Logo

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Entrustable Professional Activities (EPAs) im Pflegestudium: Entwicklung und Implementierung zur Förderung erweiterter heilkundlicher Kompetenzen

Bennet Priesemuth - Alice Salomon Hochschule Berlin, Berlin, Deutschland

Text

Problembeschreibung/Zielsetzung: Pflegefachpersonen mit Hochschulabschluss und erweiterten heilkundlichen Kompetenzen übernehmen künftig in definierten Bereichen Aufgaben, die bislang ärztlich verantwortet wurden. Dafür sind Kompetenzen erforderlich, die über das gesamte Studium hinweg systematisch theoretisch und praktisch aufgebaut sowie prüfbar gestaltet werden müssen. Zugleich steigen die Anforderungen an die interprofessionelle Zusammenarbeit, da Ärzt*innen Anleitung und Prüfung übernehmen müssen. Besonders Einrichtungen der ambulanten und Langzeitpflege stehen dadurch unter Druck. Ziel des Projekts ist die Implementierung eines hochschuldidaktischen Instruments zur Unterstützung dieser Anforderungen in Theorie und Praxis.

Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden: Auf Grundlage einer Literaturrecherche wurde das Konzept der Entrustable Professional Activities (EPAs), das vor allem aus der medizinischen Ausbildung bekannt ist, für die hochschulische Pflege adaptiert und an nationale gesetzliche Vorgaben angepasst. Pflegebezogene Weiterentwicklungen wurden berücksichtigt. In einem dialogischen Prozess entstanden Arbeitsmaterialien, begleitende Schulungen sowie reflexionsorientierte Arbeitsgruppen für Praxiseinrichtungen. Nach einem ersten Einsatz in der Praxis ist für April 2026 eine explorative Evaluation mit qualitativen und quantitativen Anteilen geplant. Sie bildet den Auftakt weiterer Evaluationen.

Ergebnisse: Erste Rückmeldungen aus den Praxiseinrichtungen sprechen dafür, dass das EPA-Konzept in der Theorie auf eine hohe Akzeptanz stößt. In der praktischen Umsetzung zeigen sich jedoch Herausforderungen, vor allem mit Blick auf vorhandene Anleitungskompetenzen, etwa im Bereich der körperlichen Untersuchung, sowie auf die Verfügbarkeit ärztlicher Supervision. Systematisch ausgewertete Evaluationsergebnisse liegen bisher noch nicht vor. Die folgenden Einschätzungen sind daher vorläufig und stehen unter dem Vorbehalt der noch ausstehenden Auswertung.

Diskussion: EPAs können den Aufbau erweiterter heilkundlicher Kompetenzen strukturiert und kompetenzorientiert unterstützen und machen interprofessionellen Abstimmungsbedarf sichtbar. In der Praxis zeigen sich jedoch Grenzen, insbesondere bei der interdisziplinären Zusammenarbeit und bei gesetzlich geforderter, nicht immer verlässlich verfügbarer ärztlicher Beteiligung. Die dargestellten Überlegungen sind vorläufig und werden nach Abschluss der ausstehenden Evaluation weiter präzisiert.

Take-Home-Messages: EPAs bieten einen möglicherweise passenden und praxistauglichen Ansatz, um Kompetenzen für erweiterte heilkundliche Aufgaben systematisch und nachvollziehbar aufzubauen. Damit die Implementierung gelingt, braucht es vor allem eine verlässliche und verbindliche Einbindung der Praxiseinrichtungen sowie ein klar interprofessionell ausgerichtetes Vorgehen. Diese Schlussfolgerungen sind vorläufig und stehen unter dem Vorbehalt der noch ausstehenden und weiterführenden Evaluationen.