Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Exploration namentlicher Interaktion zwischen Lehrenden und Studierenden in der medizinischen Lehre: Entwicklung und psychometrische Evaluation eines Pilotfragebogens
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Hintergrund: Frühere Forschungsergebnisse zeigen, dass die Wahrnehmung von Studierenden, dass Lehrende sie namentlich kennen, mit Engagement und dem Gefühl von Zugehörigkeit im Hochschulkontext zusammenhängt. Allerdings wurde die namentliche Interaktion zwischen Lehrenden und Studierenden bislang kaum als mehrdimensionales Konstrukt untersucht, und ein psychometrisch validiertes Instrument liegt für die medizinische Ausbildung bislang nicht vor. Ziel dieser Studie war die Entwicklung und explorative Prüfung eines Pilotfragebogens zur Erfassung der studentischen Wahrnehmung namentlicher Ansprache durch Lehrende im Medizinstudium.
Methoden: Die Instrumentenentwicklung erfolgte in einem mehrstufigen explorativen Prozess unter Einbezug qualitativer Vorarbeiten, iterativer Itemformulierung und expertenbasierter Prüfung der Inhaltsvalidität. Insgesamt 59 Items wurden an Medizinstudierende (N=270) der Semester 2-10 einer deutschen medizinischen Fakultät ausgegeben. Die Faktorenstruktur wurde mittels explorativer Faktorenanalyse auf Basis polychorischer Korrelationsmatrizen mit obliquer Rotation untersucht. Die Itemreduktion erfolgte anhand vordefinierter psychometrischer Kriterien. Die interne Konsistenz wurde mit Cronbachs α und McDonalds ω bestimmt. Ergänzend wurden Rasch-Partial-Credit-Modelle berechnet.
Ergebnisse: Sechs Items wurden aufgrund geringer Varianz und ausgeprägter Bodeneffekte ausgeschlossen. Die Analysen ergaben eine Vierfaktorenlösung mit 18 Items. Die Faktoren 1-3 (je fünf Items) zeigten hohe Faktorladungen sowie gute interne Konsistenz. Faktor 4 (drei Items) wies eine geringere, jedoch akzeptable Reliabilität auf. Die Rasch-Analysen bestätigten für die Faktoren 1–3 eine zufriedenstellende Itemanpassung und Messpräzision; für Faktor 4 fielen die Rasch-basierten Reliabilitätskennwerte niedriger aus.
Diskussion: Es wurde ein 18-Item-Instrument mit vier differenzierten Dimensionen entwickelt (lernbezogene Aktivierung, soziale Sicherheit, wahrgenommene Wertschätzung, lehrendenbezogenes Verhalten). Methodisch kombiniert die Studie qualitative Instrumentenentwicklung mit explorativer Faktorenanalyse und Rasch-Modellierung. Aufgrund der Erhebung an nur einer medizinischen Fakultät (Single-Site-Design) sowie des explorativen Designs ist die Generalisierbarkeit eingeschränkt. Das Instrument bildet eine Grundlage für konfirmatorische Validierungsstudien und weiterführende Forschung zur individuellen Interaktion in der medizinischen Ausbildung.
Take-Home-Message: Das Pilotinstrument erfasst mehrere Dimensionen namentlicher Interaktion zwischen Lehrenden und Studierenden im Medizinstudium und weist adäquate psychometrische Eigenschaften auf. Es bietet eine Grundlage für zukünftige konfirmatorische Validierung und weiterführende Forschung zur individuellen Interaktion in der medizinischen Lehre.



