Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Entwicklung eines Frameworks für interaktive Kompetenzen in der humanmedizinischen Ausbildung
Text
Hintergrund/Fragestellung: Die Beschwerden der Patienten*innen bezüglich der Kommunikationskompetenzen der Ärzt*innen sind in den letzten zwei Jahrzehnten weitgehend stabil geblieben. Das ist überraschend angesichts der weit verbreiteten Integration von Kommunikationsausbildung in medizinische Lehrpläne. Eine mögliche Erklärung ist das Fehlen einer umfassenden Konzeptualisierung interaktiver Kompetenzen in der medizinischen Ausbildung.
Methoden: Wir führten ein umfassendes Literaturreview durch (u.a. [1], [2], [3], siehe Abbildung 1 [Abb. 1]), um ein vorläufiges Framework für interaktive Kompetenzen zu entwickeln. Dieses Framework wurde anschließend durch einen strukturierten mehrrundigen Konsensprozess auf Basis einer verkürzten Version der COMET-Ergebnismethodik an einer Schweizer medizinischen Fakultät verfeinert. Zu den Teilnehmenden gehörten mehrere Interessengruppen – Medizinstudierende, Kliniker*innen, Patientenvertreter*innen sowie lokale und nationale Expert*innen.
Abbildung 1: Übersicht der 3 hauptsächlich zugrundegelegten Frameworks zur Erarbeitung des lokalen Modells
Ergebnisse: Der Konsensprozess ergab einen Framework aus sechs miteinander verbundenen Bereichen interaktiver Kompetenz (siehe Abbildung 2 [Abb. 2]): Self-Compassion; Selbstreflexion; grundlegende zwischenmenschliche Kommunikation einschließlich kultureller Demut; digitale Kommunikation; Kommunikation in herausfordernden Situationen (z.B. Gespräche über schwere Krankheiten); und Teamkommunikation, einschließlich Kommunikation über Berufsgruppen und Hierarchien hinweg.
Abbildung 2: Modell interaktiver Kompetenzen. Ein aus 6 Bereichen bestehendes mögliches Modell interaktiver Kompetenzen
Diskussion: Wir schlagen einen konsensbasierten Framework für interaktive Kompetenzen in der medizinischen Grundausbildung vor. Grundlegende Kompetenzen wie Self-Compassion, Selbstreflexion und zwischenmenschliche Kommunikation werden durch Kompetenzen ergänzt, die in komplexeren Kontexten erforderlich sind, einschließlich Interaktionen in herausfordernden Situationen, in Teams und Hierarchien sowie in digitalen Umgebungen. Das Framework könnte helfen, potenzielle Einschränkungen aktueller Kommunikationstrainingsansätze zu adressieren, die sich hauptsächlich auf direkte Ärzt*innen-Patient*innen-Interaktionen konzentrieren, indem interaktive Kompetenz neu als multidimensional konzipiert wird. Durch die Integration persönlicher, relationaler und organisatorischer Interaktionsbereiche bietet es eine strukturierte Grundlage für Curriculumsgestaltung, Assessment kommunikativer Kompetenzen und Bildungsforschung darüber. Dieses breitere Modell könnte helfen, interaktive Kompetenzausbildung mit der klinischen Komplexität in Einklang zu bringen, obwohl weitere institutionenübergreifende Validierungen erforderlich sind, um seine breitere Anwendbarkeit zu bestätigen.
Take-Home-Message: Mit diesem Framework kann auf ein literaturbasiertes, lokal konsensuiertes Werk für die Planung kommunikativer Kompetenzen im Humanmedizincurriculum zurückgegriffen werden.
References
[1] Kiessling C, Dieterich A, Fabry G, Hölzer H, Langewitz W, Mühlinghaus I, Pruskil S, Scheffer S, Schubert S; Committee Communication and Social Competencies of the Association for Medical Education (Gesellschaft für Medizinische Ausbildung); Basler Workshop Participants. Communication and social competencies in medical education in German-speaking countries: The Basel Consensus Statement.: Results of a Delphi Survey. Patient Educ Couns. 2010;81(2):259-266. DOI: 10.1016/j.pec.2010.01.017[2] Bachmann C, Abramovitch H, Barbu CG, Cavaco AM, Elorza RD, Haak R, Loureiro E, Ratajska A, Silverman J, Winterburn S, Rosenbaum M. A European consensus on learning objectives for a core communication curriculum in health care professions. Patient Educ Couns. 2013;93(1):18-26. DOI: 10.1016/j.pec.2012.10.016
[3] Noble LM, Scott-Smith W, O’Neill B, Salisbury H; UK Council of Clinical Communication in Undergraduate Medical Education. Consensus statement on an updated core communication curriculum for UK undergraduate medical education. Patient Educ Couns. 2018;101(9):1712-1719. DOI: 0.1016/j.pec.2018.04.013



