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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Förderung visuell-kommunikativer Verhaltensweisen in Visiten: Evidenzbasierte Entwicklung von Eye Movement Modeling Examples (EMME)

Martin Gartmeier - TUM Klinikum rechts der Isar, TUM Medical Education Center, München, Deutschland
Jana Fritsche - TUM Klinikum rechts der Isar, TUM Medical Education Center, München, Deutschland
Nicolas Hofberger - TUM Klinikum rechts der Isar, TUM Medical Education Center, München, Deutschland
Inés Koch-Hümmler - TUM Klinikum rechts der Isar, TUM Medical Education Center, München, Deutschland
Christian Kosel - TU München, TUM School of Social Sciences and Technology, München, Deutschland
Max Žák - TUM Klinikum rechts der Isar, TUM Medical Education Center, München, Deutschland
Tina Seidel - TU München, TUM School of Social Sciences and Technology, München, Deutschland
Pascal O. Berberat - TUM Klinikum rechts der Isar, TUM Medical Education Center, München, Deutschland

Text

Hintergrund/Fragestellung: Visiten sind ein zentrales Element klinischen Versorgung, daher sollte Visitenkommunikation schon im Studium gefördert werden [1]. Bestehende Evidenz legt nahe, dass visuelle Verhaltensweisen für effektive Visitenkommunikation wichtig sind [2]. Wir untersuchen daher,

(A) welche Blickmuster Expert*innen in stationären Visiten zeigen und
(B) wie diese Personen ihr eigenes visuell-kommunikatives Handeln erklären.

Auf dieser Basis diskutieren wir die Relevanz der Nutzung von Eye Movement Modeling Examples (EMME) für die Visitenlehre im Medizinstudium [3].

Methoden:

  • Studie A: Mobile Eye-Tracking-Studie mit acht Ärzt*innen verschiedener Fachrichtungen in zwölf realen Visiten. Analysiert wurden Fixationen auf definierte Areas of Interest sowie Blickverhalten in spezifischen Phasen der Visite.
  • Studie B: Qualitative Interviews (Stimulated Recall) basierend auf den Eye-Tracking-Aufnahmen, ergänzt durch leitfadengestützte Reflexionen. Die Interviewdaten wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet.

Ergebnisse: Studie A zeigt, dass Ärzt*innen ihre Aufmerksamkeit konsistent auf klinisch bedeutsame AOIs richten (v.a. Gesicht der Patient/innen, relevante Dokumentation, Monitoring), wobei Blickmuster phasen- und fachdisziplinspezifisch variieren. Internist*innen fokussieren stärker patientenbezogene Hinweise, chirurgische Kolleg*innen häufiger prozedurale Elemente. Studie B zeigt zudem, auf welche Art und Weise Ärzt*innen visuelles Verhalten nicht nur zur Informationsaufnahme, sondern als Ressource für Kommunikation, Teamkoordination und diagnostische Priorisierung nutzen. Sie beschrieben implizite, routinierte Entscheidungsskripte und erklären, warum bestimmte visuelle Muster (z.B. rasches Screening des Zimmers, gezielte Kontrollblicke, Körpersprache-Beobachtung) in Visiten funktional sind. Diese tieferliegenden kognitiven Funktionen sind über Eye-Tracking-Daten allein nicht sichtbar.

Diskussion: Erst die Zusammenführung beider Evidenzstränge ermöglicht es, visuelle Verhaltensweisen nicht nur zu identifizieren, sondern didaktisch nutzbar zu machen. Die Eye-Tracking-Daten zeigen was Expert*innen sehen, die Interviews erklären warum und mit welcher Absicht sie es sehen. Aus der Zusammenschau ausgewählter Ergebnisse zeigen wir, wie die Kombination objektiver Blickdaten und subjektiver Deskriptionen von visuell-kommunikativen Strategien die Entwicklung von EMME informieren.

Take-Home-Messages:

  • EyeTracking zeigt für Visiten funktionale visuelle Muster, Interviews erschließen deren kognitive Funktion.
  • Für EMME müssen visuelle, kommunikative und klinische Aspekte integriert werden.
  • Kombinierte Evidenz erhöht die Validität von Trainingsmaterial und ermöglicht es, authentische, modellhafte Expert*innenvideos zu entwickeln.
  • Die Studien liefern eine fundierte Grundlage für EMME, die Studierende beim Erwerb professioneller Wahrnehmungsstrategien in Visiten unterstützen.

References

[1] White MR, Braund H, Howes D, Egan R, Gegenfurtner A, van Merrienboer JJ, Szulewski A. Getting inside the expert’s head: An analysis of physician cognitive processes during trauma resuscitations. Ann Emerg Med. 2018;72(3):289‑98. DOI: 10.1016/j.annemergmed.2018.03.005
[2] Gonzalo JD, Heist BS, Duffy BL, Dyrbye L, Fagan MJ, Ferenchick G, Harrell H, Hemmer PA, Kernan WN, Kogan JR, Rafferty C, Wong R, Elnicki DM. The art of bedside rounds: A multi-center qualitative study of strategies used by experienced bedside teachers. J Gen Intern Med. 2013;28(3):412-420. DOI: 10.1007/s11606-012-2259-2
[3] Emhardt SN, Kok E, van Gog T, Brandt-Gruwel S, van Marlen T, Jarodzka H. Visualizing a task performer’s gaze to foster observers’ performance and learning—a systematic literature review on eye movement modeling examples. Educ Psychol Rev. 2023;35(1):23. DOI: 10.1007/s10648-023-09731-7