Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Vom Skill zur Simulation – kompetenzorientierte Neustrukturierung des Notfalltrainings im Zahnmedizinstudium
Text
Hintergrund: Am Medizinischen Interprofessionellen Trainingszentrum (MITZ) der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus werden Zahnmedizinstudierende in einem longitudinalen Curriculum systematisch in praktischen und kommunikativen Kompetenzen geschult. Im Rahmen der Umsetzung der neuen ZApprO erfolgte eine curriculare Neustrukturierung mit dem Ziel, die Lehrinhalte inhaltlich und zeitlich neu zu ordnen sowie didaktisch sinnvoll mit dem Querschnittbereich (QB) Notfallmedizin zu verzahnen. Im Mittelpunkt stand dabei eine kompetenzorientierte Progression notfallmedizinischer Fertigkeiten.
Projektbeschreibung: Zunächst wird das Training praktischer Fertigkeiten auf die Fachsemester (FS) 6 und 7 konzentriert. Das neue Konzept verfolgt dabei eine klare Steigerung des Kompetenzniveaus im Bereich notfallmedizinischer Fertigkeiten über die Fachsemester hinweg und ist inhaltlich sowie zeitlich mit den Lehreinheiten des QB Notfallmedizin abgestimmt. Im 6. FS werden grundlegende Basisfertigkeiten (z.B. Überprüfung der Vitalparameter, Atemwegsmanagement) eingeübt. Die Integration dieser Skills in ein simulationsbasiertes Notfalltraining erfolgt im 7.FS. Dieses umfasst vier aufeinander aufbauende Anwendungsszenarien.
Das Praktikum ist grundsätzlich nach dem Flipped-Classroom-Konzept aufgebaut und wird im Peer-Teaching-Format durchgeführt. Das 6. FS findet im Rotationsverfahren der Praktikumsgruppen statt, während sich im 7. FS aufgrund der Gruppengröße Plenumsphasen und Kleingruppenarbeit abwechseln, um allen Studierenden eine aktive Beteiligung an den Notfallszenarien zu ermöglichen. Zur Erhöhung der Authentizität der Lernumgebung unterstützt eine Simulationsperson (SP) die Szenarien. Diese werden von wechselnden Kleingruppen in einem separaten Simulationsraum bearbeitet und per Videoübertragung für die übrigen Studierenden live zugänglich gemacht, sodass alle aktiv in Beobachtung, Analyse und Diskussion eingebunden sind. Das sich anschließende Debriefing fokussiert die strukturierte Ersteinschätzung, die Umsetzung adäquater Erstmaßnahmen sowie Teamarbeit und -kommunikation und wird durch ein 360°-Feedback ergänzt.
Begleitend erfolgt eine Evaluation hinsichtlich Attraktivität des Formats, subjektivem Lerneffekt sowie didaktischer Umsetzung.
Ergebnisse: Die Implementierung erfolgte im Sommersemester 2024 und Wintersemester 2024/25. Die Studierenden bewerten das Training als praxisnah und didaktisch überzeugend. Insbesondere die realitätsnahen Szenarien mit SP und das konstruktive Feedback wurden als lernförderlich hervorgehoben. Nach dem Training im 7. FS fühlen sie sich deutlich sicherer im Umgang mit Notfallsituationen.
Diskussion: Die curriculare Neuordnung im Sinne einer gestuften Kompetenzentwicklung ermöglicht eine inhaltlich stringente und mit dem QB Notfallmedizin gut abgestimmte Ausbildung. Die enge Verzahnung fördert nachhaltigen Kompetenzaufbau und Anwendungssicherheit.



