Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Professional Identity Formation (PIF) in der Lehre – Haltung entwickeln, Reflexion fördern: Das Regensburger Lehrkonzept für Dozierende der Gesundheitsberufe
Text
Problembeschreibung/Zielsetzung: Die Entwicklung einer professionellen Identität (Professional Identity Formation, PIF) ist ein zentraler Bestandteil in Ausbildung und Studium zukünftiger Gesundheitsfachkräfte. Sie prägt maßgeblich, wie angehende Ärzt*innen und Gesundheitsprofessionen denken, fühlen und handeln. Lehrende spielen in diesem Prozess eine Schlüsselrolle, da sie nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch als Rollenvorbilder und Begleitende in einem komplexen Entwicklungsprozess fungieren. Reflexion stellt dabei ein zentrales didaktisches Instrument dar, um eigene Werte, Normen und Haltungen bewusst wahrzunehmen, zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.
Um Lehrende für ihre Rolle in der PIF zu sensibilisieren und sie zu befähigen, reflexive Lernprozesse gezielt in ihrer Lehre anzuregen, wurde am Universitätsklinikum Regensburg eine Train the teacher-Schulung unter dem Titel „Professional Identity Formation (PIF) in der Lehre – Haltung entwickeln, Reflexion fördern“ implementiert.
Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden: Die Schulung richtet sich an Lehrende der Gesundheitsberufe. Das dreistündige Workshopformat findet zweimal pro Jahr statt und kombiniert theoretische Inputs zu PIF und Reflexion mit Selbsterfahrungsübungen zu Werten und limitierenden Glaubenssätzen sowie einem Transfer in die eigene Lehrpraxis. Die eingesetzten Reflexionsmethoden der Selbsterfahrungen orientieren sich an erprobten Unterrichtsformaten des SCOPE Expertise Centre for personal development der Universität Groningen, mit dessen Team ein regelmäßiger fachlicher Austausch stattfand.
Die Evaluation erfolgte mittels schriftlicher Rückmeldungen der Teilnehmenden unmittelbar nach dem Workshop.
Ergebnisse: Der Workshop wurde erstmals im Oktober 2025 mit zehn Teilnehmenden aus unterschiedlichen Gesundheitsberufen durchgeführt. Die Rückmeldungen fielen durchweg positiv aus. Besonders hervorgehoben wurden die Selbsterfahrungsübungen zur Reflexion sowie der (interprofessionelle) Austausch in den Gruppenübungen. Eine Evaluation im Verlauf ist geplant.
Diskussion: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass kurze, praxisnahe Workshopformate einen wirksamen Beitrag zur Sensibilisierung von Lehrenden für Professional Identity Formation leisten können. Insbesondere erfahrungsbasierte Reflexionsformate und interprofessionelle Lernsettings scheinen die Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung zu fördern. Limitationen bestehen in der bisher kurzen Erfahrungsphase.
Take-Home-Messages:
- Professional Identity Formation kann und sollte bewusst in der Lehre adressiert werden.
- Reflexion ist ein zentrales didaktisches Instrument zur Förderung professioneller Haltung.
- Lehrende profitieren davon, ihre eigene professionelle Identität und Rolle explizit zu reflektieren.
- Praxisorientierte, erfahrungsbasierte Formate eignen sich besonders zur Sensibilisierung für PIF.
- Interprofessioneller Austausch verstärkt reflexive Lernprozesse.



