Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Simulationsbasierte interprofessionelle Lehre mit Medizinstudierenden im Praktischen Jahr und Studierenden der Sozialen Arbeit zum Thema „Familiäre Gewalt“ – ein Stück in drei Akten
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Hintergrund/Ziel: Im Jahr 2024 wurde bei rund 72.800 Kindern oder Jugendlichen in Deutschland eine Kindeswohlgefährdung durch Vernachlässigung, psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt festgestellt [1]. Steht der Verdacht von Kindeswohlgefährdung im klinischen Setting im Raum, ist sofortiges Handeln verschiedener Akteur*innen erforderlich, um das Kind zu schützen. Im nationalen kompetenzbasierten Lernzielkatalog für Medizin ist das Thema „häusliche Gewalt“ aufgeführt. Obwohl der Umgang mit häuslicher Gewalt in der Praxis im Rahmen interprofessioneller Teams erfolgt, wurde das Thema Interprofessionalität bislang didaktisch kaum ausgearbeitet und interprofessionelle Lehrformate, insbesondere unter Einbezug der Sozialen Arbeit, sind bislang rar [2]. Ziel ist die Entwicklung, Pilotierung und Evaluation eines interprofessionellen Lehrformats mit Studierenden der Humanmedizin und der Sozialen Arbeit zum Thema „Familiäre Gewalt“ basierend auf drei aufeinanderfolgenden Simulationsszenarien.
Methoden: Expert*innen aus der Rechtsmedizin, vom Jugendamt Halle (Saale), der Psychologie, der Kommunikationswissenschaft und der Pädiatrie entwickelten zwei Fälle in drei aufeinanderfolgenden Simulationsszenarien: vom ersten Verdacht auf Kindeswohlgefährdung (Szenario 1), über eine interdisziplinäre Fallbesprechung (Szenario 2) bis hin zum Elterngespräch mit dem Jugendamt (Szenario 3). Zusätzlich wurden Beobachtungsaufträge erstellt. Dieses Lehrformat wurde mittels Evasys-Fragebogen evaluiert.
Ergebnisse: Das Lehrformat wurde im Wintersemester zweimal à 240 Minuten durchgeführt. Insgesamt nahmen 33 Studierende teil (61% Humanmedizin, 49% Soziale Arbeit), 30 Evaluationsbögen wurden ausgewertet (91%). 93% der Teilnehmenden betrachteten die Simulationen mit Simulationspersonen (SP) als geeignete Lehrmethode und die erworbenen Kompetenzen wurden als hilfreich für ihre berufliche Zukunft eingeschätzt. Die angenehme Lernatmosphäre, die hohe Professionalität der SP und das unterstützende Feedback wurden besonders positiv bewertet. Kritik betraf vor allem die zeitliche Strukturierung und die Vermittlung von Fach- und Hintergrundwissen.
Diskussion: Das Thema „Familiäre Gewalt“ mit Fokus auf Kinderschutz eignet sich besonders für die interprofessionelle Lehre, stellt jedoch hohe Anforderungen an personelle Ressourcen. Angesichts der steigenden Zahl an von Kindeswohlgefährdung betroffener Kinder ist die interprofessionelle Lehre in den Studiengängen Medizin und Soziale Arbeit dringend erforderlich. Aufgrund der positiven Evaluation soll das Lehrformat künftig verstetigt und ausgebaut werden. Eine zeitliche und inhaltliche Überarbeitung wird angestrebt, um die Lernergebnisse weiter zu optimieren.
Take-Home-Message: Die Sensibilisierung Studierender der Medizin und der Sozialen Arbeit für Anzeichen von Kindeswohlgefährdung und notwendige Handlungsschritte ist zentral, um betroffene Kinder und Jugendliche zu schützen und deren Familien angemessen zu unterstützen.
References
[1] Statistisches Bundesamt. Pressemitteilung: Kindeswohlgefährdung auf neuem Höchststand: Fallzahl binnen fünf Jahren um 31% gestiegen. Wiesbaden: Destatis; 2025. Zugänglich unter/available from: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Kinderschutz/_inhalt.html[2] Misamer M. Soziale Arbeit und interprofessionelle Kooperation am Beispiel des Gesundheitswesens. Bonn: socialnet; 2025. DOI: 10.60049/bs8zir10



