Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Von Zufriedenheit zu Wirkung: Entwicklung und Implementierung eines mehrstufigen Evaluationsmodells für ein longitudinales Mentoringprogramm im Modellstudiengang Humanmedizin
Text
Problembeschreibung/Zielsetzung: Mentoringprogramme sind ein etabliertes Instrument zur Förderung der professionellen Entwicklung von Medizinstudierenden. Evaluationen beschränken sich jedoch häufig auf Zufriedenheitsmessungen und lassen Aussagen zur Kompetenzentwicklung oder langfristigen Wirkung nur eingeschränkt zu. Im Modellstudiengang Humanmedizin MEDiC am Medizincampus Chemnitz wurde ein longitudinales Mentoringprogramm mit zwei Programmlinien (wissenschaftliches und/oder klinisches Mentoring) implementiert. Ziel dieses Projektes ist die Entwicklung und erste Implementierung eines theoriegeleiteten, mehrstufigen Evaluationsmodells, das über reine Reaktionsmessungen hinausgeht und unterschiedliche Wirkungsebenen abbildet.
Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden: Basierend auf bestehenden Zufriedenheitsbefragungen früherer Programmdurchläufe wurde ein iterativer Entwicklungsprozess durchgeführt. Als theoretischer Rahmen dienten etablierte Evaluationsmodelle (u.a. Kirkpatrick-Modell) sowie bestehende Mentoring-Evaluationsinstrumente. Quantitative Daten aus bisherigen Evaluationen (standardisierte Onlinebefragungen der Mentees) wurden sekundäranalytisch ausgewertet. Ergänzend erfolgte die Entwicklung neuer Evaluationsdimensionen (z.B. Kompetenzentwicklung, berufliche Orientierung, Qualität der Mentoringbeziehung).
Ergebnisse: Insgesamt beteiligen sich derzeit 101 Mentor*innen und 84 Mentees, von insgesamt 199, am Programm. Die bisherigen Evaluationen zeigten eine hohe Zufriedenheit der Teilnehmenden (Mittelwert: 4,0±0,8 auf einer 5-Punkt-Likertskala), wobei 85% der Mentees das Programm weiterempfehlen würden. Rund 79% der Mentees würden erneut am Programm teilnehmen. 36% der Mentees bewerten den Startzeitpunkt des Mentorings als zu früh, insbesondere im Hinblick auf wissenschaftliches Mentoring. Unter den Mentor*innen bewerteten 80% den Startzeitpunkt als passend, und 90% gaben an, erneut als Mentor*innen tätig sein zu wollen. Weitere qualitative Rückmeldungen aus Feedbackgesprächen werden derzeit thematisch analysiert und zur Weiterentwicklung des Evaluationsdesigns genutzt.
Diskussion: Die Ergebnisse verdeutlichen die Limitationen eindimensionaler Zufriedenheitsmessungen in Mentoringprogrammen in der medizinischen Ausbildung. Ein kombiniertes Evaluationsdesign aus standardisierten Befragungen und dialogischen Feedbackformaten ermöglicht eine differenziertere Betrachtung von Wirkmechanismen longitudinaler Mentoringstrukturen. Das entwickelte Modell könnte als übertragbares Framework für die Evaluation mentoringbasierter Lehrformate dienen. Zur Untersuchung langfristiger Effekte ist eine Verbleibstudie geplant, die den Einfluss des Mentoringprogramms auf Karriereentscheidungen und regionale Bindung analysieren soll.
Take-Home-Messages: Mehrstufige, longitudinal angelegte Evaluationsansätze, einschließlich strukturierter Feedbackgespräche, können die Wirkung von Mentoringprogrammen über reine Zufriedenheitsmessungen hinaus sichtbar machen.



