Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Projekt PJ-ÖGW: Ergebnisse des bundesweiten Entwicklungsprozesses zu Anvertraubaren Professionellen Tätigkeiten (APT) für das Praktische Jahr im Medizinstudium im Fach Öffentliches Gesundheitswesen (ÖGW)
Text
Problembeschreibung: Die COVID-19-Pandemie verdeutlichte die zentrale Rolle des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) im Gesundheitssystem. Bestehende Initiativen zur ärztlichen Nachwuchsgewinnung begegnen den bestehenden Herausforderungen bislang jedoch nicht hinreichend. Ein zentraler Ansatz zur Nachwuchsrekrutierung ist die Erhöhung der Visibilität und Attraktivität des ÖGD im Medizinstudium [1]. Mit der Änderung der Approbationsordnung wurde erstmals das Praktische Jahr (PJ) im ÖGD ermöglicht, wodurch ein Bedarf an curricularer und didaktischer Ausgestaltung entsteht. „Entrustable Professional Activities“ (EPA), zu Deutsch „Anvertraubare Professionelle Tätigkeiten“ (APT), stellen hierfür ein etabliertes Konzept der kompetenzorientierten medizinischen Ausbildung dar, bei dem ärztliche Tätigkeiten zu realitätsnahen Handlungseinheiten gebündelt und schrittweise mit abnehmender Supervision anvertraut werden [2]. Für das Fach ÖGW fehlen bislang standardisierte, bundesweit entwickelte APT.
Projektbeschreibung: Vor diesem Hintergrund hat eine Unterarbeitsgruppe der Arbeitsgruppe Aus-, Fort- und Weiterbildung der Deutschen Gesellschaft für Öffentliches Gesundheitswesen (DGÖG) die in Sachsen geleisteten Vorarbeiten aufgegriffen und in einen systematischen, bundesweiten Entwicklungsprozess von APT für das PJ im Fach ÖGW überführt. Die APT wurden in einem informellen Konsensverfahren innerhalb der Unterarbeitsgruppe entwickelt und konsentiert.
Ergebnisse: Unter Beteiligung von 31 Vertreter*innen aus Gesundheitsämtern und medizinischen Fakultäten aus 11 Bundesländern wurden in vier virtuellen Workshops sieben APT für das Fach ÖGW entwickelt. Diese decken die Bereiche Amtsärztlicher Dienst, Kinder- und Jugendgesundheitsdienst, Sozialpsychiatrischer Dienst, Infektionshygienischer Dienst sowie Gesundheitsförderung und Prävention ab.
Diskussion: Die Ergebnisse bilden eine fundierte Grundlage für ein realitätsnahes und kompetenzorientiertes PJ unter zeitgemäßen medizindidaktischen Gesichtspunkten. Durch die Abbildung von für den ÖGD charakteristischen Tätigkeiten sollen neben der curricularen Integration ÖGD-spezifischer Inhalte im Medizinstudium auch positive Lernerfahrungen geschaffen werden, da insbesondere im PJ wesentliche Weichen für die Weiterbildungsentscheidung gestellt werden [3]. Ein wesentliches Ergebnis war die erfolgreiche Entwicklung standardisierter APT trotz föderaler Strukturen und heterogener Anforderungen der verschiedenen Bundesländer, wodurch ein einheitlicher Rahmen für das PJ im ÖGW geschaffen werden konnte. Herausfordernd war die Integration von medizinischen, verwaltungsrechtlichen und Public-Health Aspekten in das APT-Konzept. Erkenntnisse aus anderen Fachrichtungen bieten zwar Anknüpfungspunkte, sind jedoch nur eingeschränkt auf das Fach ÖGW übertragbar. Aufbauend auf den Ergebnissen ist weitere Forschung im Fach ÖGW geplant.
Take-Home-Message: Gemeinsam für ein starkes PJ-ÖGW – erste bundesweit entwickelte APT für das PJ im ÖGW!
References
[1] Beirat zur Beratung zukunftsfähiger Strukturen im Öffentlichen Gesundheitsdienst in Umsetzung des Paktes für den Öffentlichen Gesundheitsdienst, editor. 3. Stellungnahme des Beirates Pakt ÖGD: Nachhaltige Verankerung des Öffentlichen Gesundheitswesens im Medizinstudium. Berlin: Beirat zur Beratung zukunftsfähiger Strukturen im Öffentlichen Gesundheitsdienst in Umsetzung des Paktes für den Öffentlichen Gesundheitsdienst; 2025.[2] Cate OT. A primer on entrustable professional activities. Korean J Med Educ. 2018;30(1):1-10. DOI: 10.3946/kjme.2018.76
[3] Gartmeier M, Epstein N, Berberat P, Fischer MR. Medizinstudium: Fakten statt Mythen. Dtsch Arztebl. 2017;114(40):1799-1802. Zugänglich unter/available from: https://www.aerzteblatt.de/archiv/medizinstudium-fakten-statt-mythen-efa57b93-ddab-4607-819c-fd26921e8851



