Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Von der Pilotierung zur Anwendung – lernzielbasierte Evaluation klinischer und digitaler Lehrformate
Text
Problembeschreibung/Zielsetzung: Klassische Lehrevaluationen erfassen primär Zufriedenheitsurteile und erlauben nur begrenzt Aussagen über den tatsächlich erreichten Lernerfolg einzelner Lehrveranstaltungen. Dies ist insbesondere in der klinischen Lehre sowie im Kontext digitaler und hybrider Formate problematisch. Ziel von des Projekts Qualitätsmanagement für medizinische Lehre 2.0 (QML 2.0) ist die Entwicklung und fakultätsweite Implementierung eines lernzielbasierten Qualitätsmanagementsystems, das Lernziele, Lernerfolgsmessung und Evaluation systematisch verknüpft.
Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden: Nach der Pilotierung in Blockpraktika wurde der Ansatz konzeptionell auf weitere klinische Fächer ausgeweitet. In begleitenden Workshops wurden auf Grundlage des NKLM gemeinsam mit Lehrenden lehrveranstaltungsspezifische, operationalisierbar formulierte („smarte“) Lernziele [1] entwickelt und curricular verortet. Der Lernerfolg wird mittels eines validierten prädiktionsbasierten Verfahrens anhand vergleichender Selbsteinschätzungen vor und nach der Lehrveranstaltung erfasst [2]. Bestehende Evaluationsinstrumente zur klinischen Lehre [3] wurden um Qualitätsdimensionen digitaler und hybrider Formate ergänzt. Die Datenauswertung erfolgt integriert in einen kontinuierlichen PDCA-Zyklus.
Ergebnisse: Die Ausweitung auf mehrere klinische Fächer konnte erfolgreich umgesetzt werden; die Lernzielerhebung ist dort fest in die regulären Evaluationsprozesse eingebunden. Erste psychometrische Analysen des erweiterten Fragebogens zeigen eine hohe interne Konsistenz sowie stabile faktorielle Strukturen. Zudem differenzieren Studierendenurteile systematisch zwischen Präsenzlehre und digitalen Anteilen. Die kombinierte Auswertung von Lernerfolgs- und Evaluationsdaten ermöglicht fach- und formatspezifische Rückmeldungen und wird bereits für qualitätsbezogene Entwicklungsmaßnahmen genutzt.
Diskussion: QML 2.0 zeigt, dass eine lernzielbasierte Evaluation klinischer und digitaler Lehrformate fakultätsweit umsetzbar ist. Durch die curriculare Verankerung expliziter Lernziele und die systematische Erfassung des Lernerfolgs wird Evaluation von einer primär beschreibenden Rückmeldung zu einem entwicklungsorientierten Instrument fakultärer Steuerung weiterentwickelt. Der Ansatz ist anschlussfähig an aktuelle Reformprozesse sowie an Verfahren leistungsorientierter Mittelvergabe und grundsätzlich auf andere medizinische Fakultäten übertragbar.
Take-Home-Messages:
- ?Lernzielbasierte Evaluation ermöglicht belastbare Aussagen zum Lernerfolg einzelner Lehrveranstaltungen.
- Die Integration digitaler Qualitätsdimensionen ist für hybride Lehrformate essenziell.
- Die Verknüpfung von Lernerfolg und Evaluation stärkt den fakultären Qualitätsmanagementzyklus.
References
[1] Anders S, Pyka K, Mueller T, von Steinbüchel N, Raupach T. Influence of the wording of evaluation items on outcome-based evaluation results for large-group teaching in anatomy, biochemistry and legal medicine. Ann Anat. 2016;208:222-227. DOI: 10.1016/j.aanat.2016.07.008[2] Grebener BL, Barth J, Anders S, Beißbarth T, Raupach T. A prediction-based method to estimate student learning outcome: impact of response rate and gender differences on evaluation results. Med Teach. 2021;43(5):524-530. DOI: 10.1080/0142159X.2020.1867714
[3] Dreiling K, Montano D, Poinstingl H, Müller T, Schiekirka-Schwake S, Anders S, von Steinbüchel N, Raupach T. Evaluation in undergraduate medical education: conceptualizing and validating a novel questionnaire for assessing the quality of bedside teaching. Med Teach. 2017;39(8):820-827. DOI: 10.1080/0142159X.2017.1324136



