Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Erwerb von Ernährungskompetenzen im Medizinstudium durch Lehrangebote zu „Culinary Medicine“ – ein systematisches Review
Text
Hintergrund/Fragestellung: Obwohl Ernährungskompetenzen für Ärzt*innen von zentraler Bedeutung sind, werden diese an medizinischen Fakultäten bislang nur unzureichend vermittelt [1]. Interaktive Konzepte wie die Culinary Medicine (CM) und der Einsatz von Teaching Kitchens (TK) sind vielversprechende Lehrmethoden und gewinnen daher als innovative Bildungsansätze an Bedeutung [2]. Diese systematische Übersichtsarbeit untersucht die Effekte verschiedener CM-Ausbildungsformate auf das ernährungsbezogene Wissen, die praktischen Fähigkeiten und die Einstellungen von Medizinstudierenden in Deutschland.
Methoden: Von Oktober bis Dezember 2023 durchsuchten wir mehrere Datenbanken (u.a. PubMed, Web of Science, Scopus und Embase) zu Studien über CM- und TK-Interventionen bei deutschen Medizinstudierenden. Eine Nachrecherche erfolgte im Juli und August 2025. Eingeschlossen wurden Studien, die die Messung von Effekten der Intervention auf ernährungsbezogene Kompetenzen berichten. Daten zum Inhalt, didaktischer Umsetzung, Implementierung und Kompetenzerwerb wurden extrahiert. Die Studienqualität wurde anhand des MMERSQI [3] erfasst. Die verschiedenen Implementierungsformen und Lehrformate wurden deskriptiv zusammengestellt, die berichteten Effekte zum Kompetenzerwerb tabellarisch synthetisiert.
Ergebnisse: Neun Studien aus sechs Standorten erfüllten die Einschlusskriterien. Bei den meisten Interventionen handelte es sich um Wahlmodule im klinischen Ausbildungsabschnitt. Alle Studien zeigten Verbesserungen des ernährungsbezogenen Wissens und/oder der selbsteingeschätzten Kompetenz in Bezug auf Ernährungsberatung. Vereinzelt wurden positive Effekte auf das eigene Ernährungsverhalten berichtet. Die Studienqualität war moderat (Bereich 42-70,5 von 100; Median 60).
Diskussion: Eine Ausbildung in CM kann aus Sicht der Studierenden das ernährungsbezogene Wissen und die Beratungskompetenzen im Medizinstudium wirksam verbessern. Um langfristige Erfolge zu messen, sind Längsschnittstudien erforderlich. Statt auf selbsteingeschätzte Kompetenzen zu fokussieren, sollten die Umfrageendpunkte beispielsweise die tatsächlichen Beratungsfähigkeiten der Studierenden im klinischen Alltag erfassen.
Take-Home-Message: CM sollte weiter erforscht und fest im Curriculum verankert werden, damit alle angehende Ärzt*innen die notwendigen Kompetenzen erwerben, um ernährungsbedingte Erkrankungen wirksam zu verhindern und sie erfolgreich behandeln zu können.
References
[1] Crowley J, Ball L, Hiddink GJ. Nutrition in medical education: a systematic review. Lancet Planetary Health. 2019;3(9):e379-e389. DOI: 10.1016/S2542-5196(19)30171-8[2] Tan J, Atamanchuk L, Rao T, Sato K, Crowley J, Ball L. Exploring culinary medicine as a promising method of nutritional education in medical school: a scoping review. BMC Med Educ. 2022;22(1):441. DOI: 10.1186/s12909-022-03449-w
[3] Al Asmri M, Haque MS, Parle J. A Modified Medical Education Research Study Quality Instrument (MMERSQI) developed by Delphi consensus. BMC Med Educ. 2023;23(1):63. DOI: 10.1186/s12909-023-04033-6



