Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Geschlechtsunterschiede im Publikationsverhalten der Diplomarbeit von Medizinstudierenden
Text
Hintergrund/Fragestellung: Der Erwerb von Wissenschaftskompetenzen durch angeleitetes Erstellen eines wissenschaftlichen Werks ist essentiell in modernen Medizincurricula, um die Entwicklung der Fertigkeiten des Klinischen Denkens zu fördern [1] und Jungwissenschaftler*innen auszubilden [2]. Angesichts des nach wie vor bestehenden Gender Gaps in der Medizin in unterschiedlichen Phasen und Kernbereichen der akademischen Wissenschaft [3] ist es von großem Interesse das Publikationsverhalten von weiblichen und männlichen Studierenden auch bereits in der frühen und prägenden Phase der wissenschaftlichen Ausbildung, wie hier am Beispiel der eigenen Diplomarbeit, zu untersuchen.
Methoden: Diese retrospektive Studie umfasst 6018 bis Ende September 2018 approbierte Diplomarbeiten, bei denen mit einer Nachbeobachtungszeit bis Ende 2023 überprüft wurde, ob in Publikationsdatenbanken (PubMed und/oder OVID) eine oder mehrere Publikationen unter der Autorenschaft von Diplomand*in und Hauptbetreuer*in auffindbar ist. Dies wurde im Zusammenhang mit dem Geschlecht der Studierenden, der Dauer des Diplomarbeitsprozesses (Anzahl der Tage zwischen positivem Abschluss des Planungsmoduls im 4. Studienjahr und der Einreichung der Diplomarbeit) sowie der Position der Studierenden in der Autor*innenliste analysiert.
Ergebnisse: Für 737 (23,5%) der Abschlussarbeiten von weiblichen Studierenden (n=3132) konnte mindestens eine mit dem Diplomarbeitsthema kongruente Publikation identifiziert werden, während dies bei 865 der 2886 männlichen Studierenden (30%) der Fall war (p<0,0001, Fisher exact test). Weibliche Studierende waren in 21,4% als Erstautor*innen angeführt, männliche in 25,1% (n.s.). Die Dauer des Diplomarbeitsprozesses war sowohl bei weiblichen als auch männlichen Studierenden signifikant kürzer, wenn aus der Diplomarbeit eine themenkongruente Publikation resultierte (in beiden Fällen p<0,0001, Mann Whitney). Weibliche und männliche Studierende unterschieden sich nicht bezüglich der Dauer des Prozesses falls eine Publikation daraus resultierte, bei nicht publizierenden Studierenden erfolgte bei den männlichen Studierenden der Abschluss der Diplomarbeit signifikant später (p<0,0001, Mann Whitney).
Diskussion: Die geringere diplomarbeitsbezogene Publikationsquote weiblicher Studierender könnte dahingehend interpretiert werden, dass sich die Voraussetzungen für den in späteren Karriereschritten beobachteten Gender Gap in der akademischen Medizin bereits im Studium bzw. auch schon in früheren Ausbildungsstadien entwickeln.
Take-Home-Message: Die in dieser Studie gewonnenen Erkenntnisse legen nahe auch mögliche strukturelle Aspekte in der Vorbereitung auf die Diplomarbeit zu überdenken, um so potentiell hinderliche Faktoren für weibliche Studierende im Einnehmen ihrer Rolle als Koautorinnen zu identifizieren.
References
[1] Barz DL, Achimas-Cadariu A. The development of scientific reasoning in medical education: a psychological perspective. Clujul Med. 2016;89(1):32-37. DOI: 10.15386/cjmed-530[2] Sklar DP. We must not let clinician-scientists become an endangered species. Acad Med. 2017;92(10):1359-1361. DOI: 10.1097/ACM.0000000000001870
[3] Ceci SJ, Kahn S, Williams WM. Exploring Gender Bias in Six Key Domains of Academic Science: An Adversarial Collaboration. Psychol Sci Public Interest. 2023;24(1):15-73. DOI: 10.1177/15291006231163179



