Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Interprofessionelles Lernen und Handeln mit Medizinstudierenden, Auszubildenden zur Pflegefachperson und Physiotherapiestudierenden
Text
Problembeschreibung/Zielsetzung: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt die interprofessionelle Zusammenarbeit in Ausbildung und Praxis als „eine innovative Strategie zur Abschwächung einer globalen Gesundheitskrise“ [1]. Damit diese Zusammenarbeit nachhaltig gelingt, muss der Grundstein frühzeitig gelegt werden. Die Professionen müssen sich kennenlernen, einander wahrnehmen und die jeweiligen Kompetenzen und Stärken erkennen [2], [3]. Hier setzt die interprofessionelle Lehrveranstaltung Interprofessionelles Lernen und Handeln an. Bereits im ersten klinischen Semester der Humanmedizin sowie möglichst früh im Ausbildungsabschnitt der Pflegefachpersonen und noch vor dem staatlicher Prüfung der Physiotherapie bringen wir Studierende und Auszubildende zusammen. Ziel ist es, interprofessionelles Lernen von Beginn an als integralen Bestandteil der Ausbildung zu implementieren und im Kontext der professionellen Identitätsentwicklung (PIF) zu reflektieren.
Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden: Das Studienhospital der Medizinischen Fakultät Münster umfasst 13 verpflichtende, curricular verankerte simulationsbasierte Module zur Förderung medizinischer, kommunikativer und sozialer Kompetenzen. Die Veranstaltung folgt einem standardisierten Ablauf: Nach einer PIF-Kennenlernrunde und einem Feed-Up-Gespräch beginnen 15-minütige Simulationen zwischen zwei Professionen mit interprofessioneller Fallbearbeitung und Behandlungsplanung. Anschließend erfolgt ein strukturiertes, multiperspektivisches 360°-Feedback und eine Reflexion in Kleingruppen.
Ergebnisse: Insgesamt haben im WS 2025/2026 227 Studierende und Auszubildende teilgenommen. Darunter waren 166 Medizinstudierende, 17 Physiotherapiestudierende und 44 Auszubildende zur Pflegefachperson. Die Gruppen wurden begleitet durch medizinische Tutor*innen, Lehrende der Schule für Pflegeberufe, Praxisanleitende sowie Physiotherapeut*innen aus dem Universitätsklinikum.
Diskussion: Studierende und Auszubildenden sollen durch die interprofessionelle Lehrveranstaltung auch in herausfordernden Situationen zur kompetenten Handlungsfähigkeit befähigt werden. Gleichzeitig wird das Bewusstsein für vorhandene Stärken geschärft und eine reflektierte Auseinandersetzung ermöglicht. Eine zentrale Herausforderung stellt die zeitliche Abstimmung zwischen den verschiedenen Professionen, Ausbildungseinrichtungen, Curricula sowie die inhaltliche Verzahnung dar. Trotz einer hohen Motivation und großen Bereitschaft aller Beteiligten zur interprofessionellen Zusammenarbeit sind es vor allem formale und strukturelle Rahmenbedingungen, die die Umsetzung erschweren.
Take-Home-Messages: Die Veranstaltung bietet einen realitätsnahen, strukturierten und sicheren Rahmen, in dem interprofessionelles Handeln erprobt, reflektiert und als Teil einer professionellen Identitätsentwicklung dient.
References
[1] World Health Organization (WHO). Framework for Action on Interprofessional Education and Collaborative Practice. Geneva: WHO; 2010. Zugänglich unter/available from: https://iris.who.int/server/api/core/bitstreams/d743ea4e-8c14-493c-b3a5-1a0022e6ce54/content[2] Ewers M, Paradis E, Herinek D. Interprofessionelles Lernen, Lehren und Arbeiten. Gesundheits- und Sozialprofessionen auf dem Weg zu kooperativer Praxis. 1. Auflage. Basel: Beltz Juventa; 2019.
[3] Robert Bosch Stiftung, editor. Gesundheitsberufe neu denken, Gesundheitsberufe neu regeln. Grundsätze und Perspektiven - Eine Denkschrift der Robert Bosch Stiftung. Stuttgart: Robert Bosch Stiftung; 2013. Zugänglich unter/available from: https://www.bosch-stiftung.de/sites/default/files/publications/pdf_import/2013_Gesundheitsberufe_Online_Einzelseiten.pdf



