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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Sieben Alternativen zu evidenzbasierter medizinischer Ausbildung: Lehre im Spannungsfeld zwischen didaktischer Evidenz und klinischer Realität

Sabine Drossard - Universitätsklinikum Würzburg, Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie, Würzburg, Deutschland
Anja Härtl - Univeristätsklinikum Augsburg, Hygiene und Umweltmedizin, Augsburg, Deutschland
Johanna Büchel - Universitätsklinikum Würzburg, Frauenklinik und Poliklinik, Würzburg, Deutschland

Text

Kontext/Problemstellung: Medizindidaktische Evidenz gilt als Leitprinzip moderner medizinischer Lehre. In der klinischen Praxis werden didaktische Entscheidungen jedoch häufig weniger durch Evidenz als durch Traditionen, Hierarchien, Zeitdruck, institutionelle Rahmenbedingungen und persönliche Präferenzen geprägt. Diese informellen Steuerungsmechanismen bleiben meist implizit, sind aber hoch wirksam für Lernprozesse, Rollenbilder und professionelle Identitätsentwicklung.

Ausgehend von einem Beitrag im BMJ Christmas Issue [1] werden sieben typische Alternativen zur evidenzbasierten Medizindidaktik vorgestellt, die sich in der klinischen Lehre wiederfinden:

  1. Traditionsbasiert: „Das haben wir schon immer so gemacht“ – inklusive ausgedehnter Monologe.
  2. Anekdotenbasiert: Eigene klinische Erfahrungen dominieren systematisches Lernen.
  3. Selbstreferenziell: Lehre kreist um die eigene Forschung und Expertise.
  4. Unterhaltungsbasiert: Performance ersetzt Didaktik – Lehre als Bühne.
  5. Zufriedenheitsbasiert: Gute Evaluation ist wichtiger als Kompetenzentwicklung.
  6. Immersionsbasiert: Kompetenz soll durch bloße Anwesenheit entstehen.
  7. Unabhängigkeitsbasiert: Selbststudium (inkl. Social Media und KI) und Peer-Teaching ersetzen strukturierte Lehre.

Ziel dieser Fringe Session ist es, verbreitete nicht-evidenzbasierte Entscheidungslogiken in der klinischen Lehre systematisch sichtbar zu machen und gemeinsam mit den Teilnehmenden deren Auswirkungen sowie den Umgang mit der Spannung zwischen evidenzbasierter Didaktik und klinischer Realität zu reflektieren. Die Session unterstützt Lehrende dabei, implizite didaktische Muster im eigenen Lehrhandeln zu erkennen, deren Auswirkungen auf Lernende kritisch zu reflektieren und realistische Strategien zum Umgang mit begrenzten Ressourcen zu diskutieren. Damit leistet sie einen Beitrag zur Faculty Development im Spannungsfeld zwischen Evidenz, Kultur und klinischer Machbarkeit.

Welche interaktiven Elemente sind geplant?

Die Session ist interaktiv konzipiert und kombiniert:

  • kurze szenische Vignetten aus dem klinischen Lehralltag,
  • strukturierte Publikumsabstimmungen,
  • sowie eine abschließende Plenumsdiskussion zu Grenzen und Möglichkeiten evidenzbasierter Lehre im Alltag.

Literatur

[1] Drossard S, Härtl A, Büchel J. Seven alternatives to evidence based medical education: an exploration of how we actually teach. BMJ. 2025;391:r2551. DOI: 10.1136/bmj.r2551