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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Angehörige begleiten – Gespräche gestalten: Ein Überblick über Unterrichtskonzepte

Simone Hatebur - Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für die Ausbildung personaler und interpersonaler Kompetenzen im Gesundheitswesen, Witten, Deutschland
Sophie Schmid - Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für die Ausbildung personaler und interpersonaler Kompetenzen im Gesundheitswesen, Witten, Deutschland
Mathea Berger - Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für die Ausbildung personaler und interpersonaler Kompetenzen im Gesundheitswesen, Witten, Deutschland
Claudia Kiessling - Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für die Ausbildung personaler und interpersonaler Kompetenzen im Gesundheitswesen, Witten, Deutschland

Text

Hintergrund/Fragestellung: Für medizinisches Fachpersonal ist eine effektive Kommunikation mit Angehörigen eine wichtige und auch herausfordernde Aufgabe, insbesondere in schwierigen Situationen wie die palliativmedizinische Versorgung. Studien zeigen, dass sich viele medizinische Fachkräfte in der Kommunikation mit Angehörigen von Patient*innen mit begrenzter Lebenszeit unzureichend ausgebildet fühlen. Dies kann zu negativen Outcomes (z.B. Stress, mangelnder Arbeitszufriedenheit, Burnout) bei den Behandelnden führen [1]. In der Palliativversorgung werden Angehörige als Teil des Behandlungsteams betrachtet [2]. Sie fühlen sie sich oft allein gelassen und unzureichend informiert [2], [3]. Ziel der Studie war es, einen Überblick über Lehrkonzepte zur Kommunikation mit Angehörigen von Patient*innen mit begrenzter Lebenszeit in der Ausbildung von Gesundheitsfachkräften zu geben.

Methoden: Im Rahmen eines Scoping Reviews erfolgte eine systematische Literaturrecherche in den Datenbanken PubMed, Cochrane, CINAHL, PsychInfo und MEDLINE. Einschlusskriterien waren u.a.: deutsche/ englische Sprache, Lernende im Gesundheitswesen, Lehrkonzepte zur Kommunikation mit Angehörigen von Patient*innen mit begrenzter Lebenszeit. Die Datenextraktion erfolgte anhand folgender Themen:

  • Informationen zur Studie (Autor, Erscheinungsjahr, Land, Studiendesign, Anzahl der Messpunkte)
  • Beschreibung der Teilnehmenden (Profession und Lernniveau)
  • Beschreibung des Curriculums (u.a. Lernziele und -methoden, Umsetzungsstrategien, Evaluation)

Ergebnisse: Es wurden 39 Studien inkludiert. Zu den am häufigsten verwendeten Lehrstrategien gehörten Präsenzvorlesungen in Verbindung mit Rollenspielen mit und ohne Simulationspersonen. 29 Artikel beschreiben ein monoprofessionelles Lehrsetting mit Schwerpunkt Humanmedizin, vor allem im Studium und in der Weiterbildungsphase. Die weiteren Artikel beschreiben ein interprofessionelles Setting. Diese finden primär im Weiterbildungskontext statt. 23 Artikel beschreiben ein integriertes Curriculum, z.B. im Rahmen eines Lehrplans der Palliativmedizin, Notfallmedizin oder Medizinethik. Ein häufig genanntes Lernziel ist die Durchführung einer Familienkonferenz. Outcomes der Evaluation sind vorwiegend auf der Ebene der Reaktion der Teilnehmenden und deren Lernerfolg.

Diskussion: Die Ergebnisse zeigen eine Vielfalt an Lehrkonzepte zur Angehörigenkommunikation, die sowohl in integrierten als auch in isolierten curricularen Formaten umgesetzt werden. Dies ermöglicht es, in unterschiedlichen curricularen Settings das Thema zu adressieren und mit Lernenden mono- und interprofessionell zu üben. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Vermittlung von Familienkonferenzen ebenso wie eine Verknüpfung von Theorie und Praxis.

Take-Home-Message: Die Literatur bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Kommunikation mit Angehörigen von Patient*innen mit begrenzter Lebenszeit in die aktuelle Lehre zu integrieren und damit diesem klinisch hoch relevanten Thema gerecht zu werden.


References

[1] Stiefel F, Barth J, Bensing J, Fallowfield L, Jost L, Razavi D, Kiss A; participants. Communication skills training in oncology: a position paper based on a consensus meeting among European experts in 2009. Ann Oncol. 2010;21(2):204-207. DOI: 10.1093/annonc/mdp564
[2] Brandstätter M, Fischinger E. 2.4 Angehörige in der Palliativversorgung: Erwachsene, Kinder und Jugendliche. In: Feeg M, Gramm J, Pestinger M, editors. Psychologie und Palliative Care: Aufgaben, Konzepte und Interventionen in der Begleitung von Patienten und Angehörigen. Stuttgart: Kohlhammer; 2012. p.38. DOI: 10.17433/978-3-17-023550-2
[3] Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP), editor. S3- Leitlinie Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung. AWMF-Registernummer 128-001OL. Zugänglich unter/available from: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/128-001OL