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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Wahrnehmungen von Rollen für Simulationspersonen im Vergleich: KI- versus menschlich erstellte Rollenskripte

Rahel Kurpat - Ruhr-Universität Bochum, Zentrum für Medizinische Lehre, Bochum, Deutschland
Thorsten Schäfer - Ruhr-Universität Bochum, Zentrum für Medizinische Lehre, Bochum, Deutschland

Text

Hintergrund/Fragestellung: Rollenskripte bilden die Grundlage von Simulationspersonen-Einsätzen in der Aus-, Fort- und Weiterbildung in Medizin und Gesundheitsberufen [1]. Ihre Qualität beeinflusst maßgeblich, inwieweit Simulationen authentisch umgesetzt [2] und Leistungen standardisiert beurteilt werden können [3]. Mit dem Einsatz generativer KI zur Erstellung von SP-Rollenskripten rücken neben inhaltlichen Qualitätsfragen auch ihre Wahrnehmung als „menschlich“ oder „künstlich“ in den Fokus, was potenziell Glaubwürdigkeit und Spielbarkeit beeinflusst. Ziel dieser Studie war es, die Wahrnehmung von KI-gestützten, hybriden und menschlich erstellten Rollenskripten zu untersuchen sowie zugrundeliegende Wahrnehmungsmuster zu identifizieren.

Methoden: Im Rahmen eines nicht-curricularen Simulationstrainings wurden drei Skripterstellungsformen eingesetzt: menschlich (erfahrene SP-Trainerin), vollständig KI-gestützt (ChatGPT-4, standardisierte Prompts) und hybride (KI mit gezielten Rückfragen). Die Skripte wurden in zwei Semestern mit jeweils unterschiedlichen Studierendengruppen eingesetzt, was die Stabilität der Daten erhöhte. Es wurden Einschätzungen zur vermuteten Autorenschaft sowie deren Begründungen von SP, Tutor*innen und Studierenden erhoben (n=116). Freitextbegründungen wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse mit deduktiv-induktiver Kategorienbildung ausgewertet.

Ergebnisse: Die tatsächliche Entstehungsweise der Rollenskripte wurde in nur 28,45% der Einschätzungen korrekt erkannt. Die Analyse identifizierte mehrere wiederkehrende Wahrnehmungskategorien: Aufbau/Schreibstil, Authentizität, Komplexität der Figur, Stereotypisierung und Kohärenz. Rollenskripte wurden als menschlich erstellt wahrgenommen, wenn sie hohe Charakter- und Rollenvielfalt, spezifische Details, eine detaillierte Hintergrundgeschichte und Realismus zeigten. KI-gestützte Skripte wurden hingegen mit geringer Komplexität, Stereotypisierung und fehlender emotionaler Tiefe assoziiert. Beim Auftreten beider Merkmale erfolgte eine Hybrid-Zuschreibung. Auffällig war, dass KI-Indizien die Einschätzung dominierend beeinflussten, selbst wenn andere Hinweise auf menschliche Erstellung hindeuteten.

Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass Einschätzungen zur Entstehungsweise von SP-Rollenskripten auf subjektiven Merkmalen beruhen. Da die tatsächliche Herkunft in nur 28,45% der Fälle korrekt erkannt wurde, sind dies keine zuverlässigen Indikatoren für die Autorenschaft. Für den Einsatz generativer KI bei der Erstellung von SP-Rollenskripten bedeutet dies: Die Frage nach der Autorenschaft tritt hinter die wahrgenommene Stimmigkeit zurück. Gleichzeitig unterstreicht die Studie die Notwendigkeit einer Qualitätssicherung anhand geeigneter Kriterien, unabhängig von der Erstellungsmethode.

Take-Home-Message: In der Wahrnehmung von KI- und menschlich erstellten Rollenskripten zählt nicht die Herkunft, sondern wie überzeugend, stimmig und spielbar die Rolle im Simulationskontext ist.


References

[1] Murano SA, Rockenbauch K. Erarbeitung von glaubhaften Simulationen mithilfe von Rollenskripten für SPs. In: Peters T, Thrien C, editors. Simulationspatienten. Handbuch für die Aus- und Weiterbildung in medizinischen und Gesundheitsberufen. Bern: Hogrefe; 2018. p.33-46.
[2] Bachmann C, Simmenroth A, Schnabel K. Qualitätssicherung in der Fallentwicklung und Falldarstellung. In: Peters T, Thrien C, editors. Simulationspatienten. Handbuch für die Aus- und Weiterbildung in medizinischen und Gesundheitsberufen. Bern: Hogrefe; 2018. p.113-122.
[3] Schnabel KP, Bauer D, Schmitz FM, Hitzblech T, Brem BG. Simulated patients’ role-portrayal in the clinical skills part of the Swiss federal licensing exam is of high quality and improves further over time as measured with the FAIR OSCE instrument. GMS J Med Educ. 2025;42(1):Doc12. DOI: 10.3205/zma001736