Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
PJ-OSCE-Stationen zu Wissenschaftskompetenzen: Ansätze, Barrieren und Erfahrungen
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Problembeschreibung/Zielsetzung: Wissenschaftskompetenzen sollten als Voraussetzung für evidenzbasierte Entscheidungsfindungen in der Medizin idealerweise auch in eine „strukturierte klinisch-praktische Prüfung vor dem Zweiten Abschnitt der ärztlichen Prüfung“, wie sie vom Referentenentwurf zur neuen Approbationsordnung gefordert wird [1], integriert werden. Dieses Prüfungsformat wird an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) seit dem Studienjahr 2024-25 in Form einer „PJ-Reife“-Objective Structured Clinical Examination (OSCE) durchgeführt. Der Beitrag rekapituliert die exemplarische Umsetzung von Lernzielen zur Wissenschaftskompetenz als Bestandteil zweier OSCE-Stationen. Didaktische und praktische Aspekte der Umsetzung werden analysiert, um Ansatzpunkte für zukünftige Entwicklungen offenzulegen.
Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden: Die Erstellung der Stationen erfolgte anhand eines MHH-internen, für die OSCE-Stationen einheitlichen Blueprints. Die inhaltliche Basis bildeten Lernziele zur Wissenschaftlichkeit aus dem NKLM 2.0. Nach der Konzeption durch Mitarbeitende des Wissenschaftsmoduls erfolgte der Stationsreview durch das PJ-OSCE-Team und die final prüfenden Fachbereiche sowie eine Erprobung der Durchführbarkeit im Rahmen einer Simulation mit Studierenden und Simulationspersonen (SPs).
Ergebnisse: Vor dem Hintergrund eines ambulanten Settings wurde jeweils eine Station zur evidenzbasierten Beratung über Darmkrebsvorsorge und eine zur Einordnung der Evidenz von Homöopathika erstellt. In einem Beratungsgespräch mit SP sollten auf Nachfrage methodologische und statistische Aspekte erläutert werden, um die informierte Patient*innenentscheidung zu gewährleisten. Ursprünglich integrierte klinisch-praktische Lernziele, die einen zusätzlichen Fokus auf Anamneseschritte legten, wurden teilweise revidiert, um Aspekten der Evidenzbasierung und patient*innengerechter Vermittlung mehr Raum zu geben. Der Testdurchlauf mit Studierenden zeigte, dass insbesondere die adäquate Instruktion von SPs von Bedeutung ist, die für eine teilweise notwendige Lenkung des Gespräches ebenfalls über Hintergrundwissen verfügen sollten.
Diskussion: Die praktische Umsetzung von evidenzbasiertem Handeln im zeiteffizienten Kontext der PJ-OSCE hat noch keine hinreichende Standardisierung erreicht. Ein weiterer Probe-Durchlauf im Rahmen der PJ-OSCE ist für Sommer 2026 geplant. Dennoch zeigen die bisherigen Tests, dass eine Integration von Wissenschaftskompetenzen im Rahmen einer PJ-OSCE grundsätzlich möglich ist. Neben der Abstimmung der expliziten Lehrinhalte mit dem prüfenden Fach (z.B. Allgemeinmedizin) ist eine gute Schulung der SPs essenziell.
Take-Home-Message: Die Frage, wie sich die Vorteile des Prüfungsformats und die vielschichtigen Dimensionen von Wissenschaftlichkeit vereinen lassen, bedarf noch weiterer Erfahrungen im realen OSCE-Setting.



