Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Stimme und Stimmhygiene im Medizinstudium: Eine Analyse der Bedarfe Medizinstudierender in der Studieneingangsphase
Text
Hintergrund/Zielstellung: Der bewusste Einsatz der Stimme stellt für Ärzt*innen ein wesentliches Element beruflicher Professionalität dar. Der Klang der Stimme kann sowohl den Beziehungsaufbau als auch das Informationsverständnis beeinflussen. Über den Tagesverlauf hinweg wird die Stimme jedoch beansprucht, sodass es zu einer Stimmermüdung kommen kann [1]. Faktoren, wie eine unzureichend belastbare Stimme, können dies verstärken. Während in anderen Studiengängen, wie z.B. dem Lehramt, zunehmend die stimmliche Leistungsfähigkeit in den Blick genommen wird (z.B. [2]), wird dieser in den Curricula der Humanmedizin aktuell eher weniger Bedeutung beigemessen. Dieses Forschungsprojekt zielte daher darauf ab, die Bedarfe hinsichtlich einer (extra)curricularen Integration des Themas aus Sicht von Medizinstudierenden zu untersuchen.
Methoden: In einem Mixed-Method-Ansatz wurden quantitative und qualitative Daten von Medizinstudierenden des 1. Fachsemesters erhoben. Die Befragungen wurden online im Zeitraum zwischen WiSe 23/24 und 25/26 durchgeführt. Zur subjektiven Bewertung der Stimme wurde eine Einschätzung des Stimmklangs u.a. hinsichtlich der Merkmale Rauigkeit, Behauchtheit und Heiserkeit (RBH) vorgenommen sowie der Fragebogen zur Erfassung des stimmlichen Selbstbilds (FESS, [3]) eingesetzt. Wünsche und Erwartungen hinsichtlich einer potentiellen Lehrveranstaltung zum Thema Stimme wurden offen erfragt und anschließend mittels MAXQDA® ausgewertet.
Ergebnisse: 83 Erstsemesterstudierende (52 weiblich, Ø 20,76 Jahre) schätzten ihren Stimmklang ein. Die Einschätzung ergab ein heterogenes Bild. 26,5 % beurteilten ihren Stimmklang als rau, 22,9 % als heiser. Zudem schätzten 30 % ihre Stimme als schwach ein. Beim stimmlichen Selbstbild gaben u.a. 58 % an, dass sich stressige Situationen auf ihre Stimme niederschlagen. Im Zuge der Befragung zu Wünschen und Erwartungen an eine Lehrveranstaltung wurde vor allem die „Wirkung“ und die „effektive Nutzung“ der Stimme betont sowie ein hoher Anteil praktischer Übungen.
Diskussion: Die Ergebnisse, dass einige Studierende einen auffälligen rauen/heiseren Stimmklang sowie eine eher schwache Stimmleistung beschreiben, stehen im Einklang mit vergleichbaren Studien aus anderen Studiengängen. Angesichts des vermehrt geäußerten Wunsches sich vor allem mit der Wirkung der Stimme im ärztlichen Kontext sowie der effektiven Nutzung auseinanderzusetzen, erscheint insbesondere ein praktisch ausgerichtetes Lehrangebot empfehlenswert. Ggf. bietet sich aufgrund der Heterogenität die Konzeption eines differenzierten Angebots an, welches bei Bedarf stimmpräventive und stimmhygienische Aspekte mit einbezieht. Die Ergebnisse basieren auf Selbsteinschätzungen, eine Ergänzung durch objektive Stimmdiagnostik wäre wünschenswert.
Take-Home-Messages:
- Studierende schätzen ihren Stimmklang bereits zu Studienbeginn heterogen ein.
- Training & Reflexion der eigenen Stimme verdient eine curriculare Verankerung im Kontext professioneller Kommunikation.
References
[1] Erkan SO, Tuhanioglu B. Vocal fatigue in doctors: evaluation with subjective and objective acoustic parameters. Logoped Phoniatr Vocol. 2020;46(1):35-41. DOI: 10.1080/14015439.2020.1724326[2] Gegner C. Mündliche Kompetenzen von Lehramtsstudierenden: Stimmliche Leistungsfähigkeit, rederhetorische und sprechkünstlerische Kompetenzen bei künftigen Deutschlehrkräften. Berlin: Frank & Timme GmbH; 2021.
[3] Nusseck M, Richter B, Echternach M, Spahn C. Skalenübergreifende Auswertung des Fragebogens zur Erfassung des stimmlichen Selbstkonzepts (FESS) [An across-scales analysis of the voice self-concept questionnaire (FESS)]. Laryngorhinootologie. 2018;97(04):255-263. DOI: 10.1055/s-0044-101837



