitative study with undergraduate students and postgraduate trainees in Germany to tailor strategies against physician’s shortage. Rural Remote Health. 2018;18(4):4694. DOI: 10.22605/RRH4694



