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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Simulationsbasierte longitudinale Lehre zur Reflexion impliziter Vorurteile und Diversität in der Medizin

Laura Janssen - Technische Universität München (TUM), TUM School of Medicine and Health, Department Clinical Medicine, München, Deutschland
Lea Sturm - Technische Universität München (TUM), TUM School of Medicine and Health, Department Clinical Medicine, München, Deutschland
Laura Borgstedt - Technische Universität München (TUM), TUM School of Medicine and Health, Department Clinical Medicine, München, Deutschland
Martin Gartmeier - Technische Universität München (TUM), TUM School of Medicine and Health, Department Clinical Medicine, München, Deutschland
Pascal O. Berberat - Technische Universität München (TUM), TUM School of Medicine and Health, Department Clinical Medicine, München, Deutschland
Sandra Apondo - Technische Universität München (TUM), TUM School of Medicine and Health, Department Clinical Medicine, München, Deutschland

Text

Problembeschreibung/Zielsetzung: Implizite Vorurteile sind im Gesundheitswesen weit verbreitet und erschweren klinische Entscheidungsprozesse, Behandlungsqualität und Arbeitsbedingungen [1], [2]. Trotz dieser Relevanz fehlen entsprechende systematische Lehrangebote und es besteht Forschungsbedarf zur wirksamen didaktischen Umsetzung [3]. Ziel des Projekts „Implizite Vorurteile in der Medizin“ war es daher, Studierende im klinischen Studienabschnitt im Rahmen eines longitudinalen Curriculums für eigene Vorurteile zu sensibilisieren und entsprechende Handlungskompetenzen zu fördern.

Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden: Zur Umsetzung wurden drei curriculare Lehrveranstaltungen weiterentwickelt, um Kommunikations- und praktische Skills mit Diversitätsbewusstsein zu verbinden. In simulationsbasierten Szenarien agierten Studierende mit Simulationspatient*innen, die unangekündigt diskriminierenden Stimuli setzten. Im Kurs Ärztliche Gesprächsführung wurden Fallskripte zu niedrigem sozioökonomischem Status, Migrationshintergrund und Adipositas eingesetzt. Im Modul Akute Lebensgefahr wurde ein rassistischer Kommentar ergänzt, im Kurs Stationsmanagement ein sexistischer. Die Situationen wurden im Debriefing durch geschulte Dozierende reflektiert. Die Evaluation erfolgte mittels eines standardisierten Fragebogens, angelehnt an den CCCHP-27, zu Wissen/Bewusstsein, selbsteingeschätzter Handlungskompetenz und Relevanzwahrnehmung (15 Items, Likert 1-6).

Ergebnisse: Die Evaluation zeigte insgesamt hohe Zustimmungswerte. Für Wissen/Bewusstsein ergab sich ein Mittelwert von M=4,56, was darauf hindeutet, dass die Lehrinterventionen das Verständnis und die Sensibilisierung für implizite Vorurteile fördern konnten. Für die selbsteingeschätzte Handlungskompetenz lag der Mittelwert bei M=4,58, was auf eine erhöhte subjektive Sicherheit im professionellen Umgang mit diskriminierenden Situationen schließen lässt. Die höchsten Werte wurden für die Relevanzwahrnehmung erreicht (M=4,85), was die hohe Bedeutung und Akzeptanz des Themas aus Studierendensicht unterstreicht.

Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass eine curriculare-longitudinale Verankerung von Inhalten zu impliziten Vorurteilen und Diversität in der medizinischen Ausbildung umsetzbar, didaktisch sinnvoll und von Studierenden gewünscht ist. Die Kombination aus realitätsnahen Lehrmaterialien, szenariobasiertem Lernen und Reflexion unterstützte die Auseinandersetzung mit impliziten Vorurteilen. Eine erfolgreiche Umsetzung erfordert jedoch die Schulung von Lehrenden und Simulationspersonen. Limitationen bestehen in der Selbstauskunft der Studierenden und der fehlenden Langzeitbeobachtung.

Take-Home-Messages: Ein curricular-longitudinales Konzept zur Thematisierung impliziter Vorurteile kann angehende Ärztinnen und Ärzte nachhaltig sensibilisieren. Für eine nachhaltige Wirkung sind eine institutionelle Verankerung sowie die Qualifizierung von Lehrenden und Simulationspersonen essenziell.


References

[1] Gonzalez CM, Greene RE, Cooper LA, Lypson ML. Recommendations for faculty development in addressing implicit bias in clinical encounters and clinical learning environments. J Gen Intern Med. 2024;39(12):2326-2332. DOI: 10.1007/s11606-024-08832-5
[2] FitzGerald C, Hurst S. Implicit bias in healthcare professionals: a systematic review. BMC Med Ethics. 2017;18(1):19. DOI: 10.1186/s12910-017-0179-8
[3] Boscardin CK. Reducing implicit bias through curricular interventions. J Gen Intern Med. 2015;30(12):1726-1728. DOI: 10.1007/s11606-015-3496-y