Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Longitudinale Progress Tests mit individueller Rückmeldung in der Vorklinik: Wissenschaftliche Begleitung einer kontinuierlichen Physikumsvorbereitung
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Zielsetzung: Um Studierende von Beginn an kontinuierlich auf den Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (Physikum) vorzubereiten, wurden an der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm zum Wintersemester 2025/26 drei verpflichtende Klausuren eingeführt. Diese finden jeweils zu Beginn der Semester zwei, drei und vier statt und prüfen die bis dahin gelehrten Inhalte. Die Studierenden erhalten mit den Klausurergebnissen eine individuelle Rückmeldung, die ein zielgerichtetes Lernen ermöglichen soll. Die Maßnahme wurde in Abstimmung mit der Fachschaft Medizin entwickelt und ist Voraussetzung für den weiteren Studienverlauf. Zur Überprüfung und Weiterentwicklung wurde eine wissenschaftliche Begleitung angelegt.
Evaluationsmethode: Die Evaluation umfasst Online-Befragungen an mehreren Zeitpunkten: T0 etwa drei Monate vor der ersten Klausur, T1 geteilt in eine Gruppe unmittelbar vor der Klausur (T1.1) und eine Gruppe nach Rückmeldung zu den Klausurergebnissen (T1.2), sowie T2 und T3 jeweils nach den beiden weiteren Klausuren. Erhoben werden die Selbstwirksamkeitserwartung (SWE) [1] in Bezug auf das Bestehen des Physikums (4-stufige Antwortskala: „stimmt gar nicht“ – „stimmt genau“), die studentischen Überzeugungen zur Leistungsbewertung [2], Lernstrategien und -verhalten [3], sowie Erwartungen, Studienaufwand und Akzeptanz der Klausuren (5-stufige Antwortskalen: „trifft gar nicht zu“ – „trifft völlig zu“).
Ergebnisse: Daten von 258 Studierenden (65,5% weiblich) mit einem Durchschnittsalter von 20,05 (SD=2,10) Jahren konnten zu T0 ausgewertet werden (Rücklaufquote 67%). Die mittlere SWE beträgt 2,84 (SD=0,55). Die SWE korreliert positiv mit der beabsichtigten Nutzung kognitiver (r=0,22), metakognitiver (r=0,18) und ressourcenbezogenen (r=0,12) Lernstrategien sowie negativ mit dem empfundenen Überforderungsgefühl durch Klausuren (r=-0,32; alle p<0,05). Insgesamt zeigen die Studierenden eine konstruktive und selbstverantwortliche Einstellung zu Prüfungen, was ebenfalls mit einer erhöhten beabsichtigten Anwendung einzusetzender Lernstrategien (r=0,29; p<0,05) verbunden ist. Die Angaben zum Lernverhalten deuten gleichwohl auf weitere Unterstützungsbedarfe hin. Die neuen Klausuren werden mehrheitlich als hilfreich für die Physikumsvorbereitung bewertet (M=3,89; SD=1,11); die Sinnhaftigkeit wird geringer eingeschätzt (M=3,28; SD=1,09).
Diskussion: Angesichts des zeitlichen Abstands zum Physikum sind die moderaten SWE-Werte erwartbar. Trotz überwiegend positiver Erwartungen lassen die Antworten auf eine gewisse Unsicherheit 2-3 Monate vor der ersten Klausur schließen. Die weitere Längsschnittbefragung (T1.1 & T1.2) wird zeigen, wie sich Einstellungen und Lernverhalten der Studierenden entwickeln. Die entsprechenden Ergebnisse werden bis Sommer 2026 vorliegen.
Take-Home-Message: Regelmäßige Progress Tests können die Physikumsvorbereitung aus studentischer Sicht unterstützen, unterliegen jedoch auch Nebenwirkungen, die beobachtet und ggf. adressiert werden sollten.
Literatur
[1] Knispel J, Wittneben L, Slavchova V, Arling V. Skala zur Messung der beruflichen Selbstwirksamkeitserwartung (BSW-5-Rev). Zusammenstellung sozialwissenschaftlicher Items und Skalen (ZIS). 2021. DOI: 10.6102/zis303[2] Brown GT. Self-regulation of assessment beliefs and attitudes: a review of the Students’ Conceptions of Assessment inventory. Educ Psychol. 2011;31(6):731-748. DOI: 10.1080/01443410.2011.599836
[3] Wild KP, Schiefele U. Lernstrategien im Studium-Ergebnisse zur Faktorenstruktur und Reliabilität eines neuen Fragebogens. Z Diff Diagn Psychol. 1994;15:185-200.



