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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Selbstgesteuertes Training praktischer Fertigkeiten: Zwischen studentischem Wunsch und didaktischer Ermöglichung

Marie-Christin Willemer - Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Institut für Didaktik und Lehrforschung in der Medizin, Medizinisches Interprofessionelles Trainingszentrum (MITZ), Dresden, Deutschland

Text

Problembeschreibung/Zielsetzung: Praktische Fertigkeiten sind zentral für die ärztliche Kompetenzentwicklung. Ein einmaliges Training im curricularen Kontext reicht zur nachhaltigen Festigung nicht aus – Studierende fordern zusätzliche Übungsmöglichkeiten. Frühere Ansätze, Trainingsräume und Materialien frei bereitzustellen, führten jedoch nicht zur Nutzung.

Selbstgesteuertes Lernen ist kein selbstverständlicher Prozess, sondern ein mehrdimensionaler, graduell ausgeprägter Prozess, der verschiedene Entscheidungsbereiche (z.B. Ziele, Methoden, Materialien, Zeit, Ort) umfasst und zyklisch verläuft [1]. Ziel war es daher, digital gestützte Selbstlerneinheiten (SLE) für praktische Fertigkeiten zu entwickeln und zu untersuchen, in welchem Verhältnis studentischer Wunsch nach Selbstbestimmung und tatsächliche Ermöglichung stehen.

Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden: Die SLE wurden als modular kombinierbare Trainingseinheiten an Modellen konzipiert. Das Design orientiert sich am mehrdimensionalen und zyklischen Verständnis selbstgesteuerten Lernens und integriert gezielt Entscheidungsräume [2], [3].

Zur Evaluation wurden in zwei Erhebungszeiträumen (WS 24/25: N=43; SS 25: N=139) standardisierte Befragungen durchgeführt. Erfasst wurden:

  • gewünschter Grad an Selbststeuerung in neun Dimensionen,
  • wahrgenommener Grad der Ermöglichung,
  • Gesamtzufriedenheit.

Die Einschätzung erfolgte auf einer fünfstufigen Skala. Zur Analyse wurde dimensionsbezogen die Differenz zwischen Wunsch und Ermöglichung berechnet.

Ergebnisse: Die Gesamtbewertung lag in beiden Semestern bei 1,3 (WS SD=0,9; SS SD=0,5); über 95% würden erneut teilnehmen. Sowohl der gewünschte als auch der wahrgenommene Grad an Selbststeuerung lagen insgesamt hoch.

Die Differenzen zwischen Wunsch und Ermöglichung waren durchgehend gering (Δ=0,04-0,09). Bei einer Skalenstufe von 0,5 entsprechen diese Werte deutlich weniger als einer halben Antwortkategorie. Abweichungen zeigten sich in beiden Semestern insbesondere in den Dimensionen Lernzeit und Lernort/Lernumgebung sowie – semesterabhängig – in Lernmethoden, Lernergebnisbewertung und Lernmaterialien.

Diskussion: Die Ergebnisse sprechen für eine hohe Übereinstimmung zwischen studentischem Bedarf und didaktischer Gestaltung. Anpassungen waren insbesondere in didaktisch gestaltbaren Dimensionen wie Methodenwahl, Materialgestaltung und Unterstützung der Selbsteinschätzung möglich, während in strukturell gebundenen Bereichen wie Lernzeit und Lernort nur begrenzte Veränderungsspielräume bestehen. Optimierungen erfolgen feinjustierend und berücksichtigen unterschiedliche Nutzungskontexte.

Take-Home-Messages: Selbstgesteuertes Training praktischer Fertigkeiten entsteht nicht durch das bloße Bereitstellen von Ressourcen, sondern durch gezielte didaktische Gestaltung. Selbstgesteuertes Lernen entsteht nicht zufällig, sondern durch strukturierte Entscheidungs- und Handlungsräume. Wunsch und Ermöglichung lassen sich so gezielt aufeinander abstimmen.


References

[1] Swanwick T. Understanding Medical Education: Evidence, Theory and Practice. 2nd ed. Hoboken: Wiley; 2013. DOI: 10.1002/9781118472361
[2] Dyrna J, Riedel J, Schulze-Achatz S, Köhler T. Selbstgesteuertes Lernen in der beruflichen Weiterbildung. Ein Handbuch für Theorie und Praxis. Münster: Waxmann Verlag GmbH; 2021. DOI: 10.31244/9783830993643
[3] Dyrna J, Riedel J, Schulze-Achatz S. Wann ist Lernen mit digitalen Medien (wirklich) selbstgesteuert? Ansätze zur Ermöglichung und Förderung von Selbststeuerung in technologieunterstützten Lernprozessen. In: Gemeinschaften in Neuen Medien. Dresden, 24.-26.10.2018. Dresden: TUDpress; 2019.