Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Psychologische Sicherheit fördern: Strategien für eine fehlerfreundliche Lehrkultur in der medizinischen Ausbildung
Text
Einführung: Psychologische Sicherheit beschreibt die geteilte Überzeugung eines Teams, dass zwischenmenschliche Risiken – wie das Stellen von Fragen, das Äußern von Unsicherheiten oder das Ansprechen von Fehlern – ohne Angst vor Beschämung, Zurückweisung oder negativen Konsequenzen eingegangen werden können [1].
Für Lernende ist es ausgesprochen wichtig, in einer sicheren Umgebung zu lernen, in der Fehler als Lerngelegenheit gesehen werden und nicht als Inkompetenz oder Versagen. Zahlreiche Studien zeigen zudem, dass psychologische Sicherheit im medizinischen Arbeitskontext zu einer Verbesserung der Patientensicherheit und der Teamkultur und damit Arbeitszufriedenheit führt [2], [3].
Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, psychologische Sicherheit bereits in der medizinischen Ausbildung systematisch zu fördern. Die Realität an vielen Hochschulen ist jedoch eine andere – häufig findet Unterricht in einem hierarchischen und nicht fehlerfreundlichen Umfeld statt. In unserem Workshop wollen wir zeigen, wie wichtig psychologische Sicherheit ist und was Lehrende tun können, um diese gezielt in ihren Lehrformaten zu fördern.
Der Workshop verbindet theoretische Impulse mit erfahrungsorientierten Übungen und der Entwicklung individueller Handlungsschritte.
Lernziele: Nach dem Workshop können die Teilnehmenden:
- Das Konzept der psychologischen Sicherheit erklären und dessen Bedeutung in der medizinischen Ausbildung diskutieren.
- Strategien identifizieren, um in ihren Lehrformaten psychologische Sicherheit zu vermitteln.
- Risiken für die psychologische Sicherheit benennen und Maßnahmen anwenden, um diese wieder herzustellen.
- Maßnahmen entwickeln, um Kolleg*innen für die Bedeutung psychologischer Sicherheit zu sensibilisieren.
Ablauf der Veranstaltung mit Zeitplan inkl. eingesetzter didaktischer Methoden:
Block 1 (20 Min.) – Diskussion und Hinführung zum Thema:
- Reflexion eigener Lernerfahrungen in der medizinischen Ausbildung und darüber hinaus in Kleingruppen,
- Fördernde und hinderliche Lernumfelder identifizieren (Think-Pair-Share).
Block 2 (20 Min.) – Impulsvortrag mit Best-Practice-Beispielen:
- Was bedeutet psychologische Sicherheit im Lehrkontext?
- Was gefährdet psychologische Sicherheit und wie kann ich damit umgehen?
- Welche Strategien können zum Herstellen von psychologischer Sicherheit in verschiedenen Lehrformaten verwendet werden?
Block 3 (50 Min.) – Transfer in die eigene Lehrpraxis:
- Gruppenarbeit: Wie stelle ich psychologische Sicherheit in meinem Lehrformat her?
- Mini-Simulation von Seminarsituationen (Rollenspiel) und Erproben eigener Strategien.
- Entwicklung konkreter Umsetzungsschritte für die eigenen Lehrformate.
- Abschlussdiskussion.
Zielgruppe: Lehrende in Gesundheitsberufen und Führungskräfte aus medizinischen Einrichtungen
Vorbereitung: Keine spezifische Vorbereitung erforderlich. Eigene Erfahrungen als Lehrender oder Lernender können in die Diskussion eingebracht werden.
Literatur
[1] Edmondson AC. Die angstfreie Organisation: Wie Sie psychologische Sicherheit am Arbeitsplatz für mehr Entwicklung, Lernen und Innovation schaffen. München: Verlag C.H.Beck; 2020. DOI: 10.15358/9783800660681[2] Leape LL, Berwick DM. Five years after To Err Is Human: what have we learned? JAMA. 2005;293(19):2384-2390. DOI: 10.1001/jama.293.19.2384
[3] Violato E. A state-of-the-art review of speaking up in healthcare. Adv Health Sci Educ Theory Pract. 2022;27(4):1177-1194. DOI: 10.1007/s10459-022-10124-8



