Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Scheitern erlaubt: Failure Nights zum Sichtbarmachen und Enttabuisieren von Fehlern in der medizinischen Ausbildung
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Hintergrund/Fragestellung: Die Forschung zeigt, dass leistungsstarke Teams im Gesundheitswesen mehr Fehler berichten als weniger leistungsstarke Teams – nicht, weil sie mehr Fehler machen, sondern weil sie offener darüber kommunizieren. Dies verdeutlicht psychologische Sicherheit als zentrale Voraussetzung, um Fehler anzusprechen und aus ihnen zu lernen [1]. Besonders bei Medizinstudierenden sind Fehler häufig mit Scham, Angst und emotionaler Belastung verbunden, einhergehend mit Schweigen, defensiven Verhaltensweisen und weniger Bereitschaft zur Hilfesuche [2], [3]. Ziel dieses Projekts ist es, durch ein innovatives Lehrformat eine frühe Auseinandersetzung mit einer konstruktiven Fehlerkultur zu fördern, den Studierenden Mut zu machen, Fehler offen anzusprechen und Fehler als normalen Teil des Lernprozesses zu verstehen.
Methoden: An der Charité – Universitätsmedizin Berlin wurde eine 90-minütige interaktive „Failure Night“ pilotiert, an der über 100 Medizinstudierende teilnahmen. Die Veranstaltung kombinierte kurze theoretische Inputs zum Thema Fehlerkultur und psychologischer Sicherheit, einschließlich authentischer, humorvoller Berichte über Fehler, die von erfahrenen Kliniker*innen geteilt wurden. Interaktive Elemente umfassten Live-Umfragen mit dem Publikum, das anonyme Teilen eigener „Epic Fails“, einem Auftritt des Charité-internen studentischen Kabaretts, sowie ein Beitrag des institutionellen Critical Incident Reporting Systems. Die Evaluation erfolgte mittels eines kurzen Fragebogens nach der Failure Night, der fünf Items zur allgemeinen Zufriedenheit der Studierenden umfasste, darunter offene Fragen zur den Stärken der Veranstaltung sowie zu Themen für weiterführendes Lernen.
Ergebnisse: Die Zufriedenheitsbefragung zeigte eine hohe Gesamtzufriedenheit. 47 von 100 Studierenden nahmen an der Evaluation teil und bewerteten die Veranstaltung mit durchschnittlich 4,3 von 5 Sternen. Die qualitative Analyse der Freitextantworten ergab, dass insbesondere die Vielfalt, der Humor, die authentischen Berichte über eigene Fehler, die theoretischen Inputs sowie die persönlichen Erfahrungen der Kliniker*innen geschätzt wurden. Alle Teilnehmenden äußerten Interesse an weiteren Angeboten zur Fehlerkultur, darunter zusätzliche Failure Nights (40%) und Workshops (25%).
Diskussion: Die Failure Night erwies sich als ein niedrigschwellig umsetzbares und akzeptiertes Lehrformat zur Thematisierung von Fehlerkultur in der medizinischen Ausbildung. Durch die Normalisierung von Fehlern und das Vorleben von Transparenz trug die Failure Night dazu bei, Fehler sichtbarer und offen diskutierbar zu machen sowie Stigmatisierung zu reduzieren. Narrative und humorbasierte Ansätze erwiesen sich dabei als wirksam, um Hemmschwellen im Umgang mit sensiblen Themen abzubauen.
Take-Home-Message: Das Schaffen sicherer Räume, in denen offen über Fehler gesprochen werden kann, ermöglicht es Medizinstudierenden, Fehler als natürlichen Teil des Lernprozesses zu verstehen.
References
[1] Edmondson AC. Learning from mistakes is easier said than done: Group and organizational influences on the detection and correction of human error. J Appl Behav Sci. 1996;32(1):5-28. DOI: 10.1177/0021886396321001[2] Bynum WE 4th, Goodie JL. Shame, guilt, and the medical learner: ignored connections and why we should care. Med Educ. 2014;48(11):1045-1054. DOI: 10.1111/medu.12521
[3] Klasen JM, Germann N, Lutz S, Beck J, Fourie L. Breaking the Silence: A Workshop for Medical Students on Dealing With Failure in Medicine. Acad Med. 2023;98(12):1402-1405. DOI: 10.1097/ACM.0000000000005438



