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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Entwicklung und erste psychometrische Prüfung eines offenen, mehrdimensionalen Tests – PEKA-Test – zum kritischen Denken in der medizinischen Ausbildung

Julius Wiemschulte - Justus-Liebig-Universität Gießen, Gießen, Deutschland
Pauline Jürgens - Justus-Liebig-Universität Gießen, Gießen, Deutschland
Moritz Kühnle - Justus-Liebig-Universität Gießen, Gießen, Deutschland
Leonard Tiberius Stolz - Justus-Liebig-Universität Gießen, Gießen, Deutschland
Anouk Walzberg - Justus-Liebig-Universität Gießen, Gießen, Deutschland

Text

Hintergrund/Fragestellung: Die Förderung kritischen Denkens ist ein zentrales Ziel der medizinischen Ausbildung, wobei die valide Erfassung herausfordernd ist. Etablierte Testverfahren erfassen häufig vor allem logische Teilaspekte, nutzen überwiegend geschlossene Antwortformate oder sind nur eingeschränkt zugänglich. Für die Evaluation curricularer Lehrkonzepte fehlt damit ein Instrument, das kritisches Denken differenziert, kontextnah und standardisiert abbildet. Ziel der Studie war die Entwicklung eines offenen Testverfahrens zur Erfassung mehrerer Dimensionen kritischen Denkens [1], [2].

Methoden: Der entwickelte Test basiert auf vier theoretisch abgeleiteten Dimensionen kritischen Denkens (analytisch, ethisch, perspektivisch, konstruktiv). Medizinstudierende bearbeiten sechs offene Thesen zu gesundheitsbezogenen Fragestellungen im Freitextformat. Die Auswertung erfolgt anhand eines hierarchischen, kumulativen Scoringrasters. Der Test wurde bei 70 Medizinstudierenden im frühen klinischen Studienabschnitt eingesetzt. Vier unabhängig geschulte Bewerter werteten die Antworten aus. Die Objektivität wurde mittels Streuungsmaßen, Intraklassenkorrelationen und prozentualer Übereinstimmung geprüft. Reliabilität und Dimensionalität wurden mithilfe konfirmatorischer Faktorenanalyse und Rasch-Modellierung untersucht.

Ergebnisse: Die Bewertungen zeigten eine geringe Streuung zwischen den Bewertern (normierte Standardabweichung <0,20), was auf eine hohe Objektivität hinweist. Für die analytische Dimension ergab sich eine gute Übereinstimmung der Bewerter. Die konfirmatorische Faktorenanalyse zeigte für diese Dimension eine sehr gute Modellpassung (CFI≈1,00; RMSEA≈0,00). Ergänzend wies die Rasch-Analyse stabile Itemparameter und eine akzeptable Messgenauigkeit auf. Für die übrigen Dimensionen zeigte sich aufgrund ausgeprägter Bodeneffekte eine eingeschränkte psychometrische Modellierbarkeit.

Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass ein offenes, kriteriumsgeleitetes Scoringverfahren zur reliablen Erfassung ausgewählter Dimensionen kritischen Denkens geeignet ist. Insbesondere für das analytische Denken konnten robuste psychometrische Eigenschaften nachgewiesen werden. Die eingeschränkte Modellierbarkeit der weiteren Dimensionen deutet weniger auf methodische Defizite des Instruments als auf geringe Ausprägungen dieser Facetten in frühen Studienphasen hin. Damit macht der Test nicht nur messbare Unterschiede im kritischen Denken sichtbar, sondern liefert zugleich Hinweise auf entwicklungsabhängige Kompetenzprofile.

Take-Home-Messages:

  • Offene Antwortformate können kritisches Denken objektiv und reliabel erfassen, wenn sie kriteriumsgeleitet ausgewertet werden.
  • Das Instrument ermöglicht eine differenzierte Analyse einzelner Dimensionen kritischen Denkens jenseits reiner Wissens- oder Logiktests.
  • Unterschiede in der Modellierbarkeit der Dimensionen weisen auf entwicklungsabhängige Ausprägungen kritischen Denkens im Medizinstudium hin.

References

[1] Jahn D. Was es heißt, kritisches Denken zu fördern: Ein pragmatischer Beitrag zur Theorie und Didaktik kritischen Nachdenkens. Z Mediaman. 2013:28.
[2] Jahn D. Kritisches Denken mit ChatGPT fördern und einen souveränen Umgang mit der KI kultivieren. In: Siebert H, editor. Grundlagen der Weiterbildung – Praxishilfen. München: Luchterhand; 2025. p.1-36.