Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
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Fachbereiche, Kompetenzen und CanMED-Rollen studentischer Tutor*innen an der LernKlinik Leipzig: Eine Portfolioanalyse
Text
Hintergrund/Fragestellung: Eine systematische Übersichtsarbeit zu Vorteilen des Peer-teachings für studentische Tutor*innen [1] weist darauf hin, dass Tutor*innen durch ihre Tätigkeit nicht nur Fachwissen und praktische Fertigkeiten erwerben, sondern auch didaktisches Verständnis, Kommunikations-, Team- und Führungskompetenzen entwickeln. Darüber hinaus kann die Tätigkeit als studentische:r Tutor*in die Entwicklung einer professionellen Identität fördern [1], [2], [3]. Ziel der vorliegenden retrospektiven Studie war es daher zu untersuchen, in welchen konkreten Fach- und Kompetenzbereichen sowie überfachlichen Aufgabenbereichen studentische Tutor*innen Fertigkeiten erwerben und welche CanMED-Rollen durch die Tätigkeit als studentische*r Tutor*in an der LernKlinik Leipzig gefördert werden.
Methoden: Schriftliche Portfolios studentischer Tutor*innen, die im Zeitraum von 2013 bis 2023 für mind. vier Semester an der LernKlinik Leipzig tätig waren, wurden qualitativ (induktive/deduktive Kategorienbildung) und quantitativ (deskriptive Datenanalyse mit IBM SPSS 29) ausgewertet.
Ergebnisse: Insgesamt wurden Portfolios von 66 Tutor*innen in die Auswertung eingeschlossen. Von den Tutor*innen waren 71,2% weiblich; 90,9% studierten Medizin und 54,5% waren zu Beginn ihrer Tätigkeit im 5. bzw. 6. Fachsemester. Im Durchschnitt waren die Tutor*innen sechs Semester (4-10 Semester) in der LernKlinik tätig, gaben 159 Kurse (37-353 Kurse) aus sechs verschiedenen Fachbereichen (3-10 Fachbereiche; z.B. Innere Medizin, Anästhesie und Intensivmedizin, Allgemeinmedizin), lehrten fünf verschiedene Kompetenzbereiche (2-8 Kompetenzbereiche; z.B. Notfallmaßnahmen, Untersuchungs- u. Punktionstechniken) und übernahmen drei verschiedene weitere Aufgaben (0-6 Aufgaben) in der LernKlinik (z.B. Organisation von Lehrveranstaltungen/Prüfungen). Zudem waren 71,2% der Tutor*innen als Multiplikator*innen tätig, indem sie neue Tutor*innen einlernten, Kurse hospitierten oder supervidierten. Die Tätigkeit als studentische*r Tutor*'in in der LernKlinik Leipzig bildet dabei vor allem die CanMED-Rollen communicator, medical expert und scholar ab.
Diskussion: Studentische Tutor*innen der LernKlinik Leipzig übernehmen über mehrere Semester hinweg vielfältige und verantwortungsvolle Aufgaben über das Peer-teaching hinaus. Die Umsetzung multiplikatorischer Aufgaben sowie die Abbildung mehrerer CanMED-Rollen in den verschiedenen Tätigkeiten weisen dabei auf einen ausgeprägten Kompetenzzuwachs sowie eine zunehmende Professionalisierung im Verlauf der Tätigkeit hin. Neben fachlichen und praktischen Kompetenzen fördert die Tutor*innentätigkeit insbesondere kommunikative und didaktische Fertigkeiten.
Take-Home-Messages: Die Ergebnisse der Portfolioanalyse zeigen, dass studentische Tutor*innen in der medizinischen Lehre vielfältige Lehr-, Organisations- und Multiplikator*innenrollen übernehmen und dabei ein breites Spektrum fachlicher und überfachlicher Kompetenzen erwerben.
Literatur
[1] Tanveer MA, Mildestvedt T, Skjærseth IG, Arntzen HH, Kenne E, Bonnevier A, Stenfors T, Kvernenes M. Peer teaching in undergraduate medical education: what are the learning outputs for the student-teachers? A systematic review. Adv Med Educ Pract. 2023;14:723-739. DOI: 10.2147/AMEP.S401766[2] Kruskie ME, Byram JN, Mussell JC. Near-peer teaching opportunities influence professional identity formation as educators in future clinicians. Med Sci Educ. 2023;33(6):1515-1524. DOI: 10.1007/s40670-023-01951-4
[3] Harden J, Harden RM. The student as teacher. In: Harden J, Harden RM, editors. The changing role of medical students. Philadelphia: Elsevier; 2023. p.112-127.



