Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Interprofessionelle Lehre zum Delir: Effekte auf Delirwissen und selbsteingeschätzte interprofessionelle Kompetenzen in einem Pre-Post-Design
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Hintergrund/Fragestellung: Das Delir ist ein medizinischer Notfall, der rasches professionsübergreifendes Handeln erfordert. Aufgrund der heterogenen Symptomatik ist die Versorgung delirant erkrankter Patient*innen komplex. Eine 2019 an der Universitätsmedizin Halle durchgeführte Bedarfsanalyse unter Assistenzärzt*innen zeigte Defizite in Delirwissen und Kommunikation mit Betroffenen. Die Lehre zum Delir erfolgt jedoch häufig fragmentiert und monoprofessionell. Seit dem Wintersemester 2023 wird am Dorothea-Erxleben-Lernzentrum Halle der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eine interprofessionelle Lehreinheit zum Delir für fünf Gesundheitsprofessionen angeboten. Ziel der Studie ist die Untersuchung, ob die Teilnahme zu einer Verbesserung des Delirwissens sowie der selbsteingeschätzten interprofessionellen Kompetenzen führt.
Methoden: Es wurde eine prospektive Interventionsstudie im Pre-Post-Design durchgeführt. Die Datenerhebung erfolgte mittels standardisiertem Evasys-Fragebogen zu zwei Messzeitpunkten (T0 vor, T1 nach der Lehrveranstaltung). Erfasst wurden Delirwissen und interprofessioneller Kompetenzen. Die Zuordnung der Datensätze erfolgte über selbstgenerierte Pseudonymisierungscodes.
Ergebnisse: 334 Studierende und Auszubildende aus Humanmedizin, Anästhesietechnischer Assistenz, Evidenzbasierter Pflege, Pflegefachberufen, Ergotherapie und Physiotherapie nahmen teil. Für 109 Teilnehmende (33%) lagen gepaarte Datensätze vor. Nach der Lehrveranstaltung zeigten sich signifikante Verbesserungen der subjektiven Sicherheit in der Delirerkennung und -subtypisierung sowie ein Wissenszuwachs zu nicht-medikamentösen Therapie- und Präventionsmaßnahmen. Zudem verbesserten sich das Verständnis professionsspezifischer Aufgabenbereiche, das Rollenverständnis und die wahrgenommene Kommunikationsfähigkeit im Team. Respekt und Wertschätzung wurden bereits zu T0 hoch eingeschätzt. Geringe Veränderungen zeigten sich hinsichtlich der Wahrnehmung soziokultureller Einflussfaktoren.
Diskussion: Die interprofessionelle Lehreinheit trägt zur Sensibilisierung für das Delir sowie zur Förderung fachspezifischer und interprofessioneller Kompetenzen bei. Einschränkend ist die geringe Rücklaufquote gepaarter Datensätze sowie die Unterrepräsentation einzelner nicht-ärztlicher Professionen zu berücksichtigen. Unklar bleibt, inwieweit sich die subjektiven Kompetenzzuwächse im klinischen Handeln widerspiegeln.
Take-Home-Messages: Interprofessionelle Lehre im Kontext der Delirversorgung fördert Wissen und interprofessionelle Kompetenzen und stellt einen vielversprechenden Ansatz in der gesundheitsberuflichen Ausbildung dar. Weitere Studien sollten den Transfer in die Versorgungspraxis untersuchen.



